Sanieren oder schließen? Freibad Ueffeln: Grundsatzentscheidung im Oktober

Von Heiner Beinke


Ueffeln. Am 25. Oktober 2018 will der Aufsichtsrat der Stadtwerke Bramsche eine Grundsatzentscheidung fällen, ob das Freibad Ueffeln saniert oder geschlossen wird. Diesen Termin gab Geschäftsführer Jürgen Brüggemann am Mittwochabend bei der öffentlichen Vorstellung des technischen Gutachtens zum Freibad bekannt. Vor geschätzt über 200 Zuhörern machte Bürgermeister Heiner Pahlmann deutlich, dass die Zukunft des Bades am Ende politisch entschieden werde.

Die Sitzgelegenheiten in der Schützenhalle reichten bei weitem nicht aus, um allen Besuchern Platz zu geben. Viele Bürger, nicht nur aus Ueffeln, dokumentierten mit ihrer Teilnahme ihr Interesse am Erhalt des Bades. Das machten auch viele Wortmeldungen deutlich. Um eine inhaltliche Diskussion ging es an diesem Abend allerdings nicht: Im Mittelpunkt stand die Beschreibung des Istzustandes sowie die Möglichkeiten und Kosten einer Sanierung.

Besichtigung

Begonnen hatte die gemeinsame Veranstaltung für den Aufsichtsrat der Stadtwerke, den Ortsrat Ueffeln sowie die beiden Ratsausschüsse für Stadtentwicklung und Umwelt und den für Soziales und Sport mit einer Besichtigung des Freibades. Frank Schulte, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke, erläuterte die Probleme im Zusammenhang mit dem Becken, Bäderchef Jörg Kampmeyer demonstrierte im Technikraum die Schwächen der Wasseraufbereitungstechnik.

Dringender Handlungsbedarf

Allen Besuchern ist dabei klar geworden: Hier muss dringend etwas passieren. Der Beckenkopf als Verbindung zwischen Umlauf und Beckenwand mit der Überlaufkante und dem Rinnensystem zur Abführung des Schwallwassers ist komplett brüchig. Und außerdem noch viel zu klein, wie Schulte verdeutlichte: Nach heutigem Stand der Technik funktioniere der Wasseraustausch in einem Schwimmbecken so, dass 100 Prozent des zu reinigenden Wassers als Schwallwasser über dieses Rinnensystem laufen. In Ueffeln funktioniert der Austausch noch zu einem großen Teil über den Boden. Außerdem funktioniere die Durchströmung nicht richtig, erklärte Schulte. „Das reicht nicht mehr aus, um die erforderlichen Werte einzuhalten“, fügte er hinzu.

Weitere Gutachten

Wie es um die Beschaffenheit des eigentlichen Beckens bestellt ist, soll ein Betongutachten klären. Noch allerdings ist das Becken zum Schutz vor Frostschäden mit Wasser gefüllt. Die erforderlichen Bohrungen sollen spätestens im April erfolgen. Nachteilig sei auch, dass das Wasser über vier Meter Höhenunterschied zum Technikhaus hochgepumpt werden muss. Dies koste viel teure Energie.

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Im Technikhaus gehen die Probleme dann weiter, wie Bäderchef Jörg Kampmeyer verdeutlichte. Der Filter sei schlicht ein Fall für den Schrott, die Reinigungsleistung insbesondere an schönen Tagen mit vielen Besuchern nicht mehr ausreichend. Kampmeyer machte deutlich, dass allein der Bestandsschutz sicherstelle, dass das Bad so noch betrieben werden könne. Die heute geforderte Reinigungsleistung sei mehr als dreimal so hoch wie das, was die alte Anlage leisten könne.

Was ist zu tun, um das Bad wieder zukunftsfähig zu machen? Mit der Frage beschäftigte sich anschließend im Schützenhaus Jürgen August. Der Osnabrücker Bädertechnik-Chef hat für die Stadtwerke Bramsche das technische Gutachten erstellt. Auch er betonte den „unmittelbaren Handlungsbedarf“, weil der jetzige Zustand mit „großen Betreiberrisiken“ verbunden sei. Eckpunkte der Sanierung: ein neues Technikhaus, komplett neue Leitungssysteme und zwei neue Edelstahlbecken als Ersatz für das jetzige Hauptbecken und das Planschbecken.

Vorteil Edelstahl

Sehr deutlich sprach sich der Experte für Edelstahl und gegen eine Folienlösung aus. Die sei zwar in der Anschaffung etwas günstiger, halte aber maximal 20 Jahre, „wenn man Glück hat und keine Vandalismusschäden vorkommen“. Ein Riss in der Folie bedeute jedesmal, dass das komplette Wasser abgelassen und der Riss verschweißt werden müsse. „Mit Edelstahl werden Sie diese Probleme niemals haben“, warb er nachdrücklich für die etwas teurere, aber viel dauerhaftere Lösung.

In seiner Gesamtkostenschätzung von 2,1 Millionen Euro sind dann auch noch kleinere Nebenpositionen wie 100.000 Euro für Gartenarbeiten enthalten. In der Diskussion wurde aber deutlich, dass diese Nebenposten nichts an der großen Aufgabe ändern, die bewältigt werden muss-. Heiner Pahlmann bekräftigte, das Verfahren werde bis zur Entscheidungsfindung weiterhin transparent gehalten, die weitere Bürgerbeteiligung sei auf alle Fälle rechtzeitig vorgesehen. Als der Ueffelner Ortsratsherr Laurentius Stuckenberg das Wort von der politischen Entscheidung aufgriff und festhielt, dass alle Mandatsträger für den Erhalt seien, trat Pahlmann allerdings auf die Bremse: Es müsse schon am Ende abgewogen werden, was für die Stadtwerke vernünftigerweise leistbar sei.

Zwiespalt

Den Zwiespalt eines Betreibers hatte Jürgen August dargestellt. Einerseits sei ein Freibad mit maximal 100 Öffnungstagen im Jahr, von denen wiederum höchstens 15 richtig rentabel seien, bei einem Kostendeckungsgrad von 20 Prozent betriebswirtschaftlich „Irrsinn“. Andererseits stellten Bäder wie das in Ueffeln zweifelsohne ein Stück Lebensqualität dar.

Nachbarn beteiligen

Frank Schulte von den Stadtwerken gab Erläuterungen zum Zustand des Beckens.

Mehrfach wurde auch die Frage aufgeworfen, ob sich nicht auch die Nachbarkommunen beteiligen könnten. Während Pahlmann Zweifel äußerte, dass neben guten Worten auch Geld zu erwarten sei, berichte der CDU-Ratsherr Andreas Quebbemann, Vertreter der Samtgemeinde Neuenkirchen hätten sehr wohl auch eine finanzielle Beteiligung in Aussicht gestellt. Gespräche zu dem Thema stehen aber noch aus.


Das Freibad in Ueffeln ist im April 1973 veröffentlicht worden. Es verfügt auf einer Wasserfläche von 500 Quadratmetern über einen Nichtschwimmerbereich und über eine 25-Meter-Bahn. Zusätzlich gibt es ein Becken für Kleinkinder. Ein 1- und 3-Meter-Brett sind vorhanden. Ob das 3-Meter-Brett bei einer Sanierung bleiben dürfte, ist noch ungewiss. Nach aktuellen Normen ist die Wassertiefe zu gering. Das Freibad verfügt zudem über einen Beachvolleyballplatz, einen Kinderspielplatz und einen Fußballplatz.

Über eine Biogasanlage wird das Wasser im Freibad beheizt und hat eine gleichbleibende Temperatur von rund 25 Grad Celsius.