Portrait zum Weltfrauentag Yasemin Özdemir aus Neuenkirchen wuchs mit Plattdeutsch auf

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Yasemin Özdemir lebt mit ihrer großen Familie in Neuenkirchen. Foto: Ilona UphausYasemin Özdemir lebt mit ihrer großen Familie in Neuenkirchen. Foto: Ilona Uphaus

Bramsche/Neuenkirchen-Vörden. Die Vereinten Nationen richten seit 1975 den 8. März als Internationalen Frauentag aus. In vielen Orten finden verschiedene Aktionen statt. Die Bramscher Nachrichten nehmen den Tag zum Anlass, eine starke Frau zu porträtieren: Yasemin Özdemir aus Neuenkirchen-Vörden.

Wenn Yasemin Özdemir an ihre Schulzeit zurückdenkt, fällt ihr ein, wie sie manchmal ausgelacht wurde, weil sie so komisch sprach. Sie ist nämlich mit Plattdeutsch aufgewachsen. Sie erzählt ihre ungewöhnliche Lebensgeschichte.

Anfang der 70er-Jahre machten sich zunächst ihre Mutter, später auch ihr Vater mit einer kleinen Tochter – der acht Jahre älteren Schwester von Yasemin - zur Arbeitssuche nach Deutschland auf. 1978 in Damme geboren kam die zweite Tochter bei einer deutschen Nachbarin in Obhut, weil beide Eltern arbeiten mussten. Yasemin war erst zehn Monate alt, als die Mutter bei einem Autounfall verstarb und ihr Vater schwer verletzt lange Zeit im Krankenhaus verbringen musste. Die Nachbarin „Tante Alma“ wurde für Yasemin und ihre acht Jahre ältere Schwester Emine noch mehr zur Pflegemutter, die mit dem Kleinkind natürlich plattdeutsch sprach. Als der Vater später wieder heiratete, habe „Tante Alma“ sie nicht herausgeben wollen, erzählt Yasemin Özdemir.

Begegnung auf dem Ponymarkt

Auch wenn sich nun eine liebevolle Stiefmutter um sie kümmerte, der Kontakt zu „Tante Alma“ blieb bestehen. Als sie 15 Jahre alt war, verstarb ihre Pflegemutter in ihrem Beisein „in Umarmung“, erinnert sich Yasemin Özdemir mit feuchten Augen. Über ihre eigentlich nicht leichte Kindheit sagt sie: „Das waren schöne Zeiten“. Nach einer Ausbildung zur Restaurantfachfrau in Hunteburg lernte sie auf dem Ponymarkt in Hunteburg einen Mann näher kennen, der in der Nachbarschaft wohnte. Dessen Familie stammte aus Anatolien und lebte sehr traditionell, „ganz anders als wir“, erzählt Yasemin Özdemir. „Das passt nicht“, habe sie damals gedacht. Als er bei ihrem Vater um ihre Hand anhielt, war sie erst 17 Jahre alt. Zu jung zum Heiraten, befand ihr Vater damals. Doch der junge Mann blieb am Ball, sprach zwei Jahre später erneut vor und wurde erhört. Im Jahr 2000 – die junge Frau war 22 Jahre alt – wurde geheiratet. Bei ihrem Mann habe sie dann auch gelernt, perfekt türkisch zu sprechen.

Spontangeburt zu Hause

Es habe „Höhen und Tiefen“ gegeben, berichtet Yasemin Özdemir freimütig, stellt aber fest: „Mir geht es wirklich gut“, was ihr strahlendes Lächeln bestätigt. Zu tun hat sie reichlich. Während ihr Ehemann im Schichtdienst einer Dammer Metallbaufirma arbeitet, versorgt sie den Haushalt mit fünf Kindern im Alter von knapp drei bis 16 Jahren. Das dritte Kind brachte sie zu Hause auf die Welt – „eine Spontangeburt“. Vor vier Jahren kauften sie auf ihren Wunsch hin ein Haus in Neuenkirchen-Vörden. In diesem Ort lebt auch ihre ältere Schwester mit Familie, während die jüngste Schwester in Münster studiert.

Plattdeutsch vorlesen

Besonders stolz ist Yasemin Özdemir darauf, dass sie vor zwei Jahren die Führerscheinprüfung bestand. Mit einem Van ist sie seither unterwegs. Drei Tage in der Woche arbeitet sie außerdem seit einiger Zeit im Kiosk der Clemens-August-Klinik. Sie habe die Abwechslung gebraucht, denn zu Hause „seh ich keine Leute“. So bringt sich die umtriebige junge Frau auch von Anfang an in der Schule ein. Bei den Vorleseaktionen ist sie aktiv und sagt „ich lese noch immer gerne plattdeutsche Texte“. Sie erinnert sich wieder an den Kochunterricht damals. Als sie nach einem „Schläif“ verlangte und kein Kind sie verstand, bis die Lehrerin die lachenden Mitschüler aufklärte, dass es sich um den plattdeutschen Ausdruck für „Suppenkelle“ handelt.


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