Grenzen überwinden Malen beim Begegnungscafé im Bramscher Forum Martinum

Von Holger Schulze

Am Rande des samstäglichen Begegnungscafés im Forum Martinum kann auch von Groß und Klein gemalt werden. Foto: Holger SchulzeAm Rande des samstäglichen Begegnungscafés im Forum Martinum kann auch von Groß und Klein gemalt werden. Foto: Holger Schulze

Bramsche. Seit Mai 2016 findet im Forum Martinum jeden Samstagnachmittag ein Begegnungscafé statt. Dabei haben die Cafégäste auch die Möglichkeit, unter der Leitung der Kunsttherapeutin Kerstin Wickel an einem separaten Tisch zu zeichnen und zu malen.

Die Initiative der St. Martinusgemeinde in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Vereins Amal bietet Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch allen anderen Bramscher Bürgern die Möglichkeit, einander kennenzulernen, miteinander ins Gespräch zu kommen und zu malen. Etliche der hierbei entstandenen Arbeiten schmücken jetzt eine Wand im Eingangsbereich des Gemeindehauses.

Im gemeinsamen Malen sieht Wickel die Möglichkeit, „eventuelle Hindernisse, die sich im direkten Gespräch ergeben, zu überwinden. Malen hat eine universelle und völkerverbindende Sprache, die in der Lage ist, sprachliche, ethnische und kulturelle Grenzen zu überwinden“.

Zum ersten Mal einen Pinsel in der Hand

Am Maltisch gibt es grundsätzlich keine Vorgaben, was gemalt werden soll oder wie. Die Menschen können frei entscheiden und kommen oder gehen, wann immer sie möchten. Meistens kommen die Malenden aus der LAB Überwiegend sind es Erwachsene, die zum Teil zum ersten Mal in ihrem Leben einen Pinsel in der Hand halten.

„Oft wird es ganz still am Tisch, wenn die Menschen in ihre Arbeit versunken sind, und man spürt, dass sie die Möglichkeit genießen, für einen Moment ganz bei sich sein zu dürfen und zur Ruhe kommen“, beschreibt Wickel die ruhigen Momente im Begegnungscafé. „Die Bilder sind immer ein Teil der Geschichte und der Erfahrungen der Malenden. So entstehen ganz individuelle Erinnerungsbilder, Abschiedsbilder, Wunschbilder, Heimatbilder. Diese Bilder können trösten und Brücken bauen, von innen nach außen und umgekehrt“.

An der Wand im Forum Martinum sind nun aber Bilder zu sehen, denen ein gemeinsames Thema zugrunde liegt. Dessen Vorgabe lautete: „Setze deinen Namen auf das Bild in deiner Sonntagsschönschreibschrift und male dazu, was du gerne magst“.

Der eigene Name im Fokus

Flüchtlinge verlieren ihre Heimat, viel von ihrer Privatsphäre und von ihrer Zugehörigkeit, weiß die Kunsttherapeutin. „Rückt der eigene Name auf eine kunstvoll gestaltete Art in den Fokus, erfährt der Mensch dahinter eine Wertschätzung. Die Gestaltung, der persönliche Ausdruck ist Identität, ist ein bisschen wie ein Portrait. Eine liebevolle Gestaltung des eigenen Namens soll Verbundenheit zum Ich zeigen und den achtsamen Umgang mit sich selbst bewusst machen.

Bei diesem Projekt fiel Wickel speziell die Sorgfalt und die Geduld auf, mit der die Bilder gestaltet wurden. „Es ist davon auszugehen, dass die Flüchtlinge Erinnerungen an eine kaputte Welt in sich tragen. Umso berührender war es zu sehen, wie unversehrt der Namen mit unterschiedlichen Motive eingerahmt wurde. Es schien so, als könnte so, zumindest auf dem Papier, wieder in Ordnung gebracht werden, was den Malenden wichtig ist“.

Farbenfroh und klar strukturiert

Auffällig ist ferner, dass die Malenden trotz einer oft schweren Vergangenheit fast durchweg farbenfrohe und klar strukturierte Bilder angefertigt haben.

In Sonntagschönschrift sollte für ein Projekt der Name auf die Leinwand gebracht werden. Entstanden sind dabei farbenfrohe und klar strukturierte Arbeiten, die jetzt im Flur des Forum Martinum zu sehen sind.

Die Collage aus den verschiedenen Namen ist keine Ausstellung im herkömmlichen Sinne, sondern ein schmückendes Element auf dem Weg zum Gemeindesaal, das aber von jedem betrachtet werden kann, der sich zum Beispiel beim Begegnungscafé einfindet.