Gut bei vielen Erkrankungen Tiefenentspannt in der Salzgrotte des Bramscher Hasebads

Von Hildegard Wekenborg-Placke

Salzluft macht müde: Tabea Luzer und ihre Tochter Leonie kommen schon seit längerer Zeit in die Salzgrotte. Mama Tabea entspannt, Tochter Leonie ist nach ein paar Miinuten eingeschlafen. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeSalzluft macht müde: Tabea Luzer und ihre Tochter Leonie kommen schon seit längerer Zeit in die Salzgrotte. Mama Tabea entspannt, Tochter Leonie ist nach ein paar Miinuten eingeschlafen. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Die natürliche Heilkraft des Salzes ist seit Jahrtausenden bekannt. In der Salzgrotte im Bramscher Hasebad macht man sich diese Wirkung zunutze. Einfach entspannend und mit Sicherheit gut für die Atemwege, soll eine Sitzung sein. Wir haben es getestet.

Es ist wie damals, 2010, seinerzeit bei der Eröffnung. Plötzlich ertappe ich mich dabei, dass alles rund um mich zu hinter einem Schleier zu verschwinden scheint, die Geräusche zu einem Grundrauschen verschwimmen, einer Mischung aus leise plätscherndem Wasser, Kinderstimmen und sanfter Entspannungsmusik, dabei, dass die Augen langsam zufallen. So soll es sein, aber ich bin doch dienstlich hier. Also nicht einschlafen.

Es ist Montag, 16 Uhr. Heute ist Familienstunde in der Salzgrotte. Viele Familien kommen hierher, wenn die Kinder anfällig für Infekte sind, Hautprobleme haben - oder einfach Spaß daran, im losen Salz auf dem Boden zu buddeln wie am Nordseestrand. Bei den meisten Terminen sind allerdings die Erwachsenen für sich. Sie schätzen die Ruhe, die gute Luft, die kleine Auszeit vom stressigen Alltag.

45 Minuten wie ein ganzer Tag an der See

45 Minuten in der Salzgrotte sind wie ein ganzer Tag an der Nordsee“, sagt Hasebad-Mitarbeiter Max Schallenberg, der das Wellness-Angebot koordiniert. Die im Jahr 2010 eröffnete Grotte hat acht Plätze. An diesem Nachmittag sind sie ausgebucht. Drei Kinder sind dabei, der kleine Willi mit seinen fast zwei Jahren ist mit Abstand der Jüngste. Als sich die Tür hinter uns schließt, leise die Musik einsetzt und die Salzlauge beginnt, über die kleinen Salinen zu rieseln, hat er nur Augen für das Sandspielzeug. Bald läuft die kleine Nase, wie gut die würzige Luft für das Schnupfennäschen ist, merkt er gar nicht. „Das Salz sorgt auf natürliche Weise dafür, dass in der Salzgrotte eine mit Salzverbindungen gesättigte und ionisierte Luft entsteht, die eine günstige Wirkung auf viele Organe und Körperfunktionen ausübt. Heilungsprozese werden begünstigt, unter anderem bei Atemwegserkrankungen, Asthma, Allergien, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hauterkrankungen, Unterfunktion der Schilddrüse oder vegetativen Störungen wie Unruhezuständen, Schlafstörungen und Stress“, heißt es in einem Infoblatt, dass mir Schallenberg vor Beginn der Sitzung in die Hand gedrückt hat. Gut, Stress hat heute fast jeder und mich persönlich piesacken immer mal wieder die Reste eines heftigen Atemwegsinfektes, den ich - ausgerechnet - an der Ostsee ausgebrütet habe. Kann nicht schaden, beschließe ich also.

Viel seltener krank

Wir ziehen blaue Überzieher über die Schuhe. Dann geht‘s hinein. Besondere Kleidung ist nicht erforderlich, hat Schallenberg im Vorgespräch erläutert. Nur Handys und Zeitungen haben in der Grotte nichts verloren. Jeder sucht sich eine bequeme Liege, wer möchte, kuschelt sich in eine mollige Decke. Ich brauche sie - wenigstens zu Beginn - nicht. In der Grotte sind es angenehme 18 bis 20 Grad. Leonie, die mit ihrer Mama Tabea Luzer nach dem Schwimmen hergekommen ist, mummelt sich in eine Decke ein. Bald sind nur noch tiefe, ruhige Atemzüge zu vernehmen. „Wir kommen schon länger her“, hatte Tabea Luzer vor der Sitzung erzählt. „Nachher fühle ich mich immer viel frischer. Leonie ist seither viel seltener krank und ich hatte seit bestimmt einem Jahr keine Erkältung mehr“.

Die kühle Luft schmeckt nach Salz. Etwa 13 Tonnen Salzbrocken aus einer Mine in den pakistanischen Ausläufern des Himalaja wurden verbaut. Auf dem Boden liegt eine dicke Schicht grobkörniges Salz unter anderem vom Toten Meer. Willi interessiert das nicht. Hauptsache, es eignet sich zum Buddeln. Dann lockt ihn die Mini-Saline an. Einmal einen Finger unter das Salzwasser halten. „Salssig“, stellt der Knips fest. Willi wird nicht müde. Wir Anderen dagegen schon. Plappert da ein Kleinkind? Egal. Irgendwo ein leises Schnarchen. Egal. Eine wohlige Ruhe überkommt mich. Füße hoch und der Schlummer schleicht sich unausweichlich an.

Mal probieren, wie das Wasser schmeckt: Für Willi gibt es in der Salzgrotte viel zu entdecken.

Ein leises Klicken kündigt an, dass sich die Tür öffnet. Was wollt ihr von mir? Ich will weiterdösen. Aber der Schreibtisch wartet. Zumindest das mit der Entspannung stimmt definitiv. An diesem Tag bringt mich nichts mehr auf die Palme.