Therapiekonzepte fehlen noch Bramscher Suchtberaterin: Mediensucht wachsendes Problem

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Bramsche. Sucht - das sind längst nicht mehr nur Alkohol und illegale Drogen. Das Bild hat sich gewandelt. Die Suchtberater der Diakonie in Bramsche stellen fest, dass digitale Medien immer mehr Menschen in eine Abhängigkeit abgleiten lassen.

Daniela Raifschneider ist Leiterin der Bramscher Fachstelle Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes in Stadt und Landkreis Osnabrück. „Alkohol ist immer noch die Volksdroge Nummer Eins“, sagt sie. Die Tendenz ist steigend. Zahlen von 2015 bis 2017 belegen, dass deutschlandweit rund 7,8 Millionen Menschen ein riskantes Trinkverhalten zeigen, auf Landkreisebene wurden 2017 100 Alkoholkranke mehr registriert als im Vorjahr. Die Zahlen sind besorgniserregend, allerdings wurden hier in den vergangenen Jahren zahlreiche Konzepte zur Prävention oder Therapie entwickelt und Erfahrungen gesammelt. Alkoholabhängigkeit ist eine „stoffgebundene Sucht“, wie es in Fachkreisen heißt, und damit wenigstens in gewisser Weise greifbar.

„Das Smartphone ersetzt fast alles“

Bei der Mediensabhängigkeit ist das anders, aber irgendwie auch wieder nicht, meint die Suchtberaterin. Hier greift nicht ein Gift oder eine konkrete Substanz in physiologische Prozesses ein, dennoch sind die Symptome durchaus vergleichbar, erläutert sie. Eine zusätzliche Qualität hat die Medienabhängigkeit durch die Smartphones erhalten, die Onlinespiele, Online-Shopping, das Chatten in sozialen Netzwerken oder das Senden von Nachrichten „ohne Sinn und Verstand“ über Messenger-Dienste, aber auch den Konsum pornografische Inhalte jederzeit und quasi überall möglich machen. „Das Smartphone ersetzt fast alles“, sagt Raifschneider. Wer sich dann überhaupt nicht mehr von den großen oder kleinen Displays trennen kann, erfüllt irgendwann alle klassischen Kriterien einer Sucht: Toleranzsteigerung, Unruhezustände, Vernachlässigung des Umfeldes und der eigenen Person, soziale Folgen bis hin zur Isolation oder der Entwicklung einer Zwangsstörung. „In Fachkreisen besteht ein großes Interesse an der Thematik“,unterstreicht sie. „Aber wir müssen noch Erfahrungen sammeln. Es wird viel geforscht, aber die Konzepte gegen diese Form der Abhängigkeit fehlen noch.“

Auch den Suchtberatern ist dabei klar, dass die Nutzung digitaler Medien aus dem Alltag nicht nur der sogenannten „digital natives“ nicht mehr wegzudenken ist. Das ganze Leben habe sich durch die digitalen Medien und besonders das Smartphone verändert, meint Raifschneider. „Das Suchtmittel ist leicht erreichbar, die Sucht selbst schwer zu behandeln. Außerdem sind die Betroffenen immer noch schwer in Behandlung zu bekommen“.

Lob für die Schule

Damit es erst gar nicht so weit kommt, setzen die Suchtberater auf Prävention. An den Schulen ist der bewusste Umgang mit den Medien und ihren möglichen Gefahren inzwischen fast durchgehend Gegenstand von besonderen Unterrichtseinheiten. Auch die Information der Eltern ist für Pädagogen wie Suchtberater ein Thema. „Prävention ist alles“, sagt die Leiterin der Beratungsstelle. Für die Schulen hat sie in diesem Zusammenhang ein großes Lob bereit.

Dann nennt Daniela Raifschneider noch ein paar Tipps, die helfen, „Nein“ zu sagen zum Reiz aller Suchtmittel: „Es geht darum, eine Balance zwischen Leistung und Entspannung zu finden - Sport treiben, spazieren gehen und Kontakte pflegen. Wir sind nun einmal soziale Wesen. Und wir müssen lernen, Hilfe zu suchen“.


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