Gericht sieht noch Klärungsbedarf Urteil im Bramscher Mordprozess vertagt

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Im Bramscher Mordprozess sieht die 6. Strafkammer am Landgericht Osnabrück noch weiteren Klärungsbedarf über die genauen Begleitumstände der Tat. Ein Urteil ist deshalb noch nicht gefällt worden. Symbolfoto: Michael GründelIm Bramscher Mordprozess sieht die 6. Strafkammer am Landgericht Osnabrück noch weiteren Klärungsbedarf über die genauen Begleitumstände der Tat. Ein Urteil ist deshalb noch nicht gefällt worden. Symbolfoto: Michael Gründel

Bramsche. Überraschende Wendung im Mordprozess gegen einen 23-jährigen Bramscher: Anders als geplant, hat die 6. Strafkammer am Landgericht Osnabrück am Freitag noch kein Urteil gesprochen.

Der Vorsitzende Richter des Schwurgerichts gab gleich zu Beginn der Sitzung bekannt, dass sich die aus drei Berufsrichtern und zwei ehrenamtlichen Schöffen bestehende Kammer noch nicht ausreichend informiert fühlt, um ein Urteil zu verkünden. Insbesondere halte man es für erforderlich, sich noch intensiver damit zu befassen, welche Internetseiten der Angeklagte aufgerufen und nach welchen Informationen er gesucht hat in den Stunden, bevor er am frühen Morgen des 9. Juni 2017 seine ehemalige Lebensgefährtin in einer Wohnung in der Bramscher Innenstadt tötete.

Mehrstündige Beratung

Der Vorsitzende Richter erklärte, das Schwurgericht habe nach den Plädoyers am Tag zuvor „mehrstündig beraten“, sehe aber noch weiteren Klärungsbedarf. Der Tatvorwurf gegen den Angeklagten wie auch die möglichen Folgen einer Verurteilung rechtfertigten nach Ansicht der Kammer eine Rückkehr zur Beweisaufnahme. Die Staatsanwaltschaft hatte am Tag zuvor eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren wegen Mordes in Tateinheit mit besonders schwerer Brandstiftung gefordert, außerdem eine zeitlich befristete Unterbringung des Angeklagten in einer psychiatrischen Klinik. Von dem Beschuldigten gehe aufgrund einer Borderline-Störung verbunden mit Alkoholabhängigkeit auch künftig eine Gefahr für die Allgemeinheit aus, so die Begründung. Der Verteidiger sah das anders. Er hält seinen Mandanten zwar für voll schuldfähig, beantragte aber eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren nicht wegen Mordes (§211 Strafgesetzbuch), sondern wegen Totschlags (§212 StGB).

Weiterlesen: Plädoyers im Bramscher Mordprozess vorgetragen

Der Angeklagte hatte sich vor der Tat im Internet informiert, welche Strafe es für Mord gibt. Sein Verteidiger vertrat allerdings – anders als der Staatsanwalt – die Auffassung, sein Mandant habe sich allgemein über Tötungsdelikte informieren wollen. „Mord“ sei dafür ein allgemein verwendeter Begriff. Es erschüttere aber nicht die Darstellung des 23-Jährigen, er habe seine ehemalige Lebensgefährtin auf deren eigenen Wunsch hin getötet. Der Staatsanwaltschaft hatte wiederum seinen Mordvorwurf auch darauf gestützt, dass der Angeklagte unmittelbar vor der Tatausführung noch auf Facebook aktiv gewesen sei, selbst aber angegeben hatte, er habe im Schlafzimmer der gemeinsamen Wohnung längere Zeit damit gehadert, ob er die junge Frau tatsächlich töten solle wie von ihr verlangt.

Der nächste Verhandlungstermin findet nun am 20 April 2018 statt.


Mord oder Totschlag – wo ist da eigentlich der Unterschied? Anders als viele meinen, handelt es sich in beiden Fällen um Straftaten, die vorsätzlich ausgeführt werden. Rechtsfolge ist eine Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren. Laut Strafgesetzbuch (StGB) begeht jemand einen Mord, der einen anderen Menschen willentlich in besonders verwerflicher Form oder mit besonders verwerflichen Motiven tötet, beispielsweise – so heißt es in § 211 StGB – aus Mordlust, Habgier, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, weil er heimtückisch oder grausam handelt oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder verdecken. Rechtsfolge ist eine lebenslange Freiheitsstrafe. Eines Totschlags hingegen macht sich gemäß §212 StGB schuldig, „wer einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein“. Der Strafrahmen beträgt in diesem Fall Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren.

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