Erfolge bei Bundeswettbewerben Bramscher Gymnasiastinnen glänzen mit Fremdsprachen

: Sie freuen sich über die Auszeichnung der Sprachschülerinnen: Schulleiterin Barbara Bolz, Judith Heidebreck, Victoria Hoch, Pia Mingenbach, Sebastian Bröcker. Foto: Cremering: Sie freuen sich über die Auszeichnung der Sprachschülerinnen: Schulleiterin Barbara Bolz, Judith Heidebreck, Victoria Hoch, Pia Mingenbach, Sebastian Bröcker. Foto: Cremering

Bramsche. Drei Schülerinnen des Greselius-Gymnasiums Bramsche haben durch Erfolge bei bundesweiten Fremdsprachenwettbewerben auf sich aufmerksam gemacht.

„Gleich drei so ausgezeichnete Sprach-Schülerinnen an einem Gymnasium!“. Barbara Bolz, Schulleiterin des Greselius-Gymnasiums, kann es noch gar nicht fassen: Judith Heidebreck, aktuelle Abiturientin, Pia Mingenbach und Victoria Hoch (beide Jahrgang 11) wurden für ihre herausragenden Leistungen in Fremdsprachen ausgezeichnet. Während Judith bereits zum Deutschlandfinale der letzten 49 Sprachkünstler beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen eingeladen wurde, warten Victoria und Pia auf den Einzug in die nächste Runde des Schülerwettbewerbs „Alte Sprachen 2017/18“. Ihre eingereichten Arbeiten sind allerdings schon mit „sehr gut“ bewertet worden.

Eigener Film

Neue Sprachen und neue Medien – für Judith ging es beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen in Runde 1 darum, einen englischsprachigen Film über eine literarische Figur zu drehen. Kommentiert werden musste das Projekt dann auf Französisch. „Ich habe Scout Finch gewählt, denn die Figur aus dem Roman „To kill a Mockingbird“ gefiel mir ausgesprochen gut“, so Judith. Ideen wurden gesammelt, ein Drehbuch geschrieben, der Plan umgesetzt. „Meine Freundin Miriam hielt dann die Kamera, während ich erklärte.“ Wenn man Judith so sprechen hört, erscheint das Projekt ganz einfach. Doch das täuscht. Die Abiturientin musste permanent in zwei Fremdsprachen denken, planen und formulieren.

Finalrunde im September

In der zweiten Runde musste sie schriftlich ihr Können in beiden Sprachen unter Beweis stellen. Ihre Arbeit überzeugte die Jury schließlich so sehr, dass sie bundesweit unter die letzten 49 Teilnehmer kam. Vom 14. bis zum 17. September darf sie während der Finalrunde in Mannheim zeigen, wie sehr sie in Englisch und Französisch zu Hause ist. Diese Fertigkeiten möchte Judith auch später im Studium vertiefen. Aktuell überlegt sie, in Frankreich Politikwissenschaften mit Fokus auf Europa und die deutsch-französischen Beziehungen zu studieren. Da kämen ihr ein Stipendium, Sprachkurse im Ausland oder eine Sprachreise durch Europa, die möglichen Gewinne des Wettbewerbs, durchaus gelegen.

Sprache als Waffe

Nicht in den modernen Fremdsprachen, sondern bei den Altphilologen fühlen sich Pia und Victoria beheimatet. Das Thema ihrer Studien erscheint allerdings recht aktuell. Es geht darum, wie ein Politiker Notsituationen eines Volkes zu eigenen Zwecken bzw. zur Selbstinszenierung nutzt. Im Zentrum der Arbeit steht der römische Konsul Cicero, der seinen politischen Gegner Catilina im Jahre 63 v. Chr. eines Umsturzversuches bezichtigte. Cicero inszenierte sich in den Folgejahren als „umsichtiger Anführer“ und „Beschützer aller Bürger“, dem die Rettung des Vaterlandes zu verdanken ist. Inwieweit dieses überlieferte Bild der Wahrheit entspricht, untersuchten die beiden Schülerinnen mithilfe moderner Forschungsliteratur. Dabei erkannten sie, dass der begnadete Redner Cicero seine Sprachfertigkeit „als Waffe“ einsetzte, um sich selbst aufzuwerten, den politischen Gegner zu disqualifizieren und sich so der Konkurrenz zu entledigen.

Latein und Logik

Interesse und Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten und an der Sprache motivierte die beiden Elftklässlerinnen dazu, ihre Freizeit zwei Monate lang diesem Themenbereich zu widmen. „Latein ist das Fach, das ich am meisten mag, denn dort kann ich Sprache mit logischem, naturwissenschaftlichen Denken verbinden“, erzählt Pia. Natürlich habe auch die Aussicht, mit Bestehen der zweiten Runde, also eben dieser Facharbeit, im kommenden Schuljahr die Abiturklausur des vierten schriftlichen Prüfungsfaches ersetzen zu können, gelockt. Als der Abgabetermin endlich erreicht war und die „schlaflosen Nächte, in denen ich plötzlich aus dem Tiefschlaf aufgewacht bin, weil mir noch eine bessere Formulierung für einen Satz eingefallen ist“, ein Ende hatten, sei auch die Familie erleichtert gewesen: „Die drei roten Kreuze stehen bei uns tatsächlich im Kalender“, verrät Pia.

Beeindruckender Fleiß

„Mich beeindrucken nicht nur der unglaubliche Fleiß der beiden und ihre Fähigkeiten zur wissenschaftlichen Arbeit, sondern auch die hervorragenden, weit über den Erwartungshorizont reichenden Einsichten“, schwärmt Lateinlehrer Rahe. „Eine freiwillige wissenschaftliche Arbeit im Umfang von 50 bzw. 90 Seiten, so etwas habe ich noch nie lesen dürfen.“ Er und sein Kollege Bröcker, der am GGB die Fremdsprachwettbewerbe koordiniert, sind sich einig: Das ist kaum noch zu steigern. Daher sehen sie mit Zuversicht der Entscheidung des Niedersächsischen Altphilologenverbandes entgegen. Dieser wird in den nächsten Tagen die Schüler bestimmen, die sich vom 7. bis zum 9. Juni dem zentralen Kolloquium in Wolfenbüttel stellen dürfen. Als Preis winkt dem Sieger ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes.