Letztes Konzert schwach besucht Kruse&Blanke überzeugen bei Bramscher Kneipenkult(o)ur

Von Holger Schulze

Detlef Blanke und Michael Kruse (von links) boten am Samstagabend einen großen Auftritt vor zunächst sehr kleinem Publikum. Foto>: Holger SchulzeDetlef Blanke und Michael Kruse (von links) boten am Samstagabend einen großen Auftritt vor zunächst sehr kleinem Publikum. Foto>: Holger Schulze

Bramsche. Das Kneipenkult(o)urprogramm ging mit einem Gleichgewicht von Gästen auf der einen und Künstlern und Personal auf der anderen Seite in sein Finale für diese Jahr. Aber, je später der Abend, desto mehr Besucher kamen dann doch noch und genossen den Auftritt von Kruse & Blanke.

Manchmal hat Können und Qualität so rein gar nichts mit der Größe des zuhörenden Publikums zu tun. Am Samstagabend zum Konzertbeginn von Kruse & Blanke gehörten Humor und Hoffnung auf Besserung im Verlauf des Abends bei den Künstlern und dem Gastgeberteam im Spritzenhaus angesichts der per Handschlag begrüßten Zuschauer zur professionellen Umgangsweise mit Unwägbarkeiten.

Das Programm versprach handgemachte Musik mit hohem Wohlfühlfaktor. Das Duo selbst spielt seit 37 Jahren zusammen und benötigt nach eigenem Bekunden keine Akquise, was die Auftrittsangebote anbelangt.„Hallo Bramsche, es ist schön, euch live zu erleben“, die Künstler nahmen den publikumsmageren Start ihres Konzertes mit herzlichem Humor und freundlicher Gelassenheit.

Und wer dabei war, der durfte sich hinsichtlich des musikalischen Anspruchs, den Kruse und Blanke realisierten, wirklich beglückwünschen.

Allein die Stimme von Michael Kruse belohnte den Besuch. Wer durch sie an John Denver erinnert wurde, lag völlig richtig. Vor etlichen Jahren gewann Michael Kruse bei Rudi Carell das goldene Mikrofon. Auch heute noch singt er einfach mitnehmend und dann mal seidenweich, mal smart.

Ob bei „Dust in the Wind oder „Take Me Home, Country Roads“, sowie bei den weiteren Titeln, die aus einer Zeit stammten, in der die Schallplatten noch schwarz und aus Vinyl waren, aus Tagen, in denen der Tonarm behutsam aufgesetzt wurde und ein Weiterzappen durch die Titel nicht mittels Fernbedienung möglich war - das Duo schaffte es stets, den Sound vergangener Zeiten in die Gegenwart zu transportieren und dennoch die einzelnen Titel durch ihren eigenen Stil aus dem Hier und Jetzt zu prägen.

Kruse & Blanke ist beileibe keine reine Coverband. Der Berufsbassist Detlef Blanke und sein Partner, im Brotberuf Feuerwehrmann, verstehen es, einen individuell geknüpften, gefühlsechten, dichten und authentischen Klangteppich aus leidenschaftlichen Stücken, intensiven Stimmen und eingespielter Beherrschung der Instrumente frisch in den Zuhörerraum hinein zu produzieren.

Der dominante Gesang von Michael Kruse, kombiniert mit dem dezenten Bass sowie der markant akzentuierten Begleitstimme von Detlef Blanke entschädigten selbst für die etwas suboptimale Akustik im Spritzenhaus.

Auch Titel, die im Original schon mal mit größerem Instrumentarium aufgeführt wurden, ließen in der Interpretation von Kruse & Blanke keine Zentimeter an Volumen vermissen. Was die beiden Musiker aus ihren Stimmen und Gitarren herausholten, empfahl sie für weitere Einladungen nach Bramsche.

„Ihr seid so hammergut und ich hätte euch gerne letzte Woche hier gehabt“, kommentierte Wirtin Marion Wehrmann-Cook nach dem fünften Titel in Anspielung auf die Veranstaltung eine Woche zuvor, bei der das Publikum auch den Außenbereich des Spritzenhauses füllte, über das Mikrofon und brachte es damit einfach auf den Punkt. Kruse & Blanke haben die Publikumsgröße eines Sommerkulturprogramms auf dem Kirchplatz verdient. Wenn dann noch die erweiterten Möglichkeiten einer anderen Akustik die leicht metallischen Schärfen aus dem im Spritzenhaus vorhandenen Klangbild herausfiltern, dann kann es eigentlich nur heißen: „Ihr seid auch vor einem großen Publikum hammergut.“