Urteil des Landgerichts Haftstrafen wegen Überfalls auf Geschäft in Ueffeln

Von Holger Schulze

Meine Nachrichten

Um das Thema Bramsche Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Zu Haftstrafen verurteilt worden sind zwei Männer und eine Frau, die im Sommer 2017 ein Lebensmittelgeschäft in Ueffeln überfallen haben. Das Landgericht ordnete zudem die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Symbolfoto: colourbox.comZu Haftstrafen verurteilt worden sind zwei Männer und eine Frau, die im Sommer 2017 ein Lebensmittelgeschäft in Ueffeln überfallen haben. Das Landgericht ordnete zudem die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Symbolfoto: colourbox.com

Osnabrück/Ueffeln. Mit Freiheitsstrafen von dreieinhalb beziehungsweise fünf Jahren endete ein Prozess gegen drei Angeklagte aus Neuenkirchen/Bramsche, die im vergangenen Sommer ein Lebensmittelgeschäft in Ueffeln überfallen hatten.

Allerdings werden die Verurteilten während dieser Zeit die Chance erhalten, ihre Drogensucht in den Griff zu bekommen. Dem Gutachter folgend ordnete die 15. Große Strafkammer am Landgericht Osnabrück die Unterbringung in einer Entziehungseinrichtung an.

In ihrem Plädoyer sah es die Vertreterin der Staatsanwaltschaft als erwiesen an, dass die drei von Hartdrogen abhängigen Täter, eine Frau und zwei Männer, sich am 24. Juli 2017 gemeinsam zu einem Überfall verabredet hatten, um Geld für Miete, Essen und ihren Drogenerwerb zu erbeuten.

Im Ergebnis kam die Staatsanwältin zu dem Schluss, dass alle drei Angeklagten als Mittäter eines schweren Raubes zu bestrafen sind. Auch wenn die Angeklagte lediglich das Fahrzeug gelenkt hatte und am Überfall selbst nicht direkt beteiligt gewesen war, hätte sie doch einen Mitverursachungsbeitrag gesetzt, war an Handlungen im Vorbereitungsstadium beteiligt und hatte auch ein eigenes Interesse an der Tat gehabt, sodass lediglich eine Beihilfe zum Raub nicht vorliegen würde.

Auch der Annahme eines minderschweren Raubes trat die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer entgegen und begründete dies mit dem Einsatz eines Messers und einer täuschend echt aussehenden Spielzeugpistole. Auch habe der Überfall bei den beiden betagten Geschädigten, den im Geschäft anwesenden Eltern des Inhabers, Angst und Schrecken hinterlassen und der geringe Umfang der Beute sei lediglich ein Zufallsprodukt gewesen.

Insgesamt forderte die Staatsanwältin für die Angeklagte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren, für ihre beiden Mittäter fünfeinhalb Jahre Haft. Aufgrund der bei allen Angeklagten vorhandenen Therapiefähigkeit befürwortete sie die Unterbringung in einer Entziehungseinrichtung.

Verteidiger für mildere Strafen

Als typische Gehilfentätigkeit hingegen wertete der Pflichtverteidiger der Angeklagten deren Tatbeitrag. Ihr Geständnis bereits im Vorfeld des Prozesses, der Umstand, dass die Tat wegen der Drogenabhängigkeit seiner Mandantin als reine Beschaffungskriminalität einzuordnen sei, und deren psychische Schwäche, sich den Forderungen anderer zu widersetzen, ließen den Verteidiger eine Strafe in Höhe von zwei Jahren und acht Monaten sowie die Unterbringung in einer Entziehungseinrichtung beantragen.

Der Pflichtverteidiger des jüngeren Angeklagten würdigte das Tatgeschehen als minderschweren Fall, weil der Schaden geringfügig gewesen und nur eine Spielzeugpistole zu Einsatz gekommen sei. Auch hätte das geschädigte Ehepaar keinerlei Verletzungen oder psychologische Folgen wie Arbeitsunfähigkeit erlitten. Da bei seinem Mandanten nach der Therapie eine langfristige Straffreiheit zu erwarten sei, hielt der Verteidiger eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren für ausreichend.

„Muss jetzt die volle Härte des Gesetzes angewendet werden oder gibt es Umstände, die für einen minderschweren Fall sprechen?“, gab die Pflichtverteidigerin des älteren Angeklagten zu bedenken. Ihr Anliegen war es, „dem Angeklagten noch eine Perspektive zu belassen“. Hierfür entwickelte die Anwältin ein Rechenmodell, das nach erfolgreicher Therapie für ihren Mandanten die Entlassung auf Bewährung möglich machen würde. Sie beantragte deshalb lediglich eine Obergrenze für eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten, da eine Haftsituation nach erfolgreicher Therapie aus ihrer Sicht unproduktiv ausfallen würde.

Das Gericht verurteilte anschließend die Angeklagte wegen schweren Raubes zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb, ihre beiden Mittäter zu jeweils fünf Jahren. Daneben ordnete das Gericht in allen drei Fällen die Unterbringung in einer Entziehungseinrichtung an.

Auf die Angeklagte jedoch kommt in naher Zukunft noch ein weiteres Verfahren zu. Zwei Tage nach dem ersten Prozesstag im jetzt abgeurteilten Fall beging sie mit anderen Mittätern einen fast identischen Überfall auf eine Tankstelle in Osnabrück.


Die mögliche Unterbringung von Angeklagten in einer Entziehungsanstalt ist in § 64 des Strafgesetzbuchs geregelt. Dort heißt es:

Hat eine Person den Hang, alkoholische Getränke oder andere berauschende Mittel im Übermaß zu sich zu nehmen, und wird sie wegen einer rechtswidrigen Tat, die sie im Rausch begangen hat oder die auf ihren Hang zurückgeht, verurteilt oder nur deshalb nicht verurteilt, weil ihre Schuldunfähigkeit erwiesen oder nicht auszuschließen ist, so soll das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt anordnen, wenn die Gefahr besteht, dass sie infolge ihres Hanges erhebliche rechtswidrige Taten begehen wird. Die Anordnung ergeht nur, wenn eine hinreichend konkrete Aussicht besteht, die Person durch die Behandlung in einer Entziehungsanstalt innerhalb der Frist nach § 67d Absatz 1 Satz 1 oder 3 zu heilen oder über eine erhebliche Zeit vor dem Rückfall in den Hang zu bewahren und von der Begehung erheblicher rechtswidriger Taten abzuhalten, die auf ihren Hang zurückgehen.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN