Serie „Gesund leben“ Eper Baubiologe Münstermann plant gesundes Wohnumfeld

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Baubiologe Siegfried Münstermann präsentiert Innendämmung aus Holzfasern mit Lehm.Baubiologe Siegfried Münstermann präsentiert Innendämmung aus Holzfasern mit Lehm.

Bramsche. In den eigenen vier Wänden verbringt der Mensch viel Zeit. Umso wichtiger ist ein gesundes Wohnumfeld. Was beim Bauen und Renovieren alles beachtet werden sollte, weiß der Eper Baubiologe Siegfried Münstermann.

Energetisch auf dem neusten Stand, am besten mit dichter Gebäudehülle, dazu viel Technik – Stichwort „Smart Home“ – dass alle Vorgänge im Haus per Funk gesteuert werden, ist der Trend vor allem bei Neubauten. Doch ist das alles auch gut für die Gesundheit der Bewohner? Baubiologie (siehe Info-Box) ist ein sehr weites Feld, erfahren wir von Siegfried Münstermann. Da geht es um schadstofffreie Materialwahl, die Bauweise, aber auch um das Verhalten der Hausbewohner.

Prüfsiegel

Besonders in gut abgedichteten Gebäuden können sich Schadstoffe in der Raumluft anreichern. Für den TVOC-Wert (Total Volatile Organic Compounds), das heißt die Summe aller flüchtigen organischen Verbindungen, hat das Umweltbundesamt Höchstwerte festgelegt. Bei der Auswahl des Materials hilft genaues Hinschauen. Enthält der Eimer Farbe Lösemittel? Enthält der Bodenbelag Weichmacher oder Terpene? Zertifizierte Prüfsiegel können Hinweise geben. Doch die Anzahl verschiedener Labels ist groß. Im Zweifel hilft eine fachliche Beratung.

Der Baubiologe Siegfried Münstermann wohnt selbst in einem Altbau aus dem Jahr 1857. Hier hat er sich für eine Innendämmung entschieden. Holzfaserplatten mit Lehm aufgebaut und anschließend mit diffundierender Farbe, die Marmormehl enthält, gestrichen. So wurde in Epe ein angenehmes Raumklima geschaffen. Die Wandheizung bietet wohlige Strahlungswärme, es kommt zu keiner Verwirbelung der Luft. Dieser Wandaufbau kann viel Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, ideal um Schimmelbildung entgegenzuwirken.

Schimmelwächter

Im Schlafbereich sei bei geschlossenen Fenstern nachts die CO²-Werte schnell im Grenzbereich, erklärt Münstermann. Er empfiehlt, bei offenen Fenster zu schlafen, oder eine automatische Lüftung. Für den Wohnbereich gebe es sogenannte „Schimmelwächter“, die bei Erreichen hoher Luftfeuchtigkeit ein Warnsignal abgeben. Wenn Tapeten sich stellenweise lösen, könne es ein Zeichen für zu hohe Feuchtigkeit an der Wandoberfläche sein, die durch eine dauerhaft zu hohe Luftfeuchtigkeit oder eine Durchfeuchtung des Mauerwerkes ausgelöst werden kann. Hier wäre der Begriff Wärmebrücke zu nennen.

Viele Materialien würden übrigens nicht mehr wie früher intensive Gerüche verströmen, seien aber oftmals aber trotzdem nicht schadstofffrei, erklärt der Baubiologe weiter. Und auch bei den Fliesen könne man viel verkehrt machen. Hier sei auch auf die Auswahl des Klebers zu achten. Naturmaterial wie Holz oder Kork sei die bessere Wahl, findet er. Auch wenn einige Emissionen nach gewisser Zeit abklingen, bei alten Spanplatten sei zum Beispiel noch nach 40 Jahren Formaldehyd messbar.

Eine Kostenfrage

Erdstrahlen und Elektrosmog sind weitere Themen eines Baubiologen. Während es früher in jedem Dorf einen Wünschelrutengänger für Wasseradern gab, ohne den kein Brunnen gebohrt wurde, überwiege heute die Skepsis, „weil es nicht greifbar ist“, meint Münstermann. Doch wenn Babys in ihren Bettchen immer in eine Ecke „wandern“, sollte man das Bett umstellen, findet er. Während also Erdstrahlen für manche bloße „Spinnerei“ seien, sind elektrische und magnetische Wechselfelder messbar, erklärt er. Bei baubiologischen Untersuchungen wird neben der Feldstärke auch die Körperspannung des im Bett liegenden Menschen gemessen. „Ganz ohne elektrische Leitungen geht es nicht“, sagt der Experte und empfiehlt abgeschirmtes Material zu verwenden. Das wären zum Beispiel Kabel mit einem Beidraht, der geerdet werde und so elektrische Felder ableite. Das sei allerdings eine Kostenfrage, aber zumindest die Schlafräume sollten mit diesen Spezialkabeln versehen sein, findet er. Der Einsatz von leitfähigen Farben sei ebenfalls möglich. Häuser, die mit schnurloser Technik „ständig unter Strom“ stünden, seien genauso wie die fortwährende Nutzung von Handys „dauerhaft nicht gut“, meint Münstermann.

Beispiele aus dem Arbeitsalltag

Welche Kosten kommen auf seine Kunden zu? Zwischen 200 und 500 Euro, bei umfangreichen Gutachten auch schon mal deutlich mehr. Verschiedene Beispiele aus dem Arbeitsalltag schildert der Experte. So habe ein teures Sofa eines namhaften Herstellers stark ausgedünstet, weil der Container für den Transport mit dem Gift Permethrin zur Abwehr von Schädlingen begast wurde, was übrigens gängige Praxis sei. Münstermann erzählt von der „englischen Siedlung“ in Osnabrück. Hier war der Parkettkleber der Auslöser, der bei vielen alten Häusern verwendet wurde und Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthielt, die das Umweltbundesamt als krebserregend und erbgutschädigend einstuft.

Siegfried Münstermann gehört dem Verband Baubiologie Bonn an. Er besucht fortlaufend Seminare, zum Beispiel auch einen Kurs für Lehm- und Strohballenbau. „Toll, was man alles machen kann“, sagt er. Auch wenn manches aufwendiger und kostenintensiver sei, müsse man über die spätere Entsorgung nachdenken. Vieles was heute verbaut werde, sei dann Sondermüll. Man gebe viel Geld für Häuser aus, ohne das zu berücksichtigen.


Baubiologen sind Fachleute für die Erkennung und Vermeidung von Umweltrisiken in Innenräumen. Sie messen, analysieren und begutachten magnetische Wechselfelder, Schimmelpilze, Wohngifte, Elektrosmog, Radioaktivität, Luftqualität und Raumklima und sprechen Empfehlungen aus. Weitere Informationen unter www.verband-baubiologie.de oder www.baubiologie-bramsche.de .

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