Chefarzt Peter Mailänder geht Ruhestand nach 27 Jahren im Bramscher Krankenhaus

Meine Nachrichten

Um das Thema Bramsche Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Noch einmal „auf Station“: Patientin Anna Filip ist eine alte Bekannte von Peter Mailänder.84 Jahre ist die alte Dame, die schon bei seinem Dienstantritt im Bramscher Krankenhaus arbeitete, zuerst in der Bäderabteilung, dann auf Station und später als gute Seele im Kiosk. Seit 1992 ist sie nun in Rente. Auch wenn die Gesundheit gerade ein paar Probleme macht, für ein Schwätzchen und ein paar Scherze mit dem Noch-Chefarzt reicht es allemal. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeNoch einmal „auf Station“: Patientin Anna Filip ist eine alte Bekannte von Peter Mailänder.84 Jahre ist die alte Dame, die schon bei seinem Dienstantritt im Bramscher Krankenhaus arbeitete, zuerst in der Bäderabteilung, dann auf Station und später als gute Seele im Kiosk. Seit 1992 ist sie nun in Rente. Auch wenn die Gesundheit gerade ein paar Probleme macht, für ein Schwätzchen und ein paar Scherze mit dem Noch-Chefarzt reicht es allemal. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Nach 27 Jahren am Bramscher Krankenhaus geht Peter Mailänder, Chefarzt der Inneren Medizin, zum 31. März 2018 in den Ruhestand. Es waren Jahre voller Veränderungen organsatorischer Art, aber auch Jahre einer enormen Weiterentwicklung in der Medizin.

Unterwegs mit Peter Mailänder auf der Flur der internistischen Station des Bramscher Krankenhaus. „Herr Doktor, kommen Sie auch noch bei mir vorbei?“, spricht eine Patienten den scheidenden Chefarzt an. Der schüttelt mit einem verschmitzten Lächeln den Kopf. „Ich bin nur noch für repräsentative Aufgaben da“. Berichte schreiben, Akten aufarbeiten, Schreibtisch aufräumen - die klassischen Aufgaben einer letzten Arbeitswoche. Nachfolger Dr. Sebastian Ellis ist schon im Haus, zumindest tageweise. Er kommt ebenfalls aus dem Niels-Stensen-Verbund und war dort bislang als Leiter der Notaufnahme am Franziskushospital Harderberg tätig. Die Innere Medizin ist sehr gut ausgelastet. „ 2017 war das beste Jahr, das die Innere Medizin hier je gehabt hat. Außerdem haben wir so viele Endoskopien durchgeführt wie nie zuvor“, freut sich der Mailänder. Man soll ja ohnehin aufhören, wenn es am schönsten ist“.

Zuerst in die Kardiologie

Dass Peter Mailänder einmal als Chefarzt der Inneren in Bramsche in den Ruhestand gehen würde, zeichnete sich lange Zeit nicht im Mindesten ab. 1953 in Schwerte geboren, machte er dort Abitur und fing „mit voller Absicht“ ein Studium der Psychologie und Philosophie an. „Ich hab gedacht, ich könnte kein Blut sehen“, grinst er. „Aber dann hatte ich keine Lust, immer nur auf Anweisung arbeiten zu müssen“. Er sattelte auf Medizin um, studierte in Gießen, „aber um Psychiater zu werden“ Aber auch das sollte es nicht werden. Nach der Bundeswehrzeit führte die erste medizinische Station den jungen Arzt in die Kardiologie einer Reha-Klinik im saarländischen Neunkirchen. „Es war spannend und ich habe unendlich viel gelernt“ erinnert er sich. St. Josef hieß das von der Ausrichtung her „gut katholische“ Haus, wo ihn der Verwaltungsdirektor nach Einstellungsgespräch beiseite nahm und einen Satz formulierte, der für Mailänders ärztliches Tun prägend war: „Herr Mailänder, wir haben hier keine Klagen. Wir reden mit den Leuten“. Heute, nach Jahrzehnten ärztlicher Arbeit, in denen die Bürokratie immer größeres Ausmaß annahm, sinniert Mailänder: „Wenn es mir einmal nicht gut geht oder ich genervt bin vom vielen Papier, gehe ich auf Station, mache Untersuchungen und spreche mit den Patienten. Dann geht es mir wieder gut. Eigentlich haben die Patienten dann mich geheilt“.

