Aufführung der „Glücksritter“ Gänsehautmomente bei Theater im Bramscher Bahnhof

Von Judith Perez

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Die Theatergruppe der HpH Bersenbrück zeigte den „Schlagerkoffer“ im Bramscher Bahnhof. Fotos: Judith PerezDie Theatergruppe der HpH Bersenbrück zeigte den „Schlagerkoffer“ im Bramscher Bahnhof. Fotos: Judith Perez

Bramsche. Dreizehn Mitarbeiter der Heilpädagogischen Hilfe (HpH) Bersenbrück haben als Ensemble „Die Glücksritter“ in Kooperation mit der Theaterpädagogischen Werkstatt (tpw) aus Osnabrück das Stück „Schlagerkoffer“ auf die Beine gestellt und im Bramscher Bahnhof aufgeführt.

Große Scheinwerfer erleuchten die Bühne im Bramscher Bahnhof. Der Zuschauerraum ist schwarz. An Wand und Decke verschwimmen verschiedene Farbkreise ineinander, die über verschiedene Flüssigkeiten und einen Overheadprojektor projiziert, entstehen. Als etwa in der Mitte des Stücks alle Schauspieler, zum Teil mit Rollstuhl, auf der Bühne lachend feiern und stimmungsvoll zu Helene Fischers „Atemlos“ tanzen, ist das so eine Szene, in der so mancher Zuschauer gerne mitgetanzt hätte und der Funke wahrlich überspringt.

Regisseurin Heidi Vollprecht sieht genau hier eine große Herausforderung der dreijährigen Arbeit mit den Menschen der HpH, die psychische und zum Teil körperliche Beeinträchtigungen haben. „Ich konnte dieses Helene Fischer-Stück überhaupt nicht leiden“, sagt sie „Aber in unserer Arbeit haben wir kein Stück vorgegeben, sondern die Spieler haben ihre eigene Geschichte entwickelt und ihre eigene Musikauswahl getroffen. Wir haben nur den Rahmen gesetzt. Das Stück ‚Atemlos‘ lieben sie nun mal und nun ist auch meins geworden.“

Es geht meistens um die Liebe

Im Theaterstück „Schlagerkoffer“ sollte es um das Thema Musik gehen. Welche Musik höre ich bei welcher Gelegenheit am liebsten? Bei welcher Musik denke ich an meine Kindheit? Mag ich lieber klassische Musik, Rock oder eher Schlager? Während der Arbeit des Kooperationsprojektes von HpH und Theaterpädagogischer Werkstatt, die durch die Aktion Mensch gefördert wurde, wurde schnell klar, dass es in der Musik meistens um die Liebe gehe, berichtet Projektkoordinatorin Liane Kirchhoff. Es entstanden selbst geschriebene Gedichte und Geschichten, die den roten Faden des Stückes bildeten und über Lautsprecher eingespielt wurden. Sie handelten von verschiedenen Zuständen und Formen der Liebe. Von der Sehnsucht, auf jemanden zu warten, vom Verlassenwerden und vom Liebeskummer danach, von einer geplatzte Verabredung, bei der man allein auf der Parkbank sitzt, und von der Mutter, die jeden Tag liebevoll die Tasche packt. Der rote Schlagerkoffer brachte nach und nach die jeweiligen Lieblingsstücke hervor, indem er sich öffnete und wieder schloss.

Theatergruppe ist Arbeit

Ein halbes Jahr lang sind die Theaterpädagogen Kirchhoff, Vollbrecht und Christian Vox zweimal in der Woche für drei Stunden zur HpH nach Bersenbrück gefahren und haben miteinander gearbeitet. „Während andere in die Metallwerkstatt gehen, sind die dreizehn Schauspielinteressierten in die Theatergruppe gegangen. Es war richtig Arbeit“, betont Kirchhoff. Das wurde von den anderen Mitarbeitern auch als solche respektiert. „Am Abschlusswochenende haben wir um die 25 Stunden geübt, Passagen gestrichen und das Stück weiterentwickelt. Diese vielen Stunden werden den Teilnehmern als Überstunden gut geschrieben“, so die Projektkoordinatorin.

Zum Schluss gab es großen Applaus für die „Glücksritter“.

Zum Schluss bedankten sich die tpw-Mitarbeiter bei den Schauspielern mit einer weißen Rose.


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