Feuerwerk mit intensiver Strahlkraft Osterleuchten in Kalkriese zieht mehr als 6000 Besucher an

Von Reinhard Fanslau


Kalkriese. Gewittergrollen, zuckende Blitze, rote Explosionen und brokatglänzendes Gold versetzten die Zuschauer in die Zeit um das Jahr 9 nach Christus. Etwas mehr als 6000 Besucher kamen zum Osterleuchten 2018 auf das Gelände der Varusschlacht in Kalkriese, um die tatsächlich grandios inszenierte Pyro-Show mitzuerleben.

Somit lag die Zahl der Zuschauer zwar leicht unter denen der Vorjahre, was aber wesentlich den für die Jahreszeit viel zu kühlen Temperaturen am Ostersonntag geschuldet gewesen sein dürfte.

„Das war perfekt.“ „Großartig.“ „Weltklasse.“ Nur Superlative waren von den zufrieden nach Hause strömenden Zuschauern auf den gut ausgeleuchteten Wegen des Geländes nach dem atemberaubenden Feuerwerk der erfahrenen Profis des Unternehmens Weco aus Eitorf zu vernehmen. Atemberaubend deswegen, weil es keine bloße Aneinanderreihung von Knalleffekten und visuellen Impressionen war, sondern ein in sich rundum stimmiges Gesamtkunstwerk. Dazu ideal auf die Philosophie der „Veranstaltung“ Osterleuchten ausgerichtet.

Die „Maske“ als Finale der großen Pyro-Show

Es war einerseits eine Reise in die Gedankenwelt germanischer und römischer Götter und andererseits eine perfekte künstlerische Darstellung der erbitterten Schlachten der streitenden Heere an genau dieser Stelle. Dazu ertönte das dramaturgische Auf und Ab eines völlig individuellen, aber exakt passenden Musikmixes – bestehend aus bekannten Orchestermelodien und wieder erfahrbar gemachter germanischer Musik. Am Ende des Feuerwerks ertönte die Stimme des Sprechers aus dem „Off“ und sagte optimistisch: „Immer wenn die Nacht am dunkelsten erscheint, beginnt ein neuer Tag.“ Passend dazu stieg als krönender dramaturgischer Effekt die feuersprühende berühmte Kalkrieser Maske auf.

Künstler zeigen sich auf den „Zeitinseln“

Die Dramaturgie des Osterleuchtens war auch in diesem Jahr nahezu perfekt. Es läuft dabei stets alles auf das knapp halbstündige Feuerwerk am Ende des Sonntages hinaus. So auch alle Darbietungen des um 17 Uhr gestarteten Rahmenprogramms. Als Höhepunkte hatten sich hier ziemlich schnell die szenischen, schauspielerischen Einlagen von Tine Schoch, Heaven und Jo Schultz herausgestellt. Die drei regionalen Künstler verkörperten auf ihren sogenannten Zeitinseln die Figuren der Thusnelda, des Historikers Theodor Mommsen und des Feldherrn Germanicus – und erhellten so unterhaltsam und informativ zugleich die geschichtlichen Zusammenhänge der Zeit der Varusschlacht. Jo Schultz alias Germanicus blieb es dabei vorbehalten, die wichtigste aller Erkenntnisse des Tages von sich zugeben, die gleichzeitig Leitsatz der gesamten Veranstaltung hätte sein können: „Wenn wir irgendetwas von einem Schlachtfeld lernen können, dann ist es die Erkenntnis, dass das Schlachten ein Ende haben muss.“

Mäusekino, Feuerstellen und ein Mitmachforscherlabor

Auch alle anderen Mitmachangebote und Vorträge nahmen die Zuschauer gut an. Auch die ganz jungen Geschichtsfans kamen auf ihre Kosten: im Mäusekino, wo die Maus etwas über die Varusschlacht erzählte; an der Feuerstelle im Germanenwald, wo die Jungen und Mädchen lernten, ohne Streichhölzer Feuer zu machen oder im Mitmachforscherlabor. Immer wieder Szenenapplaus von Kindern und Erwachsenen erhielten auf der Freifläche am Osterfeuer des Öfteren Feuerspucker Daniel Guss und Jongleur Jannik Fechner.

Über die niedrigen Temperaturen an diesem Tag freuten sich die Besitzer der Imbiss- und Heißgetränkstände, vor denen sich die gesamte Veranstaltung über lange Schlangen bildeten. Bratwurst und Osterglühwein fanden großen Absatz an diesem Tag. Letztendlich ein großes Lob hatten sich auch alle logistischen Helfer der Veranstaltung verdient. Nirgendwo gab es „Reibereien“. Die Organisation der Shuttlebusse klappte gut und auch die An- und Abreise von den Parkplätzen ging zügig. Viele Kennzeichen sagten aus, dass wie in den Vorjahren die Besucher teilweise von weither zum Osterleuchten kamen, so zum Beispiel aus Aachen, Leipzig, Bochum und den Niederlanden. Ein sicheres Indiz dafür, welch starke überregionale Strahlkraft das Osterleuchten mittlerweile hat und wie wichtig und unverzichtbar diese Veranstaltung im Ortsteil Kalkriese für Bramsche und die gesamte Region ist.


Im Jahr 9 nach Christus hatten germanische Krieger unter Führung des Cheruskers Arminius drei Legionen des römischen Feldherrn Varus in eine Falle gelockt und besiegt. Der Ort des Kampfes, die als Varusschlacht oder Schlacht im Teutoburger Wald in die Geschichte eingegangen ist, liegt nach Ansicht der mittlerweile weitaus meisten Historiker im heutigen Kalkriese. Dort werden seit Ende der 1980er Jahre bei archäologischen Ausgrabungen unter anderem Münzen und Ausrüstungsgegenstände aus dieser Zeit zutage gefördert.