Konzert in St.Martin-Kirche Passionsmusik vom Bramscher Publikum mit Beifall bedacht

Von Irina Doelitzsch-Kaufmann

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Sopranistin Sigrid Heidemann (r.) sang, Martin Tigges spielte unterdessen am Klavier, aber auch an der Truhenorgel. Foto: Irina Doelitzsch-KaufmannSopranistin Sigrid Heidemann (r.) sang, Martin Tigges spielte unterdessen am Klavier, aber auch an der Truhenorgel. Foto: Irina Doelitzsch-Kaufmann

idk Bramsche. „Erschütternd“ und „tröstlich“ stand thematisch über der Passionsmusik in der St. Martinskirche. Bilder des Todes seien zugleich Bilder des Lebens. So ließ es Pastor Arndt-Bernhard Müller die Zuhörer salbungsvoll wissen.

Die Musik indes bot viel Erschütterndes und wenig Tröstliches. Martin Tigges (u.a. Kirchenmusiker in Rulle) rahmte mit Orgelwerken von Felix Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms das Programm. Weder Mendelssohns „Präludium“ noch Brahms‘ Choralvorspiel „Herzlich tut mich verlangen“ zeigen etwas vom typischen Melodienreichtum beider Komponisten und waren insofern für die Passionsandacht gut gewählt.

Die beiden Arien aus Johann Sebastian Bachs Johannespassion haben einen völlig unterschiedlichen Charakter. „Ich folge dir gleichfalls“ ist erstaunlich schnell und fröhlich für eine Passionsmusik; „Zerfließe, mein Herze“ dagegen schmerzvoll und mit Säufzermotivik. Dies scheint der Sopranistin Sigrid Heidemann zu liegen. Die Qualen dessen, der hier Jesu Tod besingt, gelangen überzeugend und speziell in extremer Höhe noch zart.

Ungewöhnlich war eine Begleitung mit Klavier und nicht mit Orgel bei Bachs Stücken. Hier wollte man schlicht alle örtlichen Möglichkeiten ausnutzen. Zwar bietet ein Klavier im Gegensatz zur Orgel mehr dynamische Varianz, doch ist es dafür deutlich lauter als die vorhandene Truhenorgel. Insofern wäre jene vermutlich die bessere Wahl gewesen. In den Messausschnitten aus Jean Langlais‘ „Missa simplicitate“, für die Tigges die Truhenorgel als Continuoinstrument nutzte, konnten sich beide Musiker gleichberechtigt behaupten.

Textlich drücken Peter Cornelius‘ geistliche Lieder durchaus Trost aus. Es handelt sich um Vertonungen des Vaterunser. Musikalisch sind sie recht spröde komponiert, mit einem Wechsel zwischen dramatischen und lyrischen Passagen. Die Textverständlichkeit blieb leider auf der Strecke, sodass das tröstende Element des Textes das Publikum nicht erreichen konnte.

Die vielen großen Sprünge in Cornelius‘ und Ostrowskis Stücken gelangen Heidemann sehr gut, gleichwohl es bei Unisono-Passagen mit dem begleitenden Instrument zu tonalen Abweichungen kam. Wie auch bei Blasinstrumenten lässt die Tonhöhe nach, sobald die Spannung auch nur einen Moment abflacht. Die ständige Gefahr für alle Sänger.

Die Frage, ob Applaus am Ende erlaubt sei oder nicht, entschied das Publikum ganz klar zugunsten der Beifallsbekundung.


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