Start in die Saison 2018 Varusschlacht Kalkriese bietet wieder Grabungscamps an

Von Lydia Münstermann

Mit viel Vorsicht legen Tina und Paul Kunad ihre Funde frei.. Foto: Lydia MünstermannMit viel Vorsicht legen Tina und Paul Kunad ihre Funde frei.. Foto: Lydia Münstermann

Kalkriese. Im Grabungscamp der Varusschlacht konnten die Besucher am Sonntag, 15. April 2018, selbst einmal in die Rolle eines Archäologen schlüpfen und nach Funden im Boden graben. In kleinen Teams wird Stück für Stück der Sand abgetragen. Seit einem Jahr bietet das Museum die Aktion bereits für Schulklassen und einmal im Monat sonntags auch für die Besucher an.

Henny Pfeffer erklärt den Nachwuchs-Forschern im Camp, wie ein Archäologe arbeitet. Dabei gehen sie stratigraphisch vor, das heißt, dass Schicht für Schicht einzeln abgetragen wird. Sobald man mit der Kelle anstößt, ist noch mehr Vorsicht geboten, damit der Fund nicht beschädigt wird. „Dabei können nicht nur einzelne Funde, sondern auch Farbunterschiede im Boden etwas aussagen“, erklärt sie.

An diesem Sonntag betreut die Museumsmitarbeiterin circa 25 Personen in kleineren Gruppen, die jeweils 60 Minuten in den Sandkästen des Grabungscamps die archäologische Arbeit ausprobieren. Es ist ein eher ruhiger Tag, aber die Saison beginnt auch gerade erst. Im vergangenen Jahr wurde die Aktion gut angenommen, sowohl von Schulklassen als auch von Familien und Erwachsenengruppen.

Mit Kelle, Schaufel und Pinsel

Das erste Team am Sonntag ist Familie Kunad, die sich motiviert mit Kelle, Schaufel und Pinsel an die Arbeit macht. Dabei fällt schnell auf, dass ein Archäologe nicht nur fachliches Wissen benötigt, sondern auch viel Geduld und eine hohe Frustrationstoleranz. „Am häufigsten findet man Blätter und Schrott“, sagt Henny Pfeffer.

Auch Paul Kunad entdeckt zunächst nur kleine Kiesel, die man leicht für einen Zahn halten könnte. Der Achtjährige weiß viel über die Varusschlacht und erkennt sofort, dass seine Mutter die Sohle einer Römersandale gefunden hat. Die Museumsmitarbeiterin erklärt, dass die Römer damals Nägel in die Sohlen geschlagen haben. Da das Leder verrottet, fand man nur noch die Nägel. „Wie die Stollenschuhe beim Fußball“, findet Paul.

Viele der Funde in den Sandkästen des Grabungscamps sind an echte Artefakte angelehnt, die auch in der Ausstellung zu finden sind. So zum Beispiel die bekannte Maske, auch wenn sie im Gegensatz zum Original rostfrei und deutlich erkennbar auf dem Grund einer Grabungsstelle befestigt ist. „Das ist ein schönes Programm, um Archäologie für Kinder fassbar zu machen“, meint auch Tina Kunad.

Analyse im Grabungsbüro

Die Feinarbeit wird dann mit einem Pinsel durchgeführt, sodass am Ende kaum noch Sand auf dem Fund liegt. Vor allem für Schüler bietet das Museum auch eine anschließende Analyse im Grabungsbüro an, bei der die genaue Herkunft bestimmt und die anschließenden Untersuchungsmethoden der Forscher erklärt werden. Am Sonntag erzählte Henny Pfeffer die Hintergründe der freigelegten Gegenstände. Der von Torsten Kunad gefundene Mühlstein zeigt beispielsweise, dass die Römer damals in den Feldlagern selbst für ihre Verpflegung sorgen mussten.

„Viel ist durch die Bebauung verloren gegangen, da damals kein Interesse an der Archäologie bestand“, erklärt Henny Pfeffer. Dies sei erst im 17. und 18. Jahrhundert entstanden. Man habe daher Glück gehabt, dass die Varusschlacht hauptsächlich unter Feldern lag, die durch eine Düngerschicht geschützt wurden.