Zwischen allen Stühlen Vocal Recall verzetteln sich im Bramscher Universum

Von Sascha Knapek

: Facettenreich, aber nicht immer treffsicher (von links): Dieter Behrens, Alice Köfer und Bernhard Leube. Foto: Sascha Knapek: Facettenreich, aber nicht immer treffsicher (von links): Dieter Behrens, Alice Köfer und Bernhard Leube. Foto: Sascha Knapek

Bramsche. Eine künstlerisch große Bandbreite ist nichts Schlechtes. Bei zu vielen Baustellen ist die Gefahr, sich im selbst gewählten Dickicht zu verirren, jedoch groß. Das müssen auch Vocal Recall bei ihrem Auftritt im Bramscher Filmtheater Universum erkennen.

Jazz-Quartett, Kabarett, A-Cappella-Formation oder doch etwas ganz anderes? Dass sich Vocal Recall in ihrer künstlerischen Vielfalt selbst nicht so ganz sicher sind, wohin die Reise hingehen soll, machen sie gleich zum Auftakt deutlich. Aufgefallen wäre es im Verlauf des stellenweise zähen Abends sowieso. Zu anstrengend ist das ständige Hin und Her auf der Bühne.

Was Vocal Recall am besten können, sind Lieder. Von denen gibt es im Universum einige. Die Pausen dazwischen sind allerdings oftmals zu lang und nehmen den Fuß unnötig vom Gas. Mit ihrem klamaukigen Geplänkel zwischen den Gesangseinlagen tun sich Alice Köfer, Dieter Behrens und Bernhard Leube keinen Gefallen. Im besten Fall geraten die komödiantischen Abstecher zu witzigen Intros des nächsten, von Pianist Matthias Behrsing begleiteten, Songs. Zu oft sind die Witze aber so flach, dass man sich fragt, ob der direkte Weg zu einem weiteren umgedichteten Hit nicht zielführender gewesen wäre.

„In Schubladen herrscht Finsternis“

„Denkt nicht in Schubladen, denn in Schubladen herrscht Finsternis“, verkünden Vocal Recall an einer Stelle. Recht haben sie. Nur zum Dogma sollte man die Scheuklappenfreiheit auch nicht machen. Unwitzige Gedichte oder schon etliche Male dagewesener Denglisch-Humor („allbetterknower“) stehen witzigen Songs wie der bissigen Abrechnung „Scheissmusik“ gegenüber.

Wie gesagt, bei den Liedern macht das im Rampenlicht stehende Trio noch die beste Figur. Scharfkantiger Humor blitzt bei einem politischen Stück über die Berliner Flughafensituation auf. Eine Nummer über das Thema Steuererklärung ist dann aber genauso spannend, wie man sie sich vorstellt. Lustigen und hintergründigen Höhepunkten folgen zu oft bemühte Rohrkrepierer. Da helfen auch die durchaus vorhandenen Sympathiepunkte der weiblichen Berliner Schnauze und ihrer singenden Kompagnons wenig.

Es bleibt festzustellen, dass Vocal Recall bei ihren umgedichteten A-Cappella-Coverversionen durchaus Bandbreite beweisen. Dennoch kommt die Frage auf, was die Formation ohne Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“ oder Andreas Bouranis „Ein Hoch auf uns“ machen würde. Die Fischer-Nummer, an der sich sowieso jeder F-Komödiant seit Jahren abarbeitet, taucht im Vocal-Recall-Programm gleich etliche Male auf. Ähnlich ist es mit Bouranis WM-Gedudel, das nicht nur ein Mal als musikalischer Hintergrund dient. Wenn die Vorlagenauswahl mitunter nicht gerade originell ist, muss der Text umso treffsicherer daherkommen. Das ist bei Vocal Recall leider zu selten der Fall, um ins Schwärmen zu geraten.