Kritik an Straßenbaubehörde Anlieger in Engter entsetzt über Kahlschlag

Meine Nachrichten

Um das Thema Bramsche Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Engter. Der Einsatz der Firma liegt schon einige Tage zurück, aber das Entsetzen der Anlieger über den Kahlschlag an der B218 in Engter ist geblieben. Das Thema wird den Ortsrat Engter noch beschäftigen, wie Ortsbürgermeister Ralf Seeleib am Donnerstag bestätigte.

Der neue Ortsbürgermeister von Engter hatte am Donnerstag zum Ortstermin mit den Nachbarn geladen. Hans-Jürgen Grawunder, Kirsten Grawunder und Jörg Flehinghaus erläuterten dabei, was die heftig ausgefallene und viel kritisierte Pflegemaßnahme für sie bedeutet: einen Verlust an Lebensqualität, der täglich zu spüren ist.

„Das geht zu weit“

„Ich bin niemand, der schnell meckert, aber das hier, das geht nun wirklich zu weit“, sagt Hans-Jürgen Grawunder. Er wohnt in einem der wenigen Häuser an der Vördener Straße, direkt unterhalb der Bundesstraße. Die Böschung ist hier, bis auf zwei, drei Bäume, komplett gerodet worden. „Hier war früher im Sommer alles grün, jetzt guckt man direkt auf den Verkehr“, erzählt Kirsten Grawunder. Wenig fachgerecht scheinen den Anliegern auch die dicken Schichten mit gehäckseltem Holz zu sein, die hier liegen geblieben sind. „Da kommt doch gar nichts mehr hoch außer Unkraut“, meint Hans-Jürgen Grawunder. Er vermutet, dass die Häckselschichten mehr mit Entsorgung als mit Pflege zu tun haben: „Der Anhänger für das Holz war wohl voll und ein neuer hat sich nicht mehr gelohnt“.

Auffahrt ausgeräumt

Der Ärger über die ausgeräumte Böschung ist schon schlimm, auf der anderen Seite der Häuser kommt es aber noch schlimmer: Das sogenannte „Ohr“ der Auffahrt zur Bundesstraße: Was hier im Laufe der Jahre gewachsen ist an Bäumen und Sträuchern, ist bis auf vereinzelte Ausnahmen entfernt worden. Die aufgestapelten Holzreste sowie die Zahl der Baumstümpfe lassen nur noch ahnen, wie dicht bewachsen diese Fläche war. Übrig geblieben ist eine Handvoll dünner, hoher Bäume. „Wenn da jetzt ein richtiger Sturm kommt, liegt das alles flach“, glaubt Jörg Flehinghaus. Auf der anderen Seite sei das „Ohr“ der Auffahrt vor zwei, drei Jahren vernünftig ausgedünnt worden, kein Vergleich mit dem Kahlschlag hier, meint Grawunder.

Kein Sichtschutz

Viel Schlimmer ist für die Anlieger allerdings, dass sie nun auf eine kahle Fläche schauen und vor allem das lebhafte Verkehrsgeschehen vor der Haustür noch unmittelbarer erleben als zuvor. „Ich weiß, dass Bäume nicht als Lärmschutz fungieren sollen, aber wir hatten doch den Eindruck, dass es durch die Bäume deutlich ruhiger war“, meint Hans-Jürgen Grawunder. Auf alle Fälle war in der Vegetationszeit das viele Grün in der Auffahrt für das Auge weitaus angenehmer als der freie Blick auf den regen Verkehr auf der Bundesstraße, der sich jetzt bietet.

„Ich frage mich, ob dieser radikale Rückschnitt angemessen ist“, sagt Kirsten Grawunder. „Für mich bedeuteten die Bäume, über einen Sicht- und Lärmschutz zu verfügen,“ schreibt sie in einer Mail an Cord Lüesse, den Leiter des Geschäftsbereiches Osnabrück der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr.

An Lüesse hat sich auch Hartmut Greife gewandt. Der Leitende Baudirektor der Stadt Bramsche kritisiert insbesondere den massiven Hartholzeinschlag: „Im Gegensatz zu Büschen wachsen die Bäume nicht nach, wenn sie abgesägt wurden. Hier ist man m.E. deutlich über das Ziel hinaus geschossen“, schreibt Greife.

Gehölzstrukuren gewünscht

Der Baudirekor hat in etwa die gleiche Antwort erhalten wie die Bramscher Nachrichten auf ihre erste Anfrage. Ziel der „Gehölzpflegemaßnahmen“ sei „die dauerhafte Erhaltung eines vitalen straßenbegleitenden Gehölzbestandes, wobei wir besonderen Wert auf dichte, strauchartige Gehölzstrukturen legen zu Lasten von Einzelgehölzen. Aus diesem Grunde kann es dann auch vorkommen, dass Harthölzer gefällt werden.“ Zudem seien „Böschungsköpfe, Gräben und Wildschutzzaun jeweils in einer Breite von zwei Metern von Gehölzen freizuschneiden.“ Die auf den Stock gesetzten Bestände würden „schon jetzt im Frühjahr wieder kräftig“ austreiben, meint Lüesse.

„Das können wir nicht einfach schlucken“

„Gehölze „auf den Stock“ zu setzen, ist eigentlich etwas anderes, als das, was in diesem Jahr (anscheinend nicht nur bei uns, sondern auch an Bundesstraßen anderer Kommunen) praktiziert wurde,“ meint dazu Hartmut Greife. Und auch für Ralf Seeleib reicht die Erklärung nicht: „Damit wird sich der Ortsrat noch einmal beschäftigen. So etwas können wir doch nicht einfach so schlucken“, kündigt der Ortsbürgermeister an.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN