Schmittenhöher Theaterpremiere Kalkriese: Applaus für Klamauk in der Arztpraxis

Von Holger Schulze


Kalkriese. Es ging hoch her in der Praxis von Dr. Sommer. Der Dreiakter „Goe Biaterung“, von der Theatergruppe des Heimatvereins Schmittenhöhe unter der Leitung von Sabine von der Haar einstudiert, hatte am Samstagabend Premiere und brachten das Publikum in der Mehrzweckhalle überdurchschnittlich oft zum Lachen.

Die Zuschauer saßen diesmal an Tischen. „Da könnt ihr die Getränke draufstellen, ohne dass jemand reintritt und auch den Kopf mal drauflegen“, begrüßte Rolf Lamla, der Vorsitzende der Schmittenhöher, das Publikum. Nun, einschlafen konnte während der Vorstellung wirklich niemand, zu unterhaltsam war das Sammelsurium an Typen und Charakteren, die sich beim Doktor die Klinke in die Hand gaben.

Unglück beim Küssen

Gleich zu Beginn der Vorstellung ging es bereits spärlich mit Bademantel und Handtuch bekleidet zur Sache. Die Doktorstochter Katrin Sommer erschien mit einem strubbligen jungen Mann, Malermeister Markus, an den Lippen leicht stöhnend auf der Bühne. Das knutschende Paar hatte sich mit seinen Piercings ineinander verhakt, konnte aber schnell durch die Sprechstundenhilfe Sonja aus der verfänglichen Situation befreit werden. Zum Potpourri der zahlreichen Lachmuskelreizer gehörte ferner Hausmeister Erkan, hauptsächlich mit den Worten „krass“, „Hammerbody“, „Handy“ und „Auto“ auf der Bühne zu sehen.

Privatpatienten bevorzugt

Anwesend ferner: die Arztgattin Helga Sommer, hauptsächlich beschäftigt mit der Akquise von Privatpatienten, sowie nicht nur mental ständig hin und her stöckelnd zwischen Gesundheitsreform, dem Erhalt der Finca auf Mallorca und den Geschäften mit dem Pharmavertreter, bei denen ein Karibikurlaub als Anreiz winkte..

In dieser abgedrehten Arztpraxis wurde Montageschaum aus den Ohren vom Elektriker Karl Sommerfeld gepuhlt. Simulantin Eleonore von Himmelsberg lebte ihre sexuellen Annäherungsversuche gegenüber dem Doktor von der Untersuchungsliege aus, und war auch reichlichem Sektgenuss und erweiterten Männerkontakt nicht abgeneigt. Das Muttersöhnchen Dr. Wuschnik erhielt hinter dem halbdurchsichtigen Vorhang eine Spezialmassage von dem als rothaarige Krankenschwester verkleideten Malermeister Markus.

Hüllen fallen

Es fielen also reichlich die Hüllen während der Vorstellung und speziell das weibliche Publikum bekam diesmal zur Genüge nackte Männerbauchhaut und weiße Reizwäsche zum Begutachten zu sehen. Hinzu kamen ein paar Klischees über die Bevorzugung von Privatpatienten, den Geschäftspraktiken der Pharmaindustrie, Erschleichung von Versicherungsleistungen und ein Kastrationsanliegen, das eigentlich in eine Tierarztpraxis gehört hätte.

Der genaue Verlauf der Handlung jedoch war bei diesem Schwank von Bernd Gombold eigentliche gar nicht so wichtig. Die Schmittenhöher punkteten diesmal vielmehr durch ihre in sämtlichen Rollenbesetzungen durchweg sehenswerten darstellerischen Leistungen, einer Regiearbeit mit viel erfrischendem Detailhumor in den einzelnen Szenen, durch keinesfalls zu wenig Textilfreiheit und natürlich mit einem Happyend, das ein bestens unterhaltenes Publikum dann nach einer rundum gelungenen Vorstellung in die Nacht entließ. Diese Männerbauchparade ist für Freunde des ausgelassenen und unbekümmerten Volkstheaters wirklich sehenswert und lässt die Lachmuskeln selten nur zur Ruhe kommen.

Es gehört zur Tradition bei der Theatergruppe Schmittenhöhe, nach dem Schlussapplaus noch langjährige Mitspieler zu ehren. In diesem Jahr wurden Heike Krämer-Lehwark für ihre 20-jährige sowie Holger Guschmann für 25-jährige Mitgliedschaft in der humorvollen Schauspielertruppe ausgezeichnet.


Weitere Aufführungen

sind noch von Dienstag, 20. März, bis Freitag, 23. März, jeweils ab 19.30 Uhr im Kino Universum zu sehen. Karten gibt es im Vorverkauf in der Fleischerei Eichmann in Bramsche, in der Johannis-Apotheke Engter und im Kino Universum. Telefonische Vorbestellungen und Informationen bei Irmhild Pösse, Telefon 05495 407.