Welt-Down-Syndrom-Tag 2018 Der kleine Gino aus Bramsche geht bald zur „Uuule!“

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Gino als Mittelpunkt der Familie: Mit Oma Helga (links) und Opa Udo Mertens (rechts), mit Mama Jenny und Papa Sascha Steiniger. Foto: Björn DieckmannGino als Mittelpunkt der Familie: Mit Oma Helga (links) und Opa Udo Mertens (rechts), mit Mama Jenny und Papa Sascha Steiniger. Foto: Björn Dieckmann

Bramsche. Der kleine Gino Steiniger aus Bramsche ist mit Down-Syndrom zur Welt gekommen. Nun ist er fünf Jahre alt, kommt bald in die Schule und seine Eltern sagen: „Er hat sich super entwickelt.“ Unsere Redaktion hat die Familie zum Welt-Down-Syndrom-Tag 2018 besucht.

Gino ist ein sehr höfliches Kind. Besuchern bietet er Kaffee, Zucker und Milch an, auch Kekse. Während er den Kaffee einschenkt, wird allerdings die Micky Maus im Fernsehen plötzlich viel interessanter. Gino dreht sich unvermittelt zum TV-Gerät um, der Kaffee plörrt daneben. „Gino liebt die Micky Maus“, nimmt seine Mutter Jenny Steiniger es gelassen und lacht.

Kleiner Racker

Es ist der übliche Alltag: Wirklich lange kann sich Gino nicht auf etwas konzentrieren. Er gießt etwas zu trinken ein, schaut fern, grabbelt ein bisschen an allem herum, was auf dem Wohnzimmertisch steht, setzt sich platt auf den Boden, tanzt ausgelassen – alles in sehr kurzer Abfolge. Mal will er mit Mama und Papa, mit Oma oder Opa schmusen, in der nächsten Sekunde mit niemandem etwas zu tun haben: „Menschen mit Down-Syndrom sind die konsequentesten, die es überhaupt nur gibt: Wenn sie was wollen, dann wollen sie es. Und was sie nicht wollen, das wollen sie halt nicht“, meint Ginos Oma Helga Mertens, die sich mit ihrem Mann Udo intensiv mit kümmert um den kleinen Racker Gino. Der übrigens gerne auch mal die Tapeten anmalt. Oder in seinem Zimmer eine Tube Sonnencreme leert. Die Aufräumarbeiten danach dauerten etwas länger. „Aber es hat schön nach Sommerurlaub geduftet“, grinst Papa Sascha Steiniger.

Wenn die Familie auf die letzten Jahre zurückschaut, dann sind alle einfach froh, dass alles so geworden ist, wie es nun ist: „Gino hat sich super entwickelt“, sagen Jenny und Sascha Steiniger. Im September 2012 geboren, hat der Junge schon nach einem halben Jahr einen Leistenbruch, eine Herz-OP und eine Lungenentzündung überstanden – eine schwere Zeit für ihn wie auch die Eltern, zumal Jenny und Sascha Steiniger bis zur Geburt nicht wussten, dass ihr Kind mit Down-Syndrom zur Welt kommen würde.

Doch nach den ersten Turbulenzen geht es bergauf. Dazu trägt nicht nur die Fürsorge durch die Familie bei, sondern auch das Kinderzentrum Haus Elbestraße der Heilpädagogischen Hilfe (HpH) Bersenbrück: „Gino hat sich da im Kindergarten von Beginn an richtig wohl gefühlt und wird toll gefördert“, ist Jenny Steiniger froh, dass es die integrative Einrichtung in der Nähe gibt.

Bedenken zu Beginn

Dank Logopädie lernt Gino mittlerweile auch immer besser zu sprechen. Und deshalb kann er jetzt auch selber sagen, wo er bald hingeht: Zur „Uuule!“ nämlich, genauer gesagt zur Paul-Moor-Schule in Alfhausen, die ebenfalls von der HpH angeboten wird für Kinder und Jugendliche mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Bei dem Gedanken, dass ihr Junge schon bald – und das noch vor seinem sechsten Geburtstag – zum Schulkind wird, da wurde zumindest seinem Vater zunächst doch etwas mulmig: „Ich hatte Sorge, dass das zu früh kommt und er da untergeht“, gibt Sascha Steiniger zu. Doch ein Besuch in der Schule und das Miterleben des Unterrichts überzeugten auch ihn, dass Gino dort gut aufgehoben sein wird.

Nichtsdestotrotz lässt sich nicht genau sagen, was die nächsten 12 Jahre Schulzeit mit sich bringen werden. „Keine Ahnung, wie weit Gino lesen, schreiben und rechnen lernen wird“, sagt seine Mutter Jenny. Was danach kommt, steht erst recht noch in den Sternen. Talente zeigt Gino aber ja heute schon: Vielleicht wird er also mal Tapetendesigner. Oder Profi-Tänzer. Oder Bedienung in einem Café – wenn denn seine Liebe zu Micky Maus bis dahin etwas abgeklungen sein wird.


Das Down-Syndrom wird durch eine Genommutation verursacht, bei der das gesamte 21. Chromosom oder Teile davon dreifach vorhanden sind. Diese Anomalie wird dementsprechend als Trisomie 21 bezeichnet. Betroffene sind in unterschiedlicher Ausprägung geistig eingeschränkt, auch kommt es zu körperlichen Fehlbildungen.

Der Begriff des Down-Syndroms geht auf den britischen Arzt und Apotheker John Landon-Down zurück, der dieses Syndrom 1866 erstmals umfassend beschrieb.

Der Welt-Down-Syndrom-Tag findet jedes Jahr am 21. März statt. Das Datum symbolisiert das charakteristische Merkmal des Down-Syndroms, nämlich das dreifache Vorhandensein des 21. Chromosoms. Der Aktionstag wurde erstmals 2006 in Genf organisiert. Seite 2012 ist der Down-Syndrom-Tag offiziell von den Vereinten Nationen anerkannt.

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