26-Jähriger drogenabhängig Nach Serie von Kfz-Aufbrüchen zwei Jahre Haft für Bramscher

Von Holger Schulze

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Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren ist ein 26-jähriger Bramscher nach einer Serie von Kfz-Aufbrüchen verurteilt worden. Symbolfoto: Sigrid SchülerZu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren ist ein 26-jähriger Bramscher nach einer Serie von Kfz-Aufbrüchen verurteilt worden. Symbolfoto: Sigrid Schüler

Bramsche/Bersenbrück. Wegen einer Serie von Pkw-Aufbrüchen ist ein 26-jähriger Bramscher vom Schöffengericht in Bersenbrück zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden.

Ein halber Meter wird es wohl gewesen sein, den am Prozesstag der Aktenstapel auf dem Tisch des Gerichtes einnahm. Von März bis November 2017 hatte ein 26-jährige Bramscher, überwiegend in den Ortsteilen von Bramsche, insgesamt 34 Fahrzeuge aufgehebelt und Bargeld, Smartphone und andere Wertgegenstände entwendet, so die Erkenntnisse der Ermittlungsbehörden. In zwei Fällen warf ihm die Staatsanwältin vor, mit den dabei entwendeten Scheckkarten Geld erbeutet zu haben. Auch vier Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz enthielt die Anklageschrift.

Rund 15 Minuten dauerte allein die Verlesung der dem Angeklagten vorgeworfenen Taten. Kurz hielt hingegen der Angeklagte zunächst seinen Einlassung zur Tat. „Die Straftaten treffen alle zu. Ich habe sie alle begangen“, fasste er sein bereits vor der Polizei abgelegtes Geständnis zusammen.

Cannabiskonsum ging ins Geld

Nach seiner Entlassung aus dem Strafvollzug im Januar 2017 war ihm nach und nach das Geld ausgegangen. Insbesondere der Cannabiskonsum ging ins Geld. Auch heute noch sei er abhängig und müsse immer, wenn er Geld habe, seiner Sucht nachgehen, schilderte der gelernte Bauten- und Objektbeschichter, der zudem den Gesellenbrief als Maler und Lackierer besitzt, seine persönliche Situation. Gegenwärtig bestehe bei ihm die Absicht, eine Therapie in Angriff zu nehmen. Ein erster Versuch im Jahre 2014 sei letztlich nicht erfolgreich gewesen, weil er direkt nach der Therapie wieder rückfällig geworden war.

Nach vergeblichen Versuchen, sich Geld von Freunden zu leihen, sei es im März 2017 zu dem ersten Kfz-Aufbruch gekommen. Das erbeutete Geld wurde dann vom Angeklagten „relativ schnell wieder in Drogen reinvestiert“. Bei allen Aufbrüchen habe ihn allein das Bargeld interessiert. Nur mehr durch Zufall, weil in einem Fall zwei EC-Karten zwischen den Geldscheinen steckten und darauf die PIN-Nummern notiert waren, sei er auch darauf gekommen, Geld am Automaten abzuheben. Computerbetrug nannte diesen Sachverhalt später die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Die sonst noch erbeuteten Gegenstände wie Geldbörsen, Handys und Handtaschen habe er stets weggeworfen. Es war eine Friedhofsgärtnerin, der der Angeklagte erstmals aufgefallen und er somit in das Visier der Polizei geraten war.

Einige Vorstrafen

Akribisch arbeitete das Gericht Fall für Fall ab. Überaus präzise erinnerte und gestand der Angeklagte nochmals im Detail jeden einzelnen Vorwurf. Die strafrechtlichen Vorbelastungen des Angeklagten enthielten neun Eintragungen wegen Sachbeschädigung und Diebstahl. Versuchter Computerbetrug, gemeinschaftlicher Raub mit Körperverletzung, Wohnungseinbruch sowie Nötigung zählten ebenfalls zu den Taten, die dem Angeklagten bereits mehrjährige Haftstrafen eingebracht hatten.

Für die aktuell verhandelten Straftaten machte der Angeklagte seine Cannabissucht aufgrund unverarbeiteter Gewalterfahrungen in der Kindheit verantwortlich. Eine Psycho- und Drogenentzugstherapie sei ihm deshalb jetzt angeraten worden. Drei Jahre Freiheitsstrafe hielt die Staatsanwältin dennoch, selbst unter Berücksichtigung des Geständnisses, für angemessen. Auch wenn bei diesem Strafmaß eine Aussetzung der Freiheitsstrafe zur Bewährung ohnehin ausgeschlossen ist, sprach sich die Vertreterin der Anklagebehörde zusätzlich gegen eine Bewährungsstrafe aus, weil der Angeklagte einschlägig vorbestraft sei und zudem nur zwei Monate nach seiner Haftentlassung in einer hohen Rückfallgeschwindigkeit mit den Autoaufbrüchen begonnen hatte.

Eigentlich hätte der Angeklagte mit seinen zwei Gesellenbriefen mehr aus seinem Leben machen können, gab der Verteidiger zu bedenken. Drei Jahre Gefängnis würden ihm wieder sämtliche Möglichkeiten hierzu nehmen. „Er muss Hilfe bekommen und hat dazu nur eine Chance, wenn er zwei Jahre bekommt“, regte die Verteidigung mit Blick auf § 35 des Betäubungsmittelgesetzes an. Nach dieser Norm kann die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe für längstens zwei Jahre zurückgestellt werden, wenn sich der Verurteilte in eine Therapie begibt. Voraussetzung ist allerdings, dass der Betroffene zu einer Freiheitsstrafe von höchstens 24 Monaten verurteilt wird.

Diesem Antrag der Verteidigung wollte sich das Schöffengericht nicht verschließen. Es verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung. „Mit den Taten haben Sie einen erheblichen Schaden und Aufwand bei den Geschädigten hinterlassen“. Auch seien etliche der Taten pietätlos begangen worden, weil sie an Friedhöfen stattfanden, wo sich trauernde Menschen aufhalten, begründete das Gericht seine Entscheidung.


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