Serie „Kunde und ich“ Bramscher Standesbeamtin über Versprecher, besondere Momente und falsche Unterschriften

Von Nadine Grunewald

Ulrike Stuckwisch leitet das Bramscher Standesamt. 2010 wechselte sie dorthin und hat seitdem rund 400 Trauungen durchgeführt, unter anderem im Trauzimmer im Rathaus. Foto: Nadine GrunewaldUlrike Stuckwisch leitet das Bramscher Standesamt. 2010 wechselte sie dorthin und hat seitdem rund 400 Trauungen durchgeführt, unter anderem im Trauzimmer im Rathaus. Foto: Nadine Grunewald

Bramsche. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 15: eine Standesbeamtin.

Wer in Bramsche heiraten möchte, der landet bei Ulrike Stuckwisch und ihren Mitarbeitern. Stuckwisch ist die Leiterin des Bramscher Standesamtes. Seit sie vor acht Jahren aus dem Baubereich dorthin gewechselt ist, hat sie rund 400 Trauungen durchgeführt. Im Interview spricht sie über emotionale Momente, abgesagte Trauungen und die spontane Suche nach Trauzeugen im Rathaus.

Was gefällt Ihnen an dem Beruf besonders?

Bei der Größe unseres Standesamtes ist die Arbeit sehr vielfältig. Man ist nicht wie in großen Städten auf einen Bereich spezialisiert. Hier sieht man ausländische Urkunden, beurkundet Geburten, aber auch Sterbefälle. Die Trauung ist aber die schönste Aufgabe. Anfangs habe ich mir schon Gedanken darüber gemacht, ob dem Paar die Trauung gefällt.

Und wie schaffen Sie das?

Ich versuche, die Trauung ein wenig persönlich zu gestalten. Ich frage das Paar nach der eigenen Geschichte und versuche dann, nette Sachen in die Ansprache mit aufzunehmen. Das Ja-Wort abzufragen ist nur eine kurze Angelegenheit.

Hochzeitsfeiern sind in der Vergangenheit immer aufwendiger geworden. Trifft das auch auf die Trauungen im Standesamt zu?

Die Erwartungshaltung ist heute höher als vor Jahrzehnten. Die Trauung wird anders wahrgenommen und ich habe das Gefühl, dass Heiraten wieder „in“ ist. Hochzeit ist allgemein ein größeres Thema geworden, auch weil das Angebot größer ist. Die Gesellschaften sind größer als früher, es kommen viele Freunde und Verwandte und der Trend geht zu festlicher Kleidung.

Welche außergewöhnlichen Wünsche haben Hochzeitspaare?

Manche fragen, ob ein Sänger oder ein Gitarrist dabei sein kann, andere wünschen sich, dass ein Kind die Ringe nach vorne bringt. Es gab auch schon mal Paare, die ihre Ringe an einer Kette hatten, die sie sich gegenseitig umgehängt haben. Was machbar ist, versuchen wir hier auch zu ermöglichen.

Was hat sich mit der Zeit noch verändert?

In der Anfangszeit der Standesämter waren zumeist noch der Bürgermeister oder der Dorfschullehrer ehrenamtlich für Trauungen zuständig. Heute haben Standesbeamte Aufgaben, die durch Beurkundungen denen von Notaren ähnlich sind. Bei den Trauungen dürfen Trauzeugen dabei sein, müssen es aber nicht mehr. Wenn früher spontan geheiratet werden sollte und das Paar keine Trauzeugen dabei hatte, liefen die Kollegen hier durch das Rathaus und haben unter den Mitarbeitern gefragt, wer das übernehmen würde. Auch einen Aushang über die Anmeldung, früher Aufgebot genannt, erfolgt nicht mehr wie es früher der Fall war.

Sind Termine wie der 7.7. noch immer besonders begehrt?

Besondere Daten oder Termine, an denen das Paar einen besonderen Tag hat, sind immer begehrt. Ebenso wie Samstagstrauungen. Die werden immer beliebter, da sollten Interessierte rechtzeitig reservieren. Zur Haupttrauzeit von Mai bis September, Oktober ist es schon schwierig, noch in diesem Jahr einen Termin am Samstag zu bekommen. An anderen Tagen gibt es noch freie Termine. Wir trauen übrigens nur an festgelegten Samstagen.

Ist schon mal eine Trauung kurzfristig geplatzt?

Das ist auch schon mal passiert. Zum Teil haben Paare auch schon die Gebühr für die Trauung bezahlt, das Stammbuch ausgesucht und dieses bezahlt und dann die Hochzeit abgesagt. Da macht man sich schon Gedanken und überlegt, woran das liegen könnte. Aber das fragen wir nicht nach.

Wer ist bei einer Trauung aufgeregter: die Braut, der Bräutigam oder die Angehörigen?

Das ist ganz unterschiedlich. Bei Bräuten merkt man es oft stärker als beim Bräutigam. Die gehen anders damit um. Die Eltern des Brautpaares sind oft auch quirlig und wollen unterstützen oder sich einbringen. Da gibt es oft nette Begegnungen.

Sind Sie selbst auch noch aufgeregt?

Ich würde eher sagen, dass ich ein wenig angespannt bin. Das bleibt. Es ist aber auch gut, wenn die Trauung keine Routine wird. Schließlich ist es immer ein besonderer Moment.

Haben Sie sich schon mal versprochen?

Das ist mir sicherlich auch schon passiert. Das ist menschlich und kann gerade dann passieren, wenn ich es besonders gut machen möchte. Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich in gelangweilte Gesichter schaue. Aber das muss man dann hinnehmen. Mir saß auch schon mal eine Kaugummi kauende Braut gegenüber...

Wie emotional sind Trauungen für Sie?

Es gab mal eine Trauung, bei der der Partner sehr krank war. Das hat mich sehr berührt. Besonders emotional ist es auch, wenn ich Freunden oder Bekannten von mir das Ja-Wort abnehme oder Kindern von Bekannten, die ich habe aufwachsen sehen. Ansonsten gibt es ganz unterschiedliche Gründe. Es berührt mich, wenn ich einen besonderen Draht zu einem Brautpaar habe, wenn sich während der Trauung Tränen lösen oder die Eltern sehr berührt sind.

Gibt es für Sie einen besonderen Moment während einer Trauung?

Wenn sich das Paar das Ja-Wort gibt, beim Brautkuss oder wenn die Ringe getauscht werden und sich beide tief in die Augen schauen.

Haben Braut oder Bräutigam schon mal mit ihrem/seinem alten Namen unterschrieben?

Das ist tatsächlich schon passiert – aufgrund der eigenen Nervosität oder aus Gewohnheit. Ich betone immer noch mal besonders, dass sie mit dem neuen Namen unterschreiben müssen. Es wählen übrigens nur wenige Paare den Namen der Frau. Meist nimmt die Frau den Namen des Mannes an oder beide behalten ihren eigenen Namen.

An welchen besonderen Orten können Paare in Bramsche getraut werden?

Das geht im Tuchmacher Museum und im Kloster Malgarten. Die beiden Orte reichen aus. Es gibt derzeit keine Überlegungen, noch andere zu suchen. Früher konnte hier auch auf einem Schiff geheiratet werden. Das geht heute nicht mehr. Aber natürlich kann auch im Trauzimmer im Rathaus geheiratet werden. Wenn ich woanders bin und Kontakt zu den dortigen Standesbeamten habe, gucke ich mir gerne mal andere Trauzimmer an. Ich muss sagen, dass wir da ganz gut aufgestellt sind.

Kommt es oft vor, dass die Paare die benötigten Unterlagen nicht zusammen haben?

Eigentlich bekommen die meisten alles zusammen. Wir besprechen das ja auch vorher. Wenn ein Partner eine ausländische Staatsangehörigkeit hat, ist es manchmal aber schwierig, die Unterlagen zu bekommen. Manchmal müssen wir auch einen Rechtsanwalt damit beauftragen, im Heimatland überprüfen zu lassen, ob eine Urkunde echt ist. Das kann eine Weile dauern.

Wie viele gleichgeschlechtliche Paare sind in Bramsche seit Oktober 2017 getraut worden?

Bislang waren es sechs. Vier davon haben ihre Lebenspartnerschaft in eine Ehe umtragen lassen.

Gibt es bei den Trauungen Unterschiede zu den Eheschließungen zwischen Mann und Frau?

Außer dass man das Paar zum Ehepaar und nicht zu Mann und Frau erklären kann, nicht. Wenn man sich in seiner Ansprache an verschiedenen Stellen angewöhnt hat, Mann und Frau zu sagen, sollte man besonders darauf achten, nicht das Falsche zu sagen.