Kirchenvorstandswahlen 2018 18 Jahre Engagement in Ueffeln und in Bramsche

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Schneeweiß leuchtet die Ueffelner St.Marien-Kirche. Die Außenrenovierung im Jahr 2013 fiel in Gert Borcherdings Kirchenvorstandszeit. Fotos: Hildegard Wekenborg-PlackeSchneeweiß leuchtet die Ueffelner St.Marien-Kirche. Die Außenrenovierung im Jahr 2013 fiel in Gert Borcherdings Kirchenvorstandszeit. Fotos: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. .Am 11. März sind 60000 evangelische Christen in den 25 Gemeinden im Kirchenkreis Bramsche aufgerufen, ihre ehrenamtlichen Vertreter in den Gemeinden, die Kirchenvorsteher, zu wählen. Wer kandidiert? Was sind die Beweggründe der „Neuen“? Wie blicken „alte Hasen“ auf ihre Arbeit zurück? Was kann ein Kirchenvorstand überhaupt bewegen? Eine BN-Serie.

Der eine geht, der andere bleibt. Eins haben sie dennoch gemeinsam: Gert Borcherding aus Ueffeln-Balkum und Christoph Wolke aus der Bramscher Gartenstadt sind seit 18 langen Jahren als Kirchenvorsteher in ihren Kirchengemeinden aktiv und entsprechend viel haben sie in diesen Jahren erlebt. Sowohl für den Landwirt und Ortsvorsteher von Balkum und den Postboten aus der Gartenstadt war dabei die Kinderbetreuung eines der Schwerpunktthemen - und das mit durchaus unterschiedlichen Ansätzen. Die Kita in Ueffeln liegt nach wie vor in der Verantwortung des Kirchenvorstandes, die St. Johannisgemeinde hat sich entschlossen, dem Trägerverbund des Kirchenkreises beizutreten.

„Ueffeln bliff ute“

„Ueffeln bliff ute“ (Ueffeln bleibt draußen) ist ein gängiger Spruch im nordwestlichen Bramscher Ortsteil, aber mit „Sturheit“ (Borcherding) hatte die Entscheidung gegen den Trägerverbund wenig bis gar nichts zu tun, erinnert sich Borcherding. „Wir haben erst 2007 die Trägerschaft über den neuen Kindergarten in Ueffeln übernommen. 84 Prozent der Eltern haben sich damals für die evangelische Kirchengemeinde ausgesprochen, weil sie wollten, dass die Entscheidungen vor Ort getroffen werden. Da konnten wir doch nicht ein paar Jahre später wieder einen Rückzieher machen. Das wäre nicht glaubwürdig gewesen“, sagt er. Dass die Entscheidung für den heutigen Standort wegen der räumlichen Begrenztheit wohl nicht so glücklich war, räumt Borcherding, ebenso wie viele damals in Ueffeln politisch Verantwortliche, durchaus ein: „Wir haben mit dem Wachstum einfach so nicht gerechnet “. Seinerzeit ging man im Gegenteil davon aus, den Kindergarten vielleicht einmal als Seniorenwohnungen zu nutzen.

„Ein Gott und der ist für alle da“

Der Kindergarten, in seinem Fall der am Grünen Brink in der Gartenstadt, war vor 18 Jahren ebenfalls der auslösende Faktor für Christoph Wolkes Engagement. Er schmunzelt, denn das ist schon eine etwas spezielle Geschichte. Der junge Vater war Elternvertreter im Kindergarten, als er vom damaligen Pastor der St. Johannis-Gemeinde auf eine KV-Kandidatur angesprochen wurde. Wolke überlegte lange und sagte schließlich „Das kann ich wohl machen“. Drei Wochen später sei der Pastor allerdings etwas kleinlaut zu ihm gekommen: „Das geht doch gar nicht. Du bist doch katholisch.“ Wolke sah da nicht so ein großes Problem. „Wir glauben doch alle an einen Gott und der ist für alle da“, überlegte er, trat zum evangelischen Glauben über und ist seit 18 Jahren im Kirchenvorstand dabei. „Das war alles komplettes Neuland für mich, aber ich hatte einen guten Einarbeiter“, meint er im Rückblick. Während der folgenden Jahre erlebte er ebenso wie Borcherding die rasante Entwicklung im Kita- und Krippenbereich. Im Kindergarten- wie im Bauausschuss des KV begleitet er die Erweiterungen am Grünen Brink und am Standort im Sande. Immer wieder muss die Finanzierung nachjustiert, die Pläne überprüft werden. Anders als Ueffeln haben sich die evangelischen Kitas in der Gartenstadt dem Trägerverbund des Kirchenkreises angeschlossen. „Das bringt schon Erleichterungen“, findet Wolke und meint damit besonders die Personalangelegenheiten. Allerdings, so räumt er ein, „die Anbindung an die Gemeinde ist doch weniger geworden“. Dafür bleibt mehr Zeit für die Entwicklung neuer Gottesdiensteformate, um nur ein Beispiel zu nennen.

Butterbrote mitbringen

Anders als der Quereinsteiger Wolke ist der Balkumer Borcherding in das kirchliche Engagement quasi hineingewachsen. Als Mitarbeiter in der evangelischen Jugend waren zu den Treffern auf Kreisebene noch „Butterbrote mitzubringen“, erinnert er sich. Borcherding hielt das nicht ab. In den Folgejahren standen dann die Landwirtschaft, Familie und Kommunalpolitik im Vordergrund, bis er dann sanft gedrängt wurde, für den KV zu kandidieren. Immerhin hatte er im Vorfeld immer wieder plattdeutsche Predigten gehalten. Ein Arbeitsschwerpunkt des langjährigen CDU-Stadtverbandsvorsitzenden war während der drei Wahlperioden das kirchliche Bauwesen - der Kindergarten, die Außenrenovierung der Kirche im Jahr 2013 und erst kürzlich die Einrichtung des Jugendraumes. In Ueffeln sind kirchliches und dörfliches Leben eng verbunden, findet der Balkumer Ortsvorsteher, viel mehr als in städtischen Gemeinden. Unter anderem deshalb fasste der Kirchenvorstand von St. Marien 2