Veranstaltung in der Kornmühle Bramscher „Stadtgespräche“ zum Thema „Beet-Paten“

Von Holger Schulze

Die ökologischen Entwicklungen des Straßenbegleitgrüns in Essen/Ruhr und in Bramsche stellten Susanne Schulze und Silke Nestler (von links) am Donnerstagabend in der Kornmühle beim zweiten Teil der „Stadtgespräche“ vor. Foto: Holger SchulzeDie ökologischen Entwicklungen des Straßenbegleitgrüns in Essen/Ruhr und in Bramsche stellten Susanne Schulze und Silke Nestler (von links) am Donnerstagabend in der Kornmühle beim zweiten Teil der „Stadtgespräche“ vor. Foto: Holger Schulze

Bramsche. Um die ökologische Bepflanzung von öffentlichen Grünflächen und das von der Stadt Bramsche organisierte Projekt „Beet-Paten“ ging es beim zweiten „Stadtgespräch“ in der Kornmühle am Donnerstagabend.

50 Prozent der Tierarten seien gefährdet oder schon ganz von der Bildfläche verschwunden, hielt Bürgermeister Heiner Pahlmann in seiner Begrüßung fest. Laut einer Studie gebe es zudem einen 75 prozentigen Rückgang der Biomasse bei Fluginsekten und 15 Prozent weniger brütende Vogelpaare. „Deshalb ist es wichtig, dass wir uns hier engagieren. Wir als Kommune können natürlich die Biodiversität verbessern und sollten unsere Möglichkeiten hierzu ergreifen“, lautete Pahlmanns Überleitung zu einem Blick nach Essen/Ruhr, wo mit einem Staudenbepflanzungsprojekt dieser Gedanke in den vergangenen Jahren aufgegriffen worden war.

Nachhaltige Staudenpflanzungen

„Nachhaltige Staudenpflanzungen“ in Essen lautete das folgende Impulsreferat von Susanne Schulze. Die Landschaftsarchitektin beim dortigen Grünflächenamt war in den Jahren 2016/17 mit den Planungen der Staudenbepflanzung aus Anlass der damaligen „Grünen Hauptstadt Europas“ befasst. Ressourcen zu schonen, Biodiversität und den klimatischen Mehrwert zu steigern sowie ein stabiles, selbstregulierendes System aufzubauen, all dies gehörte zu den Zielen der Umstrukturierung von monotonen Rasenflächen in blühende Staudenpflanzungen. Das Konzept war in den Stadtfarben von Essen, Gelb und Blau, gehalten.

Rund 60.000 Stauden wurden auf über 8.000 Quadratmetern eingesetzt. Narzissen und Tulpen, Anemonen, knallig violetter Kugel-Lauch für das optische Bild im Frühling, die Gräser mit ihren strukturbildenden Eigenschaften, der Mohn und Kornblume als Lückenschließer sowie die Steppenkerze als Akzentsetzer kamen zum Einsatz. Insgesamt konnten hiermit „dichte, ständig wechselnde Blühflächen erreicht werden, die von der Insektenwelt und den Vögeln gerne angenommen wurden“, fasste Schulze den Zugewinn an ökologischer Qualität, das gesteigerte Naturerlebnis mit lebendiger Vielfalt sowie die auch von den Bürgern gelobten Veränderungen im Stadtbild zusammen. „Was in Essen geht, geht eigentlich überall. Jeder kann in seinem Bereich etwas dazu tun und jeder kleine Beitrag ist auch wertvoll für eine lebendige Stadtentwicklung“, so Schulze abschließend.

Was konkret in Bramsche diesbezüglich bereits auf dem Weg ist, schilderte Silke Nestler, bei der Stadt für die Planung von Grünflächen zuständig. Nach „ökonomischen wie ästhetischen Gesichtspunkten“ werden vom Betriebshof, und im Idealfall in Zusammenarbeit mit „Beet-Paten“, in bereits älteren Baugebieten die Bepflanzungen neu angelegt. Seit 2008 legt die Stadt Staudenbepflanzung in den Neubaugebieten mit Lavendel, Salbei, Rosen, Taglilien, Fetthenne, Rudbeckien oder Sonnenblumen an. Geplant sind auch weitere Referenzbeete wie das bereits vor dem Rathaus bestehende, am Ehrenmahl, am Raschplatz und in der Marktstraße.

Nicht nur einmal fiel an diesem Abend bei der Darstellung der städtischen Aktivitäten der Hinweis auf den doch begrenzten ökonomischen Handlungsspielraum von Bramsche, der sich auch in der bereits bestehenden Auslastung des Betriebshofes mit der Bestandspflege von etlichen hunderttausend Quadratmetern widerspiegele. Besonders dankbar sei man deshalb für das Beet-Paten-Projekt, bei dem Einzelpersonen oder auch Gruppen sich um Beete vor ihrer Haustür kümmern. „Auch haben wir mit dem Runden Tisch Natur einen Kooperationspartner gefunden, deren Mitglieder gerne für Beratungen zur Verfügung stehen“, wies Nestler auf bereits existierendes bürgerschaftliches Engagement zur Verbesserung der Lebensqualität in Bramsche hin.

Wer Interesse an einer Beet-Patenschaft vor seiner Haustüre hat, kann sich wegen der weiteren Einzelheiten bei Silke Nestler im Fachbereich 4 der Stadtverwaltung im Rathaus melden.

Dass das Thema dieses Stadtgesprächs auf reges Interesse traf, war an der nahezu voll besetzten Kornmühle und den Diskussionsbeiträgen und Einzelgesprächen erkennbar, die sich an die Vorträge anschlossen.

Der Runde Tisch Natur lädt im Rahmen des „Dialoges Natur“ am 15. Mai 2018 ab 19 Uhr zu einem weiteren Vortrag ein. Dann geht es im Rathaussaal um die „Sicherung und Entwicklung der biologischen Vielfalt in urbanen Räumen“.