23-Jähriger vor Gericht Bramscher Axtmord: Gutachter bezweifeln Aussagen des Angeklagten

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Vor dem Landgericht Osnabrück wird der Bramscher Mordfall verhandelt. Symbolfoto: Michael GründelVor dem Landgericht Osnabrück wird der Bramscher Mordfall verhandelt. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Im Prozess um den Mord an einer 23-Jährigen in Bramsche hatten erneut Sachverständige das Wort. Der Grund: Nach der Aussage des Angeklagten wird seine Version des Tatgeschehens nun von der Schwurgerichtskammer des Landgerichtes Osnabrück auf einen möglichen Wahrheitskern abgeklopft.

Der ebenfalls 23-Jährige hatte am siebten Verhandlungstag sein Schweigen gebrochen. Laut seiner Schilderung hätte seine ehemalige Freundin den Wunsch geäußert, dass man zusammen aus dem Leben gehen sollte. Da sie nicht bei ihrem Selbstmord habe leiden wollen, hätte er sie auf seinen Wunsch töten sollen. Auch die Waffe, eine Axt, soll seine Ex-Freundin vorgeschlagen haben. Allerdings bat ihn die Frau, dass er mit der Tötung warten möge, bis sie eingeschlafen sei.

Der Angeklagte will sich dann die Pulsadern aufgeschnitten haben, sich neben sie in das Bett gelegt haben und bei einer letzten Zigarette eingeschlafen sein. Irgendwann sei er wegen Hitze aufgewacht, habe festgestellt, dass es brenne und versucht, aus der Wohnung am Brückenort zu fliehen. Da die Ex-Freundin aber den Schlüssel in der Wohnungstür abgebrochen hätte, sei ihm nur noch der Fluchtweg mit einem Sprung aus dem Fenster geblieben. Den Sturz überlebte der Angeklagte schwer verletzt.

Sachverständige erneut geladen

Seine Einlassung am siebten Verhandlungstag bedeutete für das Gericht, erneut die Sachverständigen zu laden. Sie sollten ihre bereits erstatteten Gutachten im Licht der Angeklagten-Aussage neu beleuchten. Da die Rahmenbedingungen des Brandes in der Wohnung nicht bestimmbar sind, bleiben zwei Varianten der Flammenentwicklung, sagte der Experte des Kriminaltechnischen Institutes des LKAs. Entweder sei das Feuer erst nach stundenlangem Schwelen – entstanden etwa durch Zigarettenglut – oder sehr rasch durch bewusste Brandlegung eskaliert.

Schaue man auf die kaum vorhandenen Rußspuren beim Angeklagten, fehlende Hitzeschäden an der Kleidung und eine leichte Verbrennung an der rechten Hand, passe das nicht recht zu seiner Schilderung, dass er erst durch die große Hitze aufgewacht sei, so der zweite Sachverständige, ein Rechtsmediziner. Viel eher könne die Verbrennung auf der Hand auch durch das Hantieren mit einer gefundenen Lösungsmittelflasche entstanden sein, die möglicherweise vom Angeklagten als Brandbeschleuniger eingesetzt worden sein könnte.

Mehr als zwei Axthiebe

Mit nur zwei Axthieben will er auf den Kopf der Frau eingeschlagen haben, so die Aussage des Angeklagten. Anders dagegen die Feststellungen des Rechtsmediziners: Bei der Art der Verletzungen müssen mehr als zwei Schläge ausgeführt worden sein. Gestorben wäre die Frau an den Schädelverletzungen, doch dieser Prozess ist durch die Kohlenmonoxidvergiftung infolge der Rauchgase überholt worden, formulierte es der Rechtsmediziner.

Mutter: Meine Tochter hatte Angst

Die Mutter der getöteten Frau schloss aus, dass ihre Tochter einen Tötungswunsch gehegt haben könnte. Nach einer schwierigen Zeit 2014 plus Aufenthalt im Ameos-Klinikum, habe sich ihre Tochter sehr gut entwickelt. „Es ging nur noch bergauf.“ Zwar habe sie noch finanzieller Unterstützung bedurft, doch beruflich und privat mit neuer Beziehung in Aussicht, sei es ihrer Tochter sehr gut gegangen. Öfter habe die Tochter mit ihr über die Trennung vom Angeklagten gesprochen. „Sie hatte Angst, dass er sich etwas antun könnte“, so die Mutter.

Der Prozess wird am 23. März um 9 Uhr vor dem Landgericht fortgesetzt.


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