Gegenbesuch in Raanana Bramscher Jugendliche begeistert von Israel


Bramsche. „Osterferien? Israel!“ Für die meisten der 13 Jugendlichen aus Bramsche keimte dieser Plan bereits im letzten Sommer, als der TuS Bramsche 20 israelische Jugendliche aus dem Partnerverein Hapoel (Raanana) zu Gast hatte. Die Begegnung damals hatte die Bramscher Teilnehmer neugierig gemacht auf einen Gegenbesuch im Heiligen Land.

Zwei Wochen lang ließen sich die 15- bis 21-Jährigen unter der Betreuung von Marion Borm und Birgitta Strating nun auf das spannende Abenteuer ein, Land und Leute im Nahen Osten zu erkunden. Immer dabei: israelische Freunde und Gastgeschwister, die kulturelle und historische Stätten, moderne Einrichtungen, aber auch Einblicke in den ganz normalen Alltag vor Ort präsentierten, erklärten und für Gesprächsanlässe sorgten. Der vom Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch (ConAct) und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderte Jugendaustausch des TuS Bramsche erlebte einen neuen Höhepunkt.

Temperaturschock

Einen Schock am Anreisetag bereitete das Klima: Von minus 8 Grad Celsius am Abflugort Düsseldorf musste ein gewaltiger Temperatursprung bis zu sonnigen 32 Grad (plus) in Tel Aviv verkraftet werden. Die Gruppe jubelte. Groß war die Freude auch beim Wiedersehen mit den israelischen Jugendlichen, die jetzt mit ihren Familien Gastgeber waren und keine Mühe scheuten, den Bramscher Besuchern ihr Land mit Herzlichkeit und Stolz zu zeigen.

Das spannende Programm führte durch das ganze Land. Im hohen Norden, an der libanesischen Grenze, wurden die weltweit steilste Seilbahn bestiegen und die Grotten Rosh Hanikras bestaunt; im tiefen Süden die Stadt Eilat am Roten Meer. Dazwischen lagen Wandern in der Wüste Negev, Baden im Toten Meer, Übernachtung im Kibbuz im Großraumzelt oder unter freiem Himmel.

Feilschen für Anfänger

In Tel Aviv wurden erste Versuche im Feilschen auf Flohmärkten und Basaren unternommen, in der alten Hafenstadt Akko (nördlich von Haifa) die unterirdischen Gänge und einstigen Stadtanlagen erforscht. Strand und (Mittel-)Meer lockten jederzeit und konnten bei herrlichem Wetter genossen werden. Religiöse Stätten – so etwa die Verkündungsbasilika in Nazareth – wurden nicht nur besichtigt, sondern auch handelnd erprobt: Viel Vergnügen bereitete den Jugendlichen das Kanufahren auf dem Jordan, in unmittelbarer Nachbarschaft des See Genezareth.

Kein Touristenprogramm

Es war kein reines Touristenprogramm, das den Bramscher Jugendlichen und ihren Freunden in Israel geboten wurde. In der Partnerstadt Raanana setzten die Organisatoren alle Hebel in Bewegung, um den Jugendaustausch auch auf anderen Ebenen voranzutreiben. Abend- und Spielprogramme im örtlichen Jugendzentrum, gemeinsame Parkbesuche, angeleitete sportliche Aktivitäten , eine Mountainbike-Tour ins Umland sowie ein Vormittag mit den „Young Ambassadors“ (den jungen Botschaftern) machten es quasi unmöglich, nicht in Kontakt zu kommen. Ganz im Sinne des derzeit aktuellen TV-Hits in Israel gab es sogar ein Koch-Duell, bei dem – in gemischten Gruppen – um die Herstellung der besten Landesspezialität Schakschuka gewetteifert wurde.

Betroffenheit

Kein Israel-Besuch ohne einen Abstecher nach Jerusalem! In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem wurde ein trauriges Kapitel des besonderen deutsch-israelischen Verhältnisses aufgeschlagen. Sichtliche Betroffenheit über die Verbrechen der Nazi-Zeit prägten Gedanken und Gespräche auf der Weiterfahrt ins Zentrum der Heiligen Stadt. In den alten Mauern wurde schließlich allen deutlich, wie unterschiedlich sich die hier nebeneinander angesiedelten Weltreligionen ausprägen.

Ausgerüstet mit Kippa (alle männlichen Teilnehmer) und individuell geschriebenen Wunschzetteln traten alle an die berühmte jüdische Klagemauer heran, um sie dann rückwärts wieder zu verlassen. Zeit blieb auch für die Besichtigung der Grabeskirche und das Shoppen in den Gängen der Altstadt.

Pessachfest

Wieder einmal kam eine Bramscher Gruppe in den Genuss, in den Gastfamilien am feierlichen Sederabend zum traditionellen Pessachfest teilzunehmen. Gebete, Gesänge und symbolträchtiges Essen waren eine ganz besondere kulturelle Erfahrung. Ein mulmiges Gefühl blieb bis zum Schluss der Reise bei dem Gedanken an den so nahe gelegenen Gazastreifen, an dem es zeitgleich zu Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Israelis kam.

Beim Abschied flossen Tränen auf beiden Seiten. „Ich will in zwei Jahren auf jeden Fall noch einmal wieder mit!“ bemerkte Maximilian Hintz (15) auf der Rückfahrt. Sarah Garlich (16) wäre am liebsten noch länger geblieben. Die Bramscher wissen: Sie haben ganz besondere Freundschaften geschlossen.

Der Jugendaustausch des TuS Bramsche mit Israel geht im Sommer 2019 in die nächste Runde. Dann werden wieder Jugendliche aus Raanana erwartet und auch Bramscher Teilnehmer für die gemeinsame Maßnahme gesucht.