Asthma, Diabetes, Herzprobleme Programme helfen chronisch Kranken in Bramsche

Von Hildegard Wekenborg-Placke


Bramsche. Seit einigen Jahren gibt es besondere Programme der Krankenkassen für Menschen mit chronischen Erkrankungen, die Arzt und Patienten helfen sollen, die Leiden und ihre möglichen Spätfolgen besser im Blick zu haben. Eine Beschreibung am Beispiel der Zuckerpraxis in Bramsche.

„Disease-Management-Programme (DMP) sind strukturierte Behandlungsprogramme für chronisch kranke Menschen. Ziel der DMP in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist es, den Behandlungsablauf und die Qualität der Versorgung für diese Patienten zu verbessern. Durch eine strukturierte und kontinuierliche medizinische Betreuung sollen Folgeschäden vermieden und die Lebensqualität der Patienten erhalten oder verbessert werden. Langfristig sollen durch die DMP auch Kosten, zum Beispiel für die Therapie von Spätfolgen, gesenkt werden.“ So definiert der AOK-Bundesverband die Chronikerprogramme, die seit 2002 wegen der Kritik des Sachverständigenrates für diei Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen an der Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen eingeführt wurde. Seit Beginn ist die Bramscher „Zuckerpraxis“ von Dr. Ewald Jammers und Dr. Tim Wohlberedt beim Thema DMP dabei. Dennoch betrachtet der Diabetologe Jammers die Programme mit einiger Skepsis. „Wir sammeln seit Jahren unendlich viele Daten, wichtige und nützliche Daten. Aber niemand macht etwas damit“, kritisiert Jammers insbesondere die Krankenkassen. Den Patienten selbst gebe die Einschreibung in das DMP in der Regel aber ein gutes Gefühl. „Sie wissen, dass wir sie und ihre Krankheit im Blick haben und das vermittelt Sicherheit.“

Die Krankheit sichtbar machen

Was Jammers an seinen Patienten beobachtet hat, gilt auch für die anderen Krankheitsbilder, für die es mittlerweile Chroniker-Programme gibt: Neben dem Diabetes Typ 2 und Typ 1 sind das Brustkrebs, Koronare Herzkrankheit und chronische Herzinsuffizienz sowie Asthma bronchiale und chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen (COPD). „Die Teilnahme an einem DMP macht die Krankheit sichtbar“, formuliert es Jammers. Jeder neue Patient, der sich an die diabetologische und ernährungsmedizinische Schwerpunktpraxis an der Münsterstraße wendet, wird, natürlich nur mit schriftlicher Einwilligung des Patienten, nach gründlicher Untersuchung und Diagnosestellung in ein solches Programm eingeschrieben. So tragen nicht nur der behandelnde Arzt und der Patient selbst die Verantwortung dafür, dass die erforderlichen Kontrolltermine eingehalten werden, auch die jeweilige Krankenkasse erinnert den Diabetiker, Asthmatiker oder Herzkranken daran, seine Termine einzuhalten. „Die Programme geben den Patienten Struktur. Sie folgen strikten Leitlinien und die Datenerhebung ist unabhängig von der Pharmaindustrie. Außerdem haben wir die Entwicklung der Erkrankung jederzeit im Blick“,. sagt Jammers. Für den reibungslosen Ablauf des mit viel Dokumentations- und Verwaltungsaufwand verbundenen Programm ist in der Praxis Andrea Schibull zuständig. Sie kann das nur bestätigen: „Die Patienten wissen das inzwischen und sie fordern das auch ein“.

Noch mit Tabletten oder schon mit Spritzen

Zu den Daten, die je nach Erkrankung einmal pro Quartal oder manchmal auch halbjährig erhoben werden, gehören der Langzeit-Blutzucker, Blutdruck, Gewicht, Veränderungen bei der Medikamenteneinnahme aber auch Probleme mit Augen oder Füßen, wie sie bei Diabetes besonders häufig sind. Ob der Diabetes noch mit Tabletten oder bereits mit Spritzen behandelt werden kann, geht aus der Dokumentation ebenfalls hervor. Während der Besuche in der Praxis werden darüber hinaus Zielwerte eingetragen, deren Erreichen beim nächsten Mal direkt überprüft wird. Dabei ist besonders der HBA1 C-Wert, der über die Langzeitentwicklung der Blutzuckerwerte Auskunft gibt und im Praxislabor erhoben wird, besonders wichtig. Jammers nennt ihn schmunzelnd die „Falltür“: „Wenn der Wert steigt, muss der Patient zum Doktor rein“. Dann werden weitere Untersuchungen angeregt und mögliche Veränderungen in der Therapie besprochen. Der Diabetologe fügt hinzu: „Normalerweise gehen die Leute zum Arzt, weil sie etwas haben. Zu uns kommt der Patient, weil ich möchte, dass er nichts hat“.

„Wahre Datenmonster“

Bei jeder Kontrolluntersuchung werden die Blutwerte überprüft.

Sehr sinnvoll sei das alles, findet der Diabetologe. Allerdings setzt hier auch seine Kritik am System der Disease-Management-Programme an. „Wir erheben wahre Datenmonster, aber es passiert nichts damit“. Es gebe kaum von den Krankenkassen beauftragte Studien, die sich diese Fülle von Daten zunutze machen, um die Behandlungsstandards zu optimieren. „Wir haben die Daten in den Praxen, wir sind fachübergreifend vernetzt, beispielsweise mit Augenärzten, Neurologen sowie Nephrologen und arbeiten auch mit einem Orthopädieschuhmacher zusammen. Eigentlich könnten wir das Ganze auch ohne die Kassen regeln“. Ob aber nun mit oder ohne die Krankenkassen: „In einem Programm fühlen sich die Patienten gut aufgehoben. „Sie nehmen die Krankheit bewusster wahr und so fällt es vielen auch leichter, ihren Lebensstil in Richtung gesündere Ernährung und mehr Bewegung zu ändern“.