Förderantrag abgelehnt Schutz vor Wölfen: Balkumer fühlt sich im Stich gelassen

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Der Balkumer Landwirt Christian Kolfen-Bohnenkamp ist enttäuscht, dass sein Förderantrag zur Errichtung eines Wolfsschutzzaunes abgelehnt worden ist. Foto: Ilona UphausDer Balkumer Landwirt Christian Kolfen-Bohnenkamp ist enttäuscht, dass sein Förderantrag zur Errichtung eines Wolfsschutzzaunes abgelehnt worden ist. Foto: Ilona Uphaus

Balkum. 14 junge Kälber grasen zurzeit mit den Mutterkühen auf einer Kräuterweide neben einem Hof in Balkum. Christian Kolfen-Bohnenkamp betreibt Weideviehhaltung mit Galloways und Angus-Rindern. Ein idyllischer Anblick, der jedoch bald Geschichte sein könnte.

Der Landwirt ist über die Ablehnung eines Zuschusses für einen Wolfsschutzzaun so aufgebracht, dass er überlegt, aus wirtschaftlichen Gründen von der ökologisch orientierten Landwirtschaft wieder zur konventionellen zu wechseln, seine Herde abzuschaffen und Mais statt Kräuterwiesen auszusäen. „Der Wolf ist da“, ist dem Balkumer klar – spätestens seit er selber ein Tier in Balkum entdeckte. Das war bereits im Februar 2017, morgens gegen acht Uhr, in der Nähe seiner abseits vom Hof liegenden Weiden. Dass es tatsächlich ein Wolf war, bestätigte ihm damals ein Jäger, der die Beobachtung zeitgleich vom Hochsitz aus machte.

Kolfen-Bohnenkamp macht sich für den Augenblick keine Sorgen um einen Riss seiner Tiere. In der Nähe des Hofes seien diese tagsüber sicher, nachts hole er die Herde in den Stall. Doch in rund zwei Wochen sei die Weide abgegrast. Die Herde müsste umgetrieben werden auf andere Wildkräuterwiesen im Balkumer Bruch außerhalb besiedelter Bereiche. Die Idee: Ein Antrag an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLKWN), um einen kleinen Bereich der Wiesen mit einem Schutzzaun zu sichern und die Herde hier nachts unterzubringen. Kostenpunkt rund 10.000 Euro, denn ein sicherer Wolfsschutzzaun muss bestimmte Kriterien erfüllen, er ist höher und hat einen Untergrabungsschutz. Diese Summe selber aufzuwenden, rentiere sich nicht, sagt der Landwirt.

Förderung grundsätzlich möglich

Zuwendungen für Präventionsmaßnahmen sind seit dem 6. Dezember 2017 grundsätzlich im gesamten Landesgebiet als „Förderkulisse Herdenschutz“ förderfähig und zum Herdenschutz von Schafen, Ziegen und Gatterwild vorgesehen. In Ausnahmefällen können auch Schutzmaßnahmen für Rinder und Pferde gefördert werden, ist auf der Homepage des Niedersächsischen Umweltministeriums nachzulesen. Bis zu 80 Prozent der Kosten sind förderfähig.

Groß war die Enttäuschung des Landwirts über den Inhalt, aber auch die Form der schriftlichen Ablehnung. Im Schreiben des NLKWN - datiert vom 9. November 2017 - heißt es wortwörtlich „wie am 12. 04 2018 besprochen, ist eine Förderung von Rindern auf ihren Standorten nicht möglich. Der Nabu und WickiWolves helfen ehrenamtlich beim Zaunbau.“ Mehr Sätze enthält der Brief nicht. Rechtsbehelfsbelehrung wie in amtlichen Schreiben üblich – Fehlanzeige.

Unsere Redaktion fragte daher beim zuständigen Mitarbeiter in Hannover nach. Der will seinen Namen nicht veröffentlicht sehen, sagt aber, im Landkreis Osnabrück seien nur Badbergen, Quakenbrück und Bohmte in der Förderkulisse für Rinderhalter drin. Diese Bereiche erfüllten das Kriterium von drei Wolfsrissen in einem Jahr innerhalb von 30 Kilometern Umkreis. Also müsse in Balkum erst drei Mal der Ernstfall eintreten, bevor Unterstützung möglich sei?, wollen wir wissen. Der Mitarbeiter weist auf die Homepage hin, wo das „Wolfskonzept als Grundlage“ nachgelesen werden könne. Wie sichere Weidezäune aussehen, erfahre man bei „AID“. Doch bei der Suche im Internet erfahren wir: Der AID-Infodienst existiert in seiner ursprünglichen Form nicht mehr. Unter dem Dach der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) wurden zwei neue zentrale Einrichtungen gegründet: Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) und das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL).

Wolfsberater teilt Bedenken

Wir sprechen mit dem Wolfsberater des Landkreises Osnabrück, Arndt Eggelmeyer aus Ueffeln. Der wundert sich ebenfalls, dass im Schreiben keine Begründung genannt wird. Die Region sei „in der Förderkulisse“ für „monetäre Unterstützung“, sagt er, weiß aber, dass dieses für Rinderhalter nur in Ausnahmefällen gilt. Ihm sei allerdings noch kein Fall eines Antrags von Rinderhaltern bekannt, aber der Wolf mache „keinen Unterschied zwischen Schaf und Kalb“. An die ausgewachsenen Tiere gehe er nicht ran, sondern suche sich „immer das schwächste Stück“ aus. Der Wolfsberater kennt die Gegebenheiten in Balkum gut. In Sichtweite des Hofes liegt die L 70, die Bottumer Straße, wenig weiter verläuft die B 218. Falls die Rinderherde durchgehe, sei das „in der Tat eine große Gefahr, besonders nachts“, kann der Experte die Befürchtung des Landwirts nachvollziehen.

Wenn die Rückkehr des Wolfes in unsere Region akzeptiert werden soll, müssten die Rahmenbedingungen für die Landwirte stimmen, findet Christian Kolfen-Bohnenkamp. Problematisch werde es doch gerade für die ökologisch orientierte Landwirtschaft mit Weideviehhaltung, deren Förderung erklärtes Ziel vieler Politiker sei. Er fühlt sich jedenfalls „völlig von der Politik im Stich gelassen“.


Auf der Homepage des NLWKN heißt es: Durch die Richtlinie Wolf wird ein Beitrag zum Schutz vor dem Wolf geleistet. Sie sieht zwei Arten der finanziellen Unterstützung von Nutztierhaltern vor: sog. „Billigkeitsleistungen“ zum anteiligen finanziellen Ausgleich bei Nutztierrissen und die Unterstützung von Präventionsmaßnahmen in Form einer vorsorglichen Beschaffung von wolfsabweisenden Schutzzäunen und Herdenschutzhunden. Dadurch soll die Akzeptanz der Bevölkerung und insbesondere der Nutztierhalterinnen und Nutztierhalter gegenüber dem Wolf gestärkt und ein konfliktarmes Nebeneinander von Mensch und Wolf ermöglicht werden. Damit dient die Richtlinie gleichzeitig auch dem Schutz der Tierart Wolf.

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