Im Tuchmacher-Museum Feuerwehr-Einsatz für neue Ausstellung in Bramsche

Von Björn Dieckmann

Einsatzende: Nachdem sie das Kissen am Schornstein angebracht hatten, ließen Feuerwehrmann Jörg Reinhardt und der eilends verpflichtete Handwerker als Helfer die Drehleiter wieder gen Erdboden fahren. Foto: Björn DieckmannEinsatzende: Nachdem sie das Kissen am Schornstein angebracht hatten, ließen Feuerwehrmann Jörg Reinhardt und der eilends verpflichtete Handwerker als Helfer die Drehleiter wieder gen Erdboden fahren. Foto: Björn Dieckmann

Bramsche. Feuerwehr-Einsatz am Bramscher Tuchmacher-Museum: Die Brandschützer mussten allerdings nicht ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen, sondern für die am 18. März 2018 beginnende neue Ausstellung ein Kunstwerk in luftiger Höhe anbringen.

Mit der Drehleiter rückten Willi Köpchen und Jörg Reinhardt am Mühlenort an, um eine ganz spezielle Aufgabe zu erledigen: Für die am Sonntag beginnende Ausstellung „… und ein rotes Tuch“ sollten sie dabei helfen, auf einem Schornstein des Tuchmacher-Museums ein großes rotes Kissen zu platzieren. Die Idee dazu hatte Museumsleiterin Kerstin Schumann zusammen mit dem Künstler Reinhard Dasenbrock entwickelt, der für die Ausstellung verantwortlich zeichnet für verschiedene Installationen im Umfeld des Tuchmachers-Museums.

Dass künstlerische Idee und Realität nicht immer konform gehen, mussten Dasenbrock und Schumann allerdings recht zügig feststellen: Das Kissen stellte sich als zu klein heraus, um tatsächlich auf dem Schornstein platziert zu werden. So kam man überein, es oben am Schacht anzubringen. Da Dasenbrock selbst angesichts der knapp 20 mit der Drehleiter zu überwindenden Höhenmeter etwas mulmig war, musste noch in einem weiteren Punkt improvisiert werden: Denn Feuerwehrmann Jörg Reinhardt konnte das Kissen nicht alleine anbringen, sein Kamerad Willi Köpchen konnte die Fahrt nach oben aber auch nicht mit antreten: Denn obwohl die Drehleiter auch aus dem Korb heraus zu bedienen ist, muss immer auch ein Feuerwehrmann am Steuerungspult am Fahrzeug verbleiben.

Findige Feuerwehrleute

Vorschrift ist Vorschrift – doch Feuerwehrleute sind eben auch findige Menschen: Köpchen verpflichtete kurzerhand einen gerade am Tuchmacher-Museum tätigen Handwerker, der sich sodann mehr oder weniger freiwillig mit Reinhardt in der Drehleiter an die Spitze des Schornsteinschachts fahren ließ. Das Anbringen des Kunstwerks ging dann bald schneller als die Vorbereitung. Und Künstler und Museumsleiterin waren zufrieden: „Es sieht jetzt fast so aus, als wenn Frau Holle ihre Kissen ausschüttelt“, meinte Schumann.

Das Kissen ist eines von mehreren Objekten, das Reinhard Dasenbrock für die neue Ausstellung im Umfeld des Tuchmacher-Museums installiert. Und dass es rot ist, ist natürlich auch kein Zufall: Das Bramscher Rot hat schließlich eine große Bedeutung für die Bramscher Tuchmacher und spielt in der Ausstellung „... und ein rotes Tuch“ eine dominante Rolle. „Dieses Rot beschäftigt mich seit meiner Kindheit“, sagt der in Bramsche aufgewachsene Künstler. „Als Schüler habe ich in einer Bramscher Weberei gearbeitet und wurde hier schon mit dem Rot konfrontiert. Die großen roten Stoffbahnen haben unvergessliche Eindrücke bei mir hinterlassen.“

Alle Objekte der Ausstellung im näheren Umfeld des Museums sind rot. Rote Segel am Ufer der Hase, rote Fische schweben über dem Hase-Kolk und eine rote Boje weist den Weg. Eine Klanginstallation auf dem Mühlstein begrüßt die Besucher. „Spitzen der Gesellschaft“, Betondreiecke mit roten Stahlspitzen erobern den Boden des Innenhofs und lehnen sich an die Außenwand des Museums. Der Skulpturenpfad „Nagel und Faden“ führt aus der Innenstadt kommend durch das Pflaster bis zum Tuchmacher-Museum.

Ergänzt werden die Installationen durch Fotografien und Aquarelle des Bildhauers Hubertus „August“ Wallenhorst, der Fotografin Christa Schall sowie der Fotografen Matthias Welp und Hermann Pentermann in der Kornmühle des Museums. Sie haben Reinhard Dasenbrocks Stoff-Installation „Zeitkorrespondenz“ an den Hünengräbern in Jeggen künstlerisch dokumentiert – auch hier leuchtet rotes Tuch.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 18. März 2018, um 11 Uhr eröffnet und ist bis zum 29. April zu sehen.