Sandra Pardieck und ihre Pläne Leiterin des Bramscher Familienbüros: Hilfen ausbauen

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Angebote gibt es viele. Sie müssen nur bei den Betroffenen ankommen, findet dei neue Leiterin des Bramscher Familienservicebüros. In der Hand hält sie den neuen Familienwegweiser mit zahlöreichen überarbeiteten Adressen, Kontakten und Öffnungszeiten. Neu ist auch eine Karte, mit der für die Babysitterkurse der Stadtjugendpflege geworben wird. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeAngebote gibt es viele. Sie müssen nur bei den Betroffenen ankommen, findet dei neue Leiterin des Bramscher Familienservicebüros. In der Hand hält sie den neuen Familienwegweiser mit zahlöreichen überarbeiteten Adressen, Kontakten und Öffnungszeiten. Neu ist auch eine Karte, mit der für die Babysitterkurse der Stadtjugendpflege geworben wird. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Seit fast vier Monaten leitet Sandra Pardieck das Bramscher Familienservicebüro. Eines der für sie wichtigsten Themen ist das Zusammenspiel von Tagespflegepersonen sowie Kitas wie Schulen, ein anderes das Netzwerk Frühe Hilfen.

Seit Ende November hat die Sozialpädagogin ihr Büro im Bramscher Rathaus. Das Familienservicebüro hat sie von Ruth Große-Brauckmann übernommen, die zum Jahresende 2017 in den Ruhestand ging. Vorher war Pardieck Lehrerin an der Franz-von Assisi-Schule für Sozialpädagogik in Osnabrück und bildete dort unter anderem angehende Erzieherinnen aus. Allein in Niedersachsen fehlen 3000 dieser dringend benötigten Fachkräfte - ein Thema, mit dessen Auswirkungen Pardieck sich auch in ihrem neuen Job ständig konfrontiert sieht. „In den Ausbau von Krippen und Kitas fließt so viel Geld. Da kann es doch nicht sein, dass angehende Erzieherinnen und Erzieher noch Schulgeld bezahlen müssen“, erregt sie sich.

Durchaus ambivalent

Es ist der Trend zur immer stärkeren Professionalisierung in der Kinderbetreuung, den Sandra Pardieck durchaus ambivalent sieht. Die Arbeitszeiten der Eltern würden immer flexibler, die Erwartung an junge Eltern immer verfügbar zu sein, immer drängender, als Konsequenz würden den Kindern immer längere Betreuungszeiten zugemutet. Den Tag in einer Ganztagskrippe, vorher oder nachher noch zu einer Tagespflegeperson: „Wir müssen überlegen, wo für die Kinder die Grenzen sind“, mahnt sie, „die emotionale Komponente nicht zu vernachlässigen“.

Für die Leiterin des Familienservicebüros bringt der Trend zur Kinderbetreuung in Krippen und Kitas durchaus ein ganz praktisches Problem mit sich. Für die Tagesmütter und die wenigen Tagesväter wird die Tätigkeit immer weniger rentabel. Es bleiben in erster Linie die unattraktiven Randzeiten am frühen Morgen und späten Nachmittag. 50 Cent pro Kind und Stunde mehr für diese Zeiten wiegen den zusätzlichen Aufwand nicht auf. Als Konsequenz zögen sich immer mehr Tagespflegepersonen zurück, die zwischenzeitlich überfüllten Kurse würden nur noch wenig nachgefragt. Dadurch werde auch das Angebot für Eltern, die sich bewusst für die Betreuung bei einer Tagesmutter statt einer Krippe entschieden, immer geringer. Tageseltern fühlten sich häufig als Lückenbüßer und die Qualität ihrer Arbeit nicht wertgeschätzt, berichtet sie aus Gesprächen mit Betroffenen. „Wir sollten Großtagespflegen besonders für die ganz Kleinen viel stärker fördern“, findet sie. Bei diesem Modell tun sich bis zu drei Tagesmütter zusammen, die jeweils bis zu fünf Kinder betreuen dürfen. „Es ist und bleibt aber ein Spagat zwischen den Rechten und Ansprüchen der Eltern und denen der Kinder“, sagt Pardieck und fügt hinzu: „Ich stehe da eher auf der Seite der Kinder“. Idealerweise sollten Tageseltern fest für die Randstunden an den Kitas beschäftigt werden, findet sie. „Dann müssten die Kinder wenigstens nicht immer noch hin- und hergefahren werden.

Endlich weiterkommen

Ein weiteres Thema, dass der Sozialpädagogin sehr am Herzen liegt, ist das Projekt Frühe Hilfen, zu dem sich auch in Bramsche Akteure aus den verschiedensten Bereichen der sozialen Arbeit zusammen geschlossen haben. Sehr gut funktioniere der Babybesuchsdienst. Ansonsten würden gerade die Familien, die besonders dringend Unterstützung brauchten, noch zu wenig erreicht. „Wir müssen da endlich weiterkommen. Wir sollten darüber nachdenken, den Besuchsdienst auszuweiten und Familien durchaus mehrmals zu besuchen. „Darüber hinaus müssen wir versuchen, die Hemmungen, sich auf Hilfen des Jugendamtes einzulassen, abzubauen“, fordert die neue Leiterin des Familienbüros. Eine weitere Aufgabe sieht sie darin, die Angebote des Netzwerks Frühe Hilfen erreichbarer zu machen und auf möglichst viele Kitas auszuweiten. Auch dass die hoch qualifizierten Angebote der Bramscher Familienzentren für die Familien aus ganz Bramsche da seien, müsse noch sichtbarer werden.

Arbeit sei jedenfalls reichlich da, die über die Kapazitäten einer halben Stelle eigentlich weit hinausgehe, zieht sie ein erstes Fazit. Nach der Aufteilung der bisherigen Stelle von Ruth Große-Brauckmann in zwei halbe Stelle werde das extrem deutlich. „Im Familienservicebüro wollen wir schließlich nicht nur verwalten, sondern in erster Linie beraten „.


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