Serie „Gesund leben“ Klinik-Psychologen haben in Bramsche alle Hände voll zu tun

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Bramsche. Dr. Yvonne Walonka und Nira Finke haben einen Wunsch. Sie hoffen, mittelfristig auch eine Tagesklinik anbieten zu können, betonen die Chefärztin der Psychiatrie und die Leitende Psychologin übereinstimmend. Denn neben der stationären Patientenaufnahme und einer ambulanten Betreuung fehle noch genau dieses Element in ihrem Fachbereich der Niels-Stensen-Kliniken in Bramsche.

„Eine Tagesklinik würde das Angebot abrunden“, so Walonka. „Dann könnten wir weiter wachsen“, fügt Finke hinzu.

Beide Frauen gehören zum Team der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin im Krankenhaus an der Hasestraße. Drei Stationen mit insgesamt 60 Betten betreuen sie hier zusammen mit ihren Kollegen. „Wir sind durchgehend komplett belegt“, schildert Chefärztin Walonka die aktuelle Lage. Für eine längere stationäre Behandlung gebe es „eine Warteliste von acht bis 16 Wochen“, erklärt sie. Insgesamt habe die Zahl der Menschen, die in den vergangenen Jahren nach Hilfe angefragt hätten, zugenommen. Immer häufiger gehe es dabei auch um psychosomatische Erkrankungen. Der Körper sendet dabei schmerzhafte und störende Signale, ohne dass wirklich ein organischer Defekt vorliegt. Auslöser vieler psychosomatischer Störungen sind häufig zunehmender Stress und ein Mehr an Drucksituationen im Alltag.

Walonka und Finke wollen den Patienten, die sich in der Klinik behandeln lassen, helfen. „Unsere Arbeit hier hat nichts mit Wegsperren, nichts mit Zwangsjacken oder ähnlich schlimmen Dingen zu tun“, sagt die Chefärztin. Im Gegenteil. „Es gibt einfach Situationen im Leben, die jeden von uns treffen können“, so Walonka, „Dinge, die man erst einmal verarbeiten muss“. Nicht immer gelinge das den betroffenen Menschen gut, das seelische Gleichgewicht sei erheblich gestört – und genau hier setze dann die Hilfe der Klinik-Fachleute an. Stationär oder ambulant. „Dass bedeutet auch nicht, dass die Betroffenen verrückt sind oder man vor diesen Menschen gar Angst haben muss“, betont Walonka. Auch gebe es in Bramsche keine geschlossene, forensische Abteilung, stellt sie klar. Die sei in Osnabrück zu finden.

Ob Burnout, Depression oder psychosomatische Störung – das Erstgespräch mit dem Patienten helfe in der Regel schon, sich ganz vorsichtig der Ursache für dessen inneren Alarmzustand anzunähern, verdeutlicht Psychologin Finke. Und es trage dazu bei, die Krankheit auch richtig zu benennen. Gerade bei Erschöpfungen oder Notlagen der Seele würden von Dritten aus Unwissenheit „leider Begrifflichkeiten sehr oft durcheinander gebracht“, so Finke. Mit den Patienten selbst würden dann konkrete, überprüfbare Therapiepläne entwickelt, um die Erkrankung zu behandeln. Neben einer Medikation kämen parallel Psychotherapie, aber auch Sport- und Ergotherapie zum Einsatz. „Vor allem Bewegung ist anti-depressiv wirksam“, verdeutlicht Chefärztin Walonka.

Waren es aber einst vor allem Frauen, die Hilfe bei Psychiatern oder Psychologen suchten, so steige der Anteil die Männer, die sich öffnen, inzwischen spürbar an, verdeutlicht Walonka. „Früher sind die Männer zum Kardiologen gegangen, aber nicht zum Therapeuten“, stellt sie fest, „man merkt da jetzt schon eine Veränderung“. Auch deshalb werden eigentlich noch weitere Behandlungsmöglichkeiten und Betten an der Hasestraße gebraucht. Zum Beispiel auch solche in einem Tagesklinik.


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