Programm „Aber bitte mit ohne“ Kabarett Zingsheim glänzte im Bramscher „Universum“

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Kabarettist Martin Zingsheim bot eine starke Vorstellung im Bramscher „Universum“. Foto: Reinhard FanslauKabarettist Martin Zingsheim bot eine starke Vorstellung im Bramscher „Universum“. Foto: Reinhard Fanslau

Bramsche. Restlos überzeugte und angetane Besucher ließ am Mittwochabend Kabarettist Martin Zingsheim im Bramscher Kino „Universum“ Universum zurück.

Knapp zwei Stunden lang servierte der „Junge Wilde“, wie er oft genannt wird, Wortwitz und Ironisches auf höchstem Niveau ohne Effekthascherei. Es war die dritte Veranstaltung im Rahmen des laufenden Kultur-Abos.

Tatsächlich gibt es Leute, so Zingsheim, die zu seinen Auftritten kommen, weil sie einen nostalgisch schönen Schlagerabend erwarten. Das liegt daran, dass sie den Titel seines Programms nicht richtig gelesen haben. Dieser lautet „Aber bitte mit ohne“ und nicht „Aber bitte mit Sahne“. Genau hinschauen und hinhören lohnt sich aber bei dem 34-Jährigen. Wo andere Pointen abliefern, die serienweise unter der Gürtellinie sind, glänzt Zingsheim mit niveauvoll Hintergründigem, über das seine Fans oft auch zwei Mal nachdenken müssen. Genau deswegen ist bei dem, was der der Rheinländer vorträgt, der Begriff Kabarett angebracht und wäre die Bezeichnung Comedy verfehlt.

Konzentration auf das Wesentliche

Wie es der Name seines Programms aussagt, geht es um Reduzierung und auf die Konzentration auf das Wesentliche. Das zog der Künstler geschickt als roten Faden durch den gesamten Abend –nur er und ein Mikrophon, sonst nichts. Sein erster Tipp des Abends lautete: „Schaffen Sie sich Kinder an, notfalls auch eigene. Denn Kinder helfen einem am besten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – auch finanziell “. Ein selbstironischer Gag aus dem Mund eines vierfachen Vaters. „Auch Männer werden häufig überschätzt“, führte Zingsheim die Selbstironie fort. Ihn wundere es daher nicht, dass innerhalb kurzer Zeit drei seiner weiblichen Bekannten lesbisch geworden sind. Die Zuschauer forderte er auf: „Schauen Sie sich doch bitte mal hier um. Von Herman van Veen bis Klaus Kinski ist heute alles dabei.“

Wie es sich für einen guten Kabarettisten gehört, ging Zingsheim auf die aktuelle Politik ein. Er bedauere es, dass es zu einer Großen Koalition und nicht zu einem Jamaika-Bündnis gekommen ist, denn: „Ich hätte das gerne gesehen, wie Wolfgang Kubicki, Horst Seehofer und Claudia Roth vier Jahre lang einer Meinung sind. Dafür hätte ich sogar Geld bezahlt.“ Und noch ein politischer Seitenhieb: „ Jens Spahn hat es innerhalb von Minuten geschafft, dass mir sogar Christian Lindner sympathisch ist.“ Dann schwenkte er zum Thema „Religion“ über und schickte seine persönliche Erkenntnis voran: „Religion sollte man viel öfter mit Humor nehmen.“ Als Beispiel führte er den legendären TV-Moderator („Was bin ich?“) Robert Lembke an, der einst sagte: „Christen dürfen nur eine Frau heiraten. Man nennt das Monotonie.“ Ihm sei aufgefallen, sagte der Kabarettist, dass religiöse Fanatiker nicht besonders stark an ihrem Leben hängen. Diese Beobachtung mündete in der Frage: „Oder haben Sie schon mal einen Salafisten mit Fahrradhelm gesehen?“.

Nur selten richtig böse

So richtig böse zu werden hat Zingsheim bei seiner kabarettistischen Qualität nicht nötig. Es passierte auch nur an wenigen Stellen, so zum Beispiel, als es um Berufe ging. „Ein Serienkiller und ein völlig überarbeiteter Chirurg liegen gar nicht so weit auseinander – was das Ergebnis ihrer Arbeit betrifft.“ Er selber wollte ursprünglich mal Gangster-Rapper werden. „Aber dann kamen mir Abitur und der Respekt vor Frauen dazwischen“, sagte der Künstler. Gut, dass sich Zingsheim rechtzeitig auch beruflich auf das Wesentliche konzentriert hat und ein inzwischen vielfach ausgezeichneter Kabarettist geworden ist. Dem Bramscher Publikum wäre sonst ein wunderbarer kultureller Abend im leider nicht ausverkauften „Universum“ entgangen.


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