Yin, Yang und die fünf Elemente Bramscher TCM-Ärztin: Durch Harmonie zur Gesundheit

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Akupunktur gehört zu den Behandlungsmöglichkeiten der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Dr. Ursula Kretzer zeigt am Modell von Hand und Fuß und einer weiblichen Puppe, wo die Nadeln gesetzt werden. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeAkupunktur gehört zu den Behandlungsmöglichkeiten der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Dr. Ursula Kretzer zeigt am Modell von Hand und Fuß und einer weiblichen Puppe, wo die Nadeln gesetzt werden. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) hat im Bramscher Krankenhaus Tradition. TCM-Ärztin Dr. Ursula Kretzer erläutert, warum die Traditionelle Chinesische Medizin gar nicht so traditionell ist und warum das Ziel viel mehr Krankeitsvermeidung und Harmonie als Behandlung ist.

Die Patienten, die Dr. Kretzer aufsuchen, haben oft schon eine Ärzteodyssee hinter sich, sind zahlreiche Kilometer gefahren. Aus dem direkten Umland kommen die wenigsten, erzählt die Ärztin, die trotz ihres etwas ausgefallenen Arbeitsschwerpunktes eine klassische westlich-schulmedizinische Ausbildung hat. Ein paar Grundprinzipien der klassischen chinesischen Heilkunst überzeugten die junge Ärztin schon früh. „In China heißt es: ‚Ein guter Arzt verhindert Krankheiten, ein mittelmäßiger Arzt versucht, sie zu verhindern, und nur ein schlechter Arzt behandelt Kranke‘“, berichtet sie. Dann wurde ihr eigener Bruder, der unter einer schweren Allergie litt, durch Methoden der TCM, geheilt. Der Wunsch, die Kenntnisse im Ursprungsland zu erlenen, war da.

Erst seit der Mao-Zeit

„Eigentlich gibt es die Traditionelle Chinesische Medizin erst seit der Mao-Zeit“, erzählt sie. Während der großen Säuberungen wurden fast alle Ärzte interniert, unzählige ließendort ihr Leben. Während die Funktionäre sich ausländische Ärzte holten, drohte die medizinische Versorgung zusammenzubrechen. Mao und die Parteispitze besannen sich auf mehrere tausend Jahre alte Traditionen der Heilkunst ihres Landes. Die TCM war geboren, praktiziert durch sogenannte nicht-akademische Barfußärzte.

„Manche Kräutermischungen, die heute noch verwendet werden, sind mehr als tausend Jahre alt“, sagt Kretzer. Den fertigen Mischungen aus dem Reich der Mitte traut sie allerdings nicht so recht über den Weg. „Man muss schon höllisch aufpassen. Die Chinesen setzen ohne Rücksicht auf Automation. Was die Mischungen enthalten und ob sie mit Schadstoffen verunreinigt sind, kann niemand kontrollieren“. Sie setzt deshalb auf Produkte aus kontrollierter deutscher Produktion. Weitere Behandlungswege sind Akupunktur, bestimmte Massagetechniken und Entspannungstherapien.Und damit es möglichst überhaupt nicht zu Erkrankungen kommt, richtige Atmung und Bewegung sowie, ganz wichtig, eine dem einzelnen Menschen angepasste Ernährung.

Prinzip des Ausgleichs

Kretzer erläutert: Die chinesische Medizin beruht auf dem Prinzip des Ausgleichs von Yin und Yang, wobei Yin Kälte und Yang für Wärme steht. Als Yin-Lebensmittel gelten beispielsweise viele Obstsorten, Gurken, Tomaten, Grüner Tee und Milch. Als Yang gelten unter anderem Trockenobst, Fenchel, Lauch, Fleisch und Fisch. Die Medizinerin

konkretisiert: Menschen, die schnell frieren, unter Antriebsarmut leiden und eher blass sind, also Yin-Typen, sollten Lebensmittel zu sich nehmen, denen eine wärmende Wirkung zugeschrieben wird. Naheliegend, weil auch für westliches Denken direkt nachvollziehbar: Dieser Typ solle möglichst nur warm essen, beispielsweise den Tag mit einer wärmenden Brühe beginnen, die eventuell durch etwas Gemüse und ein wenig Hirse angereichert wird. Dabei dürfe aber, erläutert die Medizinerin, keinesfalls Tiefkühlgemüse verwendet werden. „Die chinesische Medizin geht davon aus, dass die Energie, die einem Lebensmittel als erstes zugeführt wird, auch in ihm erhalten bleibt. Das heißt, das TK-Gemüse wirkt kühlend, es gleicht den Mangel an wärmender Energie bei den Betroffenen nicht aus. Als wärmend gelten auch Gewürze wie Chili und Ingwer. Und auf einmal liegen TCM und heimische Hausmittel gar nicht mehr so weit auseinander. Die Hühnersuppe, die schon Oma gegen die Husten und Schnupfen kochte, besteht auch vor chinesischen Heilkundigen. Allerdings sollte das Huhn nicht aus der Truhe kommen, stundenlang kochen und vielleicht noch mit einem Stückchen Ingwer komplettiert werden. Überhaupt sei alles gut, was in diesem die negative Energie der Krankheit nach außen leite, das heißt, zum Schwitzen anrege. Das könne ein Lindenblütentee sein oder zur Not auch mal ein Grog. Ursula Kretzer zwinkert.

Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser

Womit wir bei der Ernährung nach den fünf Elementen der asiatischen Ernährungslehre wären, einer parallelen Einteilung der Lebensmittel, die ebenfalls in der TCM angewandt wird, der nach Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Dem Holz entspricht der saure Geschmack, also Essig, Tomaten, Orangen, Weizen und Huhn. Dem Feuer wird Bitteres zugeordnet wie Rote Beete, Rucola, Roggen oder Schafskäse, der Erde der süße Geschmack und Lebensmitteln wie Kartoffeln, Mais, Butter, Eier, Rindfleisch oder Karotten, dem Metall die Schärfe beispielsweise von Zwiebeln, Senf und diversen Gewürzen. Dem Wasser entspricht der salzige Geschmack oder auch Lebensmittel wie Salz, Fisch, Hülsenfrüchten, Oliven oder Wasser. Ob nun Yin- oder Yang-Lebensmittel den Speisezettel bestimmen, bestimmt der Typ. „Die Traditionelle Chinesische Medizin ist der Versuch, Harmonie herzustellen, erläutert Kretzer das Grundprinzip, ein Zuviel an Wärme oder Kälte durch Kühlendes oder Wärmendes auszugleichen, Ein Fehlen der Harmonie bedeutet für die TCM-Anhänger Krankheit. Ein positiver Nebeneffekt, so Kretzer: „Wer sich nach den Prinzipien von Yin und Yang und den fünf Elementen ernährt, wird nicht dick“.

Aber sind diese Lehren auf unser Leben übertragbar? „Sicherlich“, findet Kretzer, denn was wärmend und was kühlend wirkt, kann in Deutschland oder China durchaus verschieden sein.. Im Sommer nützen wir die kühlende Wirkung von Milchprodukten oder frischen Früchten. Im Winter lieben wir heiße Speisen und Kaffee oder Tees. Bei norddeutschem Ekelwetter darf eine „ordentliche Suppe und zum Nachtisch warmes Apfelkompott mit etwas Zimt sein, im Sommer dann ein frischer Gurken- oder Kartoffelsalat oder ein - natürlich frischer - Obstsalat mit ein paar gerösteten Haferflocken. und einem ordentlichen Klecks Schlagsahne“. Auf einmal haben die TCM-Prinzipien nichts Exotisches oder gar Esotherisches mehr.

Das gilt im Übrigen auch für die beiden anderen Säulen der Gesunderhaltung: Richtiges Atmen und richtige Bewegung möglichst an der frischen Luft.. „Bewegung und Atmung geben Qi, die Lebensenergie“, erläutert die Ärztin. Beidem werde meist viel zu wenig Bedeutung beigemessen, während andererseits viel zu viel und vor allem viel zu oft gegessen werde. Kräutermedizin,, Massagen oder Akupunktur sind dem eigentlich untergeordnet. Kretzer bringt es auf den Punkt: „Ich kann Nadeln setzen, aber der Patient kann sich auch bewegen“. Nur die Extreme gelte es zu meiden, denn „nur Harmonie bringt Gesundheit“.


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