Engagierte Wortgefechte Bramscher Gymnasiasten debattieren in Hannover

:Im Niedersächsischen Landtag:  die Debattanten und Juroren des Regionalverbunds Ems-Hase-Vechte. Foto: Greselius-Gymnasium Bramsche:Im Niedersächsischen Landtag: die Debattanten und Juroren des Regionalverbunds Ems-Hase-Vechte. Foto: Greselius-Gymnasium Bramsche

Bramsche. Schon mit 15 Jahren im niedersächsischen Landtag debattiert zu haben, das können nicht viele von sich behaupten. Nils Middendorf und Lotta Brüggemann vom Greselius-Gymnasium gehören zu den wenigen.

Am Dienstag, 13. März 2018 vertraten sie den Regionalverbund Ems-Hase-Vechte beim Landesentscheid „Jugend debattiert“ in Hannover und lieferten sich mit rund 50 anderen Jugendlichen der Sekundarstufe I aus ganz Niedersachsen engagierte Wortgefechte.

„Sprache ist eine Waffe, haltet sie scharf!“ Mit diesem Appell des Dichters Kurt Tucholsky eröffnete Landtagspräsidentin Gabriele Andretta die Großveranstaltung im Interims-Plenarsaal die Bedeutung des Wettbewerbs „Jugend debattiert“. Die Anwesenden seien genau dieser Aufforderung gefolgt und hätten in ihren Klassen, Schulen und Regionalverbünden an ihren Sprachfertigkeiten gefeilt. Andretta betonte, wie notwendig es angesichts der aktuellen politischen Situation sei, die Sprache im politischen Diskurs klar für die Demokratie erheben. „Jeder Debattant lernt, für seine Meinung einzustehen und auch, dass es immer Gegenargumente gibt“, ergänzte der Landesbeauftragte für „Jugend debattiert“ Matin Vollrath.

Mit solchen Gegenargumenten mussten sich auch Lotta und Nils auseinandersetzen. In der ersten Debatte ging es für sie um die Frage nach verpflichtenden Fahrradschildern. Einig waren sich Pro- und Contra-Redner schnell darin, dass Rad- Rowdys dadurch identifizierbar gemacht werden sollten. Doch ob diese Maßnahme wirklich nachhaltig das Problem lösen kann, blieb strittig. Auch bei der zweiten Debattenfrage „Soll der Wildschwein-Bestand in Deutschland drastisch reduziert werden?“ kamen die Streitparteien zwar darin überein, dass es bald zu viele Wildschweine gibt, die der Landwirtschaft schadeten und die Afrikanische Schweinepest übertragen könnten. Doch uneins waren sie sich, mit welchen Maßnahmen diesen Problemen am besten zu begegnen sei.

Intensive Recherche nötig

Um diese Fragen sinnvoll debattieren zu können, war eine intensive Recherche notwendig. Alle Regionalsieger erhielten die Themen zehn Tage vor dem Wettbewerb. Und dann begann die „heiße Phase“: Wikipedia, Google u.a. wurden zu Rate gezogen, Zeitungsartikel studiert und Experten befragt. „Vor allem die Eröffnungsreden müssen vor dem Wettbewerb stehen“, weiß Nils aus Erfahrung. „Denn wenn ich auf der Pro-1-Position debattieren muss, hängt die ganze Debatte davon ab, welche Maßnahme ich vorschlage, um das Problem zu lösen.“ Damit die Chancen für alle gleich sind, werden die Positionen erst im Wettbewerb zugelost.

Doch bei „Jugend debattiert“ ist nicht nur Sachkenntnis vonnöten. Ein guter Ausdruck, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft sind ebenfalls gefordert. Lotta und Nils trainierten dies erst kürzlich mit professionellen Rhetoriktrainern bei einem Seminar für die Regionalsieger.

„Wir freuen uns in jedem Jahr über das Engagement vieler unserer Schülerinnen und Schüler beim Wettbewerb“, unterstreicht Melanie Gehricke vom Greselius-Gymnasium. Denn dieser große Einsatz „lohne“ sich für jeden persönlich, unabhängig vom Wettbewerbsergebnis. Das sehen Lotta und Nils ähnlich. Sie durften in Hannover zwar nicht mehr in der Finalrunde debattieren, haben aber von den Vorbereitungen stark persönlich profitiert. „Wenn in der Klasse etwas debattiert werden muss, schicken sie jetzt immer mich los“, erzählt Lotta.

Für die beiden ist klar: 2019 wird auf jeden Fall wieder mitdebattiert. (Rita Cremering)