Beschäftigung mit Budget für Arbeit Remondis in Bramsche geht bei Inklusion voran

Von Heiner Beinke


Bramsche. Das Sortieren von Spraydosen für die Wiederaufbereitung kann ein gelungener Beitrag zur Inklusion sein, wenn alle Beteiligten intensiv und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Das hat ein Netzwerktreffen bei der Firma Remondis in Achmer gezeigt. Die Entsorgungsfirma beschäftigt in diesem Bereich seit August 2017 Menschen, die vorher in einer Werkstatt für Behinderte gearbeitet haben. Und macht Erfahrungen, die anderen Betrieben Mut machen können.

Warum können einfache Routinearbeiten, wie eben das Sortieren von Spraydosen, nicht zu einem tariflichen Lohn von Mitarbeitern übernommen werden, die bislang in einer Werkstatt für behinderte Menschen tätig waren? Diese Fragestellung führte Vertreter der Firma Remondis, des Netzwerks Inklusion der Wirtschaft und verschiedene Behörden und Einrichtungen zusammen. Möglich wird die Beschäftigung durch das „Budget für Arbeit“, das den Übergang von Beschäftigten aus einer Werkstatt für behinderte Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt unterstützt. Der Arbeitgeber erhält dabei je nach Leistungseinschränkung des ehemaligen Werkstattmitarbeiters einen dauerhaften Lohnkostenzuschuss und gegebenenfalls Ersatz für die erforderliche Anleitung und Begleitung am Arbeitseinsatz.

Mehrere Partner

Dazu müssen mehrere Beteiligte zueinanderfinden: Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Träger der Sozialhilfe, Werkstatteinrichtung und eventuell weitere beteiligte Betreuer. Petra Künsemüller vom Beratungsnetzwerk Inklusion der Wirtschaft überzeugte bei einem Beratungsgespräch die Verantwortlichen bei Remondis dazu, diesen Schritt zu gehen. Bislang waren die fraglichen Stellen über Zeitarbeitsfirmen mit häufig wechselnden Mitarbeitern besetzt worden. Nun haben diese Tätigkeiten mehrere Kandidaten mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen dauerhaft übernommen.

Einer davon erläuterte, was für ihn das Wichtigste dabei ist: Bei einer früheren Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sei es ihm schwer gefallen, sich an ständig wechselnde Kollegen und Abläufe zu gewöhnen. Bei Remondis aber hat er nun einen festen Platz, „wo ich mich auf die Kollegen einstellen kann, das ist mir ganz wichtig“. Ein anderer der neuen Kollegen war vorher bei Zeitarbeitsfirmen in verschiedenen Betrieben tätig, zwei kommen mit dem Budget für Arbeit direkt aus dem Werkstattbereich.

Wir-Gefühl entwickelt

Dass die neuen Kollegen etwas mehr Hilfe und Ansprache brauchen, hat auch sein Gutes, haben Uwe Haake als Schwerbehindertenvertreter bei Remondis und Detlef Otte als zuständiger Bereichsleiter festgestellt: Die Rücksichtnahme auf behinderte Kollegen führe zu einer Verbesserung des Betriebsklimas und sei „Auslöser für ein Wir-Gefühl bei uns“, meint Haake. Es gebe zwar auch Rückschläge, räumt Otte ein, aber die neuen Kollegen zeichneten sich durch ein hohes Maß an Loyalität und Engagement aus. „Wir haben hier jetzt mehr Kontinuität“, beschreibt Christian Deing von der Niederlassungsleitung einen weiteren Vorteil für den Arbeitgeber.

Damit die Zufriedenheit auf beiden Seiten bleibt, ist weiterhin enger Austausch nötig. Mitarbeiter der Werkstätten von Heilpädagogischer Hilfe Osnabrück und Bersenbrück halten ebenso den Kontakt wie der Integrationsfachdienst des Caritasverbandes für Stadt und Landkreis Osnabrück. Etwa alle zwei Wochen gebe es einen Besuch, sagt Mechthild Feldkamp vom Integrationsfachdienst. Dabei geht es dann auch um Probleme des Allltags wie etwa die Fahrt zur Arbeit, die mit dem ÖPNV erfolgt. Auf die Busfahrzeiten werden dann die Arbeitszeiten abgestimmt.

„Das ist total spannend, wir sind auf einem Superweg“, freute sich Matthias Selle als zuständiger Kreisrat des Landkreises Osnabrück über das Projekt. Es sei das erklärte Ziel, in jedem Jahr zehn Menschen aus dem Werkstattbereich auf dem ersten Arbeitsmarkt unterbringen. „Das ist ein tolles Beispiel, wie Integration gelingen kann“, fand Karin Heinrich als zuständige Fachbereichsleiterin der Stadt Osnabrück.

Das „Beispiel Remondis“ steht im Mittelpunkt eines Runden Tisches zum Budget für Arbeit, zu dem das Netzwerk Inklusion am 18. April Personalverantwortliche nach Osnabrück einlädt. Vertreter von Remondis werden dann ab 8.45 Uhr über ihre Erfahrungen berichten. Außerdem stellt sich die Netzwerk-Partner und ihre Arbeit mit dem „Budget für Arbeit“ vor. Anmeldungen zu dieser Veranstaltung nimmt noch bis zum 11. April petra.kuensemueller@bnw.de entgegen.