In der „Alten Küsterei“ Bramscher Kuddel-Muddel-Theater feiert Premiere in Rieste

Von Holger Schulze

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Rieste. Die Bramscher Theatergruppe Kuddel-Muddel hat in der „Alten Küsterei“ auf Lage in Rieste Premiere mit ihrem neuen Stück „Mensch sein muss der Mensch“ gefeiert.

Was auf der Ohnsorg-Theaterbühne in Hamburg schon erfolgreich funktionierte, das kann auch für Rieste und Bramsche nicht die verkehrte Wahl sein. Zumal am Samstagabend mit der Theatergruppe Kuddel-Muddel ein erprobtes Ensemble auf der Bühne in der Gaststätte „Zur alten Küsterei“ stand. „Mensch sein muss der Mensch“, ein Dreiakter von Günther Siegmund, hatte Premiere und natürlich war die Vorstellung ausverkauft.

Roter Schal, schwarzer Anzug und Zylinder, so eröffnet Otto Wrocklage stets den Abend der Kuddel-Muddels mit seinem „Hallo Leute“, und er durfte auch im 31. Bühnenjahr der Truppe nicht fehlen.

Handlungsort der Komödie ist die Polizeistation in Freedensee in den 1950er-Jahren, unter anderem im Bühnenbild symbolisiert durch die „schwarzen Geräte mit dem Knochen drauf und einem Band dran“, wie Otto Wrocklage die Kommunikationstechnik der damaligen Zeit für die Smartphone-Jugend im Saal erläuterte.

Ein streberhafter Oberwachtmeister

Ein pomadig gescheitelter Christian Richter als streberhafter Oberwachtmeister Karl Benthin traf zu Beginn der Vorstellung auf die „Witwe für Damen und Herrenbekleidung“ Emma Wiggers (Viviane Hallmann). Schnell wurde auch ein Schnäpschen von Guido Große Sextro, dem die Arbeit gerne umschiffenden Gemeindediener Martin Stingel gekippt. Ein geheimnisvoller Steckbrief geriet in Umlauf und es kam zur Fahndung nach gestohlenen Hühnern. All dies noch, bevor der Hauptdarsteller Heiner Beinke als Polizeimeister Johannes Wilke im Geschehen aktiv wurde. Die Beschaulichkeit von Freedensee nahm mit dessen Erscheinen und etlichen weiteren Schnäpsen so langsam Fahrt in Richtung Beamtenstress auf. Fernschach im Polizeidienst, der optisch attraktive Auftritt von Jessica Jahnke als Frieda und zukünftiger Braut von Karl Benthin, ein „anständiges hinter den Busch Gehen der Jugend nach Alkoholgenuss bei Gemeindefesten“ sowie weiteres Schnapstrinken mit der Pastorin Petersen (Marion Cremer) dienten als Lachmuskelanimateure auf dieser ganz speziellen Wache.

Von dort aus regelte Johannes Wilke mal im ruppigen Kommandoton, mal mit Herz und Nachsicht, zum Beispiel gegenüber Hühnerdieben wie Hartmut Becker, und ausgestattet mit einem sehr individuellen Rechtsverständnis, die Ordnung im Ort.

Als dann auch noch Anja Schulte in der Rolle der Touristin Hanne Kleinschmidt als Nackedei aus dem See auftauchte und obendrein die Wasserleiche Caroline am Ufer gefunden wurde, war es bald dahin mit der Gemächlichkeit in Freedensee.

Viel Gelächter

„Mensch sein muss der Mensch“ ist vom Stück her gesehen solides Volkstheater. Für die Feinpolitur seines Unterhaltungswertes benötigt der Dreiakter allerdings ein Ensemble, das bis in die Nebenrollen hinein durch darstellerisches Können glänzt. Immer wieder urplötzlich aufbrausendes Gelächter vom gesamten Publikum und nicht zu wenig Einzelszenenbeifall waren am Samstagabend der deutlich wahrnehmbare Nachweis dafür, dass die Kuddel-Muddel-Mannschaft erfolgreich dem Stück zu dreistündiger Kurzweil verhalf.

Allein für die Wassermengen, die Heiner Beinke seiner Rolle gemäß aus den Schnapsflaschen zu bewältigen hatte, verdient er allen Respekt. Stocknüchtern überzeugend den Angedudelten zu geben und dabei im genialen Zusammenspiel mit Gemeindediener Guido Große Sextro zum Vergnügen der Zuschauer eine sonst unter heterosexuellen Männern eher unübliche körperliche Nähe, bis hin zum Kontakt der Nasenspitzen, auszuhalten, darf als ein wirklicher Höhepunkt in der Laufbahn der beiden Hobbyschauspieler festgehalten werden.

Insgesamt mussten die Inszenierung und das Schauspiel des Ensembles einen Vergleich mit dem professionellen Volkstheater aus Hamburg nicht scheuen.

Freude bei den Darstellern wie beim Publikum gleichermaßen waren das Ergebnis eines gelungenen Abends voller Menscheleien und einem dann doch noch überraschenden Ende.

So attraktiv und wohlerhalten sieht bei den Kuddel-Muddels eine Wasserleiche aus.

 


Am Freitag, 13. April 2018, und Samstag, 28. April 2018, jeweils ab 19.30 Uhr, geht es im Saal der Gaststätte „Zur alten Küsterei“ mit den Vorstellungen weiter. Der Eintritt kostet acht Euro. Im Kino „Universum“ beginnen die Vorstellungen in der Zeit vom 7. bis 9. Mai 2018 ebenfalls jeweils um 19.30 Uhr. Der Eintritt hier beträgt neun Euro.

Karten für alle Vorstellungen gibt es bei Brillen Henkel in Bramsche an der Großen Straße und in Rieste bei der Tankstelle Solinsky. In der Alten Küsterei und im Kino können zudem die Karten für die Vorstellungen im jeweiligen Haus erworben werden.

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