„Wir reden mit den Menschen“

Nächste Station war das Stadtkrankenhaus Pirmasens, wo er auf der Inneren und in der Röntgenabteilung tätig war. Aber die vielen Nachtdienste gingen an die Substanz. Der junge Mediziner („damals noch mit Bart“) las die Ausschreibung einer Oberarztstelle in der Inneren Medizin am Bramscher Krankenhaus, dass damals 1991 gerade von den Johannitern übernommen worden war. Während seiner Zeit bei der Bundeswehr hatte er den Osnabrücker Raum bereits kennen- und auch die Menschen schätzen gelernt, für die „muss ja“ höchste Euphorie, was das Befinden angeht, bedeute. „Ok, damit kann ich arbeiten“, habe er sich gedacht. „Nach sechs Wochen habe ich trotzdem gemeint, ich werde hier wahnsinnig. Er blieb dennoch. Kurz darauf kam der Kardiologe Dr. Jürgen Andrä als zweiter Oberarzt dazu. „Wir haben den Laden entwickelt“, sagt Mailänder.

Finanziell lief es zu dieser Zeit wie häufig in den folgenden Jahren nicht gut. Verschiedenste Konzepte wurden ausprobiert, alle nicht wirklich erfolgreich. Eine Wende brachte erst die Übernahme durch den Niels-Stensen-Verbund im Jahr 2010. „Ich habe das Krankenhaus nie anders als in Bedrohung erlebt“, zuckt der scheidende Chefarzt mit den Schultern. Zuerst war es der ökonomische Druck. Die Veränderung medizinischer Standards bringe gerade kleinere Häuser der Grund- und Regelversorgung in Existenznot. „Wenn ich eine bestimmte Untersuchung, die einen hohen technischen Aufwand erfordern, nur fünfmal im Jahr mache, dann lasse ich es lieber. Wenn Hightech in der Medizin zum Standard wird, sind kleinere Häuser raus. Sie werden ihre Schwerpunkte mehr im pflegerischen und palliativen Bereich sehen müssen “. Und überhaupt: „Viele Menschen gehen doch zum Arzt, weil sonst niemand mit ihnen redet. Wir haben hier viele chronisch Kranke. Hier ist die ‚sprechende Medizin‘ ganz wichtig“. In einem kleineren Haus sei das vielleicht noch leichter praktizierbar. Viel hat sich verändert in den vergangenen Jahrzehnten.

„Das Feld ist bestellt“

Dennoch, so fasst Mailänder zusammen: „Das Feld ist bestellt“. Die Zusammenarbeit von Innerer Medizin und Psychiatrie/Psychosomatik in der Bramscher Klinik sei durchaus eng und müsse und könne in Richtung gemeinsamer Therapieansätze sicherlich noch weiter ausgebaut werden. Die Intensivstation bleibe erhalten und sichere damit die ortsnahe Betreuung Schwerkranker.

Auch wenn jetzt das Privatleben im Vordergrund steht, Mailänder spanisch lernen, Festivals besuchen oder an Lesungen im Buchladen seiner Frau beteiligen möchte, wird er das Bramscher Krankenhaus mit dem Eintritt in den Ruhestand nicht endgültig verlassen. Urlaubsvertretungen oder Bereitschaftsdienste sind angedacht: Nach 27 Jahren ist die Klinik so etwas wie sein „sechstes Kind“.Mailänder sinniert einen Augenblick: „Ich habe das unfassbare Glück, dass ich all die Jahre meinen Lebensunterhalt mit einer Arbeit bestreiten konnte, die Freude und Spaß macht“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN