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Üben auch ohne Schnee Wie eine Schlittenhunderennenfahrerin in Lappenstuhl trainiert

Von Nadine Grunewald

Miriam Seidl-Meyerrose trainiert mit ihren Hunden in Lappenstuhl. Foto: Jörn MartensMiriam Seidl-Meyerrose trainiert mit ihren Hunden in Lappenstuhl. Foto: Jörn Martens

Lappenstuhl. Dick eingepackt wegen des Fahrtwinds und mit einem Helm auf dem Kopf zum Schutz steht eine Frau auf einem kleinen Wagen und rast bei rund 15 Grad und Sonnenschein durch Lappenstuhl – gezogen von acht Siberian Huskys. Was ungewöhnlich aussieht, ist für Mirjam Seidl-Meyerrose alltäglich: Sie ist passionierte Schlittenhunderennenfahrerin. Und trainiert regelmäßig in ihrem Wohnort – auch ohne Schnee.

Die Frau ist irgendwie so in ihr Hobby reingeborenworden: Schon ihre Eltern hatten Siberian Huskys gezüchtet und an Rennen teilgenommen – „aber nicht so ehrgeizig wie ich“, sagt Mirjam Seidl-Meyerrose. Als sie sechs war, bekam die im Emsland lebende Familie ihren ersten Hund. Heute ist Seidl-Meyerrose 37, wohnt in Lappenstuhl, züchtet selbst Hunde Zuhause und räumte bei diversen Schlittenhunderennen Preise ab.

Miriam Seidl-Meyerrose zieht sich für einen Trainingslauf an. Foto: Jörn Martens

Dafür muss die Ergotherapeutin regelmäßig trainieren. Und auch, wenn man es im ersten Moment nicht vermuten würde: „Ich habe hier gute Möglichkeiten.“ Mit ihren Hunden fährt sie durch den Wald, über Felder und Wiesen. Am Wochenende trainiert sie gerne in Campemoor in Damme. Fünf Mal pro Woche – wenn es die Arbeit zulässt – versucht die 37-Jährige, in den Wintermonaten zu trainieren. Wenn sie sich intensiv auf die Rennen vorbereitet, dauert das seine Zeit: „Zwei, zweieinhalb Stunden brauche ich dann schon. Ich fahre dann zwischen 20 und 25 Kilometer“, sagt Seidl-Meyerrose.

Zwischentitel

Anfang des Jahres ist sie zum zweiten Mal hintereinander Deutsche Meisterin in der Mitteldistanz über zwei mal 31,4 Kilometer geworden. Inzwischen ist die Saison zu Ende, Seidl-Meyerrose trainiert ihre Hunde ab. Auch an diesem Tag, bei knapp 15 Grad Außentemperatur, will sie eine Runde mit ihnen drehen. Es geht grade noch so: „Die Tiere sind wärmeempfindlich. Ich trainiere normalerweise nur bis 15 Grad“, erklärt sie. Im Sommer geht sie nur noch mit den Hunden Joggen. Der lang anhaltende Winter in diesem Jahr war deshalb für sie und die Hunde perfekt: „Das war unser Wetter.“

Niedlich: Dieser Siberian Husky hat ein helles und ein dunkles Auge. Foto: Jörn Martens

Ihr heutiges Training hat sie bereits vorbereitet. Neben der eingezäunten Fläche, in der die Hunde untergebracht sind, steht ihr Wagen – ein Gefährt aus Eisen, das aussieht wie ein Stuhl mit großen Rädern. Das gelbe Sitzkissen fällt bereits von Weitem ins Auge. Im Winter, wenn Schnee liegt, ist die 37-Jährige mit einem Schlitten unterwegs. Bei Rennen ohne Schnee wird mit einem Wagen gefahren. Zuhause trainiert sie hauptsächlich mit ihrem Quad.

In ihrem Gehege spüren die Hunde, dass es gleich losgeht. Foto: Jörn Martens

Doch heute nimmt sie den Wagen. Daran hat Seidl-Meyerrose bereits die Leine befestigt, an die sie gleich die Huskys anspannen wird. Und die merken bereits, dass es bald losgeht: Leithündin Duplo, Alonso, Jousie, Face und ihre Weggefährten jaulen aufgeregt. Noch lauter werden sie, als ihr Frauchen ihnen mit einer Kraftsuppe gefüllte Näpfe hinstellt. 

Vor und nach dem Training bekommen die Hunde eine stärkende Kraftsuppe. Foto: Jörn Martens

„Damit sie nicht dehydrieren, bekommen sie die vor und nach dem Training“, erklärt die 37-Jährige. Dann holt sie die ersten vier Hunde und spannt sie vor den Wagen – keine ganz leichte Aufgabe: Die Tiere bellen, springen hoch und hin und her. Aber Seidl-Meyerrose weiß genau, wie sie mit ihnen umgehen muss. 

Miriam Seidl-Meyerrose muss ihre Hunde gut festhalten, als sie sie zum Wagen führt. Foto: Jörn Martens

Schnell sind alle acht Hunde angespannt. Ihr Frauchen stellt sich hinten auf den Wagen, hält sich gut an den Griffen fest. Auf einmal sind die Tiere mucksmäuschenstill. Und auf Kommando rennen sie los.



Über Stock und Stein

Vom Hof geht es runter, ein Stück die Straße entlang, an Feldern und Wiesen vorbei, über einen Feldweg und weiter durch das Gelände. Mit einem Wahnsinnstempo jagen die Siberian Huskys über Stock und Stein, der Wagen hinter her. Stellenweise ist es sehr holprig, Seidl-Meyerrose muss sich gut festhalten. Dann ruft sie „rechts!“ und auf dieses Kommando biegen die Hunde von der Straße nach rechts auf einen Feldweg. Mit großen Sätzen lege sie Strecke zurück, die langen rosa Zungen hängen aus ihren Mäulern. „Bis zu 30 km/h schnell können sie laufen“, erklärt die 37-Jährige stolz.  

Mit bis zu 30 km/h rast Miriam Seidl-Meyerrose mit ihren Hunden durch die Gegend. Foto: Jörn Martens

Nach knapp acht Kilometern geht es heimwärts. Zurück auf dem Hof hängen die Zungen noch weiter heraus. Die Hunde hecheln, Schweiß und Dreck spritzen in die Luft, als sie sich schütteln. Während die Tiere langsam herunterkommen, hat Seidl-Meyerrose bereits die ersten Näpfe voller Kraftsuppe geholt. 

Die Hunde sind vom Training erschöpft und hecheln mit lang heraushängender Zunge. Foto: Jörn Martens

Abgesehen von einer Bekannten in Preußisch Oldendorf sei sie eine der einzigen in der Umgebung, die diesen Sport mit dem Ehrgeiz betreiben wie sie, wie die zweifache Mutter sagt. „Es ist einfach ein geiles Gefühl beim Fahren. Es macht einfach Spaß“, sagt sie. Am besten sei es in Schweden, wo sie kilometerweit durch Schnee fahren könne und nichts los sei.

Nur um den Spaß an der Freude geht es Seidl-Meyerrose dann aber doch nicht: „Ich trainiere auch für Erfolge und um zu sehen, ob ich bei der Zucht alles richtig gemacht habe.“

Viel falsch scheint sie angesichts der Preise, die sie bereits gewonnen hat, nicht gemacht zu haben. Doch auch wenn sie bei nationalen Rennen am Ende immer weit vorne ist, der ganz große internationale Erfolg fehlt ihr noch: „Bei einer Weltmeisterschaft oben zu stehen, das ist mein Ziel.“