NOZ-Serie „Gesund leben!“ Entspannen mit der Volkshochschule in Bramsche

Meine Nachrichten

Um das Thema Bramsche Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Im Kreis sitzend trommeln die Teilnehmerinnen einen einfachen Rhythmus, den Kursleiterin Claudia Hüner (links) vorgibt. Fotos: Hildegard Wekenborg-PlackeIm Kreis sitzend trommeln die Teilnehmerinnen einen einfachen Rhythmus, den Kursleiterin Claudia Hüner (links) vorgibt. Fotos: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Der Themenbereich Gesundheit und Ernährung gehört traditionell zu den Angebotsschwerpunkten der VHS in Bramsche. Besonders gefragt: alles, was sich mit Entspannung und Stressbewältigung im weitesten Sinne beschäftigt. Ein Selbstversuch.

Die warmen Socken, Grundausstattung jedes Yoga-, Tai Chi- oder anderen Entspannungskurses habe ich morgens gleich eingepackt. Extra bequeme Kleidung, die tagsüber noch bürotauglich ist, soll es an diesem Tag sein, denn am Abend steht in der VHS an der Jägerstraße eine kleine Auszeit vom Redaktionsalltag auf dem Programm. Heilpraktikerin Claudia Hüner, die in Bramsche eine eigene Praxis betreibt, weiß, was ihre Teilnehmerinnen brauchen. Ein bisschen Zeit für sich, ein paar Entspannungsübungen, eine Prise Bewegung, ein bisschen Musik und gaaaanz viel Zeit, sich aus dem Alltag auszuklinken. „Das gönn ich mir!“, heißt bezeichnenderweise der VHS-Kurs, zu dem es sich am Montagabend sechs Frauen auf den Matten bequem gemacht haben. Nein, dieses mal sind es sieben plus Kursleiterin, denn ich bin entschlossen, nicht nur zuzuschauen, wie sonst meist, sondern mitzumachen. Etliche Entspannungstechniken sind mir vertraut. Sei es nun autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Fernöstliches, einige bringen mir etwas, andere machen mich eher kribbelig. Auch Yoga ist mir nicht ganz fremd - nur fürs Durchhalten hat es bisher nicht gereicht. Ich lasse es einfach auf mich zukommen.

„Hier kann man einfach mal in verschiedene Dinge reinschnuppern“, sagt Claudia Hüner vor der Stunde. „Jeder (oder besser jede) kann machen, was geht und guttut.“ Beruhigend irgendwie. Die gelernte Krankenschwester breitet mir eine zusätzliche Matte und eine warme Decke auf dem Boden aus. Es kann losgehen.

Eine gewisse Routine

Die sechs Damen haben schon eine gewissen Routine. Trotzdem wackele ich zum Glück nicht als Einzige, als alle zum „Baum“ ansetzen. Für Nicht-Yoga-Praktizierende: Das ist die Übung, bei der man auf einem Bein stehend einen Fuß am Standbein abstützt und die Hände nach oben streckt. Müsste ich eigentlich können, aber ein bisschen schief ist der „Baum“ schon. Ich schiebe es auf den stressigen Bürotag und erspähe aus dem Augenwinkel, dass auch andere ums Gleichgewicht kämpfen. Die Übung soll die Koordination schulen und das Gleichgewicht verbessern. Na ja, bei mir ist da noch Luft nach oben. Vielleicht sollte ich das entsprechende Angebot meines Fitnessstudios ein wenig öfter nutzen. Claudia Hüner beruhigt uns: Hier geht es nicht um Leistung und Perfektion. Sich erden, runterkommen sind die Ziele.

Und deshalb heißt der nächste Kursteil auch „Progressive Muskelentspannung“ (PME) nach Jacobson. In den 1920er Jahren entwickelte der amerikanische Psychologe Edmund Jacobson die Technik, die auf der Erkenntnis vom Zusammenhang zwischen muskulärer Anspannung und körperlichen und seelischen Krankheiten beruht. Gezieltes Anspannen bestimmter Muskelgruppen und ebenso gezieltes Loslassen schaffen einen Zustand tiefer Entspannung. Wir spannen die Hände an, die Arme, Gesicht, Rücken, Bauch, Beine und schließlich die Füße an, lassen nach ein paar tiefen Atemzügen wieder los. Jacobson hatte recht, ich kann das aus Erfahrung bestätigen, nur heute Abend schweifen die Gedanken ab. Aber immerhin bin ich ja auch zur Hälfte dienstlich da.

Trommeln geben den Takt vor

Für den Rest der Stunde hat sich die Heilpraktikerin das Motto „Afrika“ gewählt. Im Kreis nehmen wir auf dem Boden Platz, immer zwei geben auf den Trommeln den Takt vor. „Die Anderen müssen die Oberschenkel nehmen“, fordert Hüner uns auf. „Jambo habariri. Misuni sana“ „Guten Morgen, wie geht‘s? Danke, sehr gut“, heißt das auf Suaheli. Die Kursleiterin gibt eine bestimmte Schlagfolge vor, die wir zu diesem Spruch ein ums andere Mal wiederholen. Die strenge Struktur zwingt zur Konzentration, zum Fokussieren. Gar nicht so einfach, aus der wohligen Entspannung zurückzufinden. Mehrfach wiederholt Hüner diesen Wechsel .zwischen Entspannung und körperlicher beziehungsweise geistiger Anspannung. Klangschalen kommen zum Einsatz (nicht meins), Düfte (absolut), Sinnsprüche (eher nicht) und Klänge (oh ja!) Die eineinhalb Stunden vergehen wie im Flug.

„Jeder entspannt sich auf eine andere Weise, der Eine beim Autogenen Training, der Andere beim Unkrautjäten“, sagt Claudia Hüner, wobei ich mich abgesehen von der PME eigentlich immer zur letzteren Fraktion gezählt habe. Kursteilnehmerin Sinikka Löker findet den Titel „Das gönn ich mir“ sehr treffend. „Ich gehe hin und dann bin ich hier, und zwar nur hier“. Christiane Pabel ergänzt: „Es ist einfach mal eine Auszeit. Ich gehe raus und freue mich schon auf das nächste Mal“.

Auch Yogaübungen gehören zum Kurs „Das gönne ich mir“.

Auf der Matte war es so herrlich gemütlich. Dumm nur, dass noch die nicht ganz so kurze Heimfahrt ansteht. Also: Konzentration statt Träumen. Aber die Ruhe bleibt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN