Zwei Verhandlungstermine angesetzt Urteil im Bramscher Mordprozess am 6. April?

Von Björn Dieckmann

Vor der 6. Strafkammer am Landgericht Osnabrück ist ein 23-jähriger Bramscher angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, im Juni 2017 seine ehemalige Lebensgefährtin getötet und anschließend die Wohnung in Brand gesetzt zu haben. Symbolfoto: Michael GründelVor der 6. Strafkammer am Landgericht Osnabrück ist ein 23-jähriger Bramscher angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, im Juni 2017 seine ehemalige Lebensgefährtin getötet und anschließend die Wohnung in Brand gesetzt zu haben. Symbolfoto: Michael Gründel

Bramsche. Der Mordprozess gegen einen 23-Jährigen aus Bramsche, der im Juni 2017 seine ehemalige Lebensgefährtin getötet haben soll, biegt auf die Zielgerade ein: Möglicherweise wird am Freitag, 6. April 2018, das Urteil gesprochen. Ein Überblick über den Stand der Dinge:

Was ist überhaupt passiert?

Am 9. Juni 2017 wurde nachmittags die Feuerwehr wegen eines Wohnungsbrandes in der Bramscher Innenstadt alarmiert. Im Verlauf der Löscharbeiten fanden die Feuerwehrleute den Leichnam einer Frau in der Wohnung. Außerdem war ein Mann aus dem Fenster im 2. Stockwerk gesprungen und hatte sich dabei schwer verletzt. Dieser Mann, heute 23 Jahre alt, wurde einen Tag später wegen des dringenden Verdachts, seine ehemalige Lebensgefährtin getötet zu haben, festgenommen und muss sich nun seit Dezember 2017 wegen Mordes und Brandstiftung in einem besonders schweren Fall vor Gericht verantworten.

Welche Erkenntnisse hat die Beweisaufnahme gebracht?

Zunächst hieß es, der Angeklagte solle seine ehemalige Lebensgefährtin in den frühen Morgenstunden mit einer Axt getötet haben, bevor er Stunden später das Feuer legte. In der Beweisaufnahme hingegen erklärten Sachverständige, dass die junge Frau zwar ohne medizinische Hilfe wahrscheinlich verstorben wäre. Mitverursacht habe ihren Tod allerdings eine Rauchgasvergiftung durch das Feuer. Außerdem wurde bekannt, dass auch ein Hund getötet in der Wohnung aufgefunden wurde. An eine Wand der Wohnung sollen die Sätze „„In Liebe wollen wir zu dritt gehen! Haben lange gesprochen – dies ist der letzte Weg“. geschrieben worden sein. Zudem lag auf dem Küchentisch der Wohnung ein Brief, den vermutlich der Angeklagte an seine ehemalige Lebensgefährtin geschrieben hatte.

Wie hat sich der Angeklagte zu den Vorwürfen geäußert?

Lange schwieg der 23-Jährige. Dann gab er an, die junge Frau auf deren Verlangen hin getötet zu haben. Nach seinen Worten habe er in ihren Vorschlag eingewilligt, gemeinsam „aus dem Leben zu gehen“. Er habe dann mit einer Axt auf sie eingeschlagen und sich anschließend die Pulsadern aufgeschnitten. Beim Rauchen einer letzten Zigarette habe er das Bewusstsein verloren und sei erst wieder erwacht, als die Wohnung brannte. Sodann sei er aus dem Fenster gesprungen.

Wie sind diese Aussagen zu bewerten?

Ob sich das Geschehen in der Wohnung tatsächlich so zugetragen hat, wie der 23-Jährige es darstellt, kann noch nicht abschließend beurteilt werden. Ein Brandsachverständiger sagte zwar, das Feuer könne sich durchaus über einen längeren Zeitraum hinweg entwickelt haben, etwa durch eine glimmende Zigarette. Ein Rechtsmediziner hingegen kam zu der Einschätzung, eine leichte Verbrennung an der Hand des Angeklagten sowie kaum vorhandene Rußspuren sprächen gegen die Schilderung des Angeklagten und für eine bewusst herbeigeführte Brandstiftung. Die Mutter der getöteten Frau schloss zudem aus, ihre Tochter könne einen Todeswunsch geäußert haben. Nach einem Aufenthalt im Ameos-Klinikum wegen psychischer Schwierigkeiten im Jahr 2014 sei es stetig bergauf aufgegangen mit ihr.

Wie wird der Angeklagte eingeschätzt?

2014 unternahm der heute 23-Jährige einen Selbstmordversuch und wurde anschließend im Ameos-Klinikum behandelt. Ein Gutachter bescheinigte dem Mann nun vor Gericht  eine emotional instabile Persönlichkeit mit einer Borderline-Störung, außerdem sei er alkoholabhängig. Der Sachverständige empfahl die Unterbringung des Angeklagten in einer psychiatrischen Klinik. Der 23-Jährige sieht sich dadurch falsch beurteilt und erklärte sich in der Folge zu einer Aussage bereit.

Wie geht es weiter?

Das Gericht hat zwei Termine angesetzt: Am 5. und 6. April 2018, jeweils um 9 Uhr in Saal 272 des Landgerichts Osnabrück. Dann könnte es zu den Plädoyers und zu einem Urteil kommen. Geklärt werden muss allerdings zuvor noch die Frage, wer die Abschiedssätze in der Wohnung an die Wand geschrieben hat. Der Angeklagte behauptet, dies sei seine ehemalige Lebensgefährtin gewesen. Möglicherweise wird auch die psychische Verfassung der jungen Frau unmittelbar vor ihrem Tod noch einmal thematisiert.

Welches Urteil ist zu erwarten?

Das ist völlig offen und hängt davon ab, wie das Gericht den Geschehensablauf im Detail bewertet. Hält die Schwurgerichtskammer die Aussagen des Angeklagten für glaubwürdig, könnte er für eine Tötung bzw. versuchte Tötung auf Verlangen und wegen fahrlässiger Brandstiftung verurteilt werden. Angeklagt ist er hingegen wegen Mordes und besonders schwerer Brandstiftung. Das zöge nach § 211 Strafgesetzbuch eine lebenslange Freiheitsstrafe nach sich. Eine entscheidende Rolle könnte zudem das psychiatrische Gutachten spielen: Stellt das Gericht eine verminderte Schuldfähigkeit fest, könnte eine zeitlich befristete Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung angeordnet und eine verminderte Freiheitsstrafe ausgesprochen werden. Möglich ist auch, dass der Angeklagte wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen und die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung angeordnet wird.


Der Prozess findet statt vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Osnabrück. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Schwurgericht, das mit drei Berufsrichtern und zwei ehrenamtlich tätigen Schöffen besetzt ist. Ein Schwurgericht ist ein erstinstanzlicher Spruchkörper an Landgerichten, zuständig ist die Kammer für Tötungsdelikte und Körperverletzungen mit Todesfolge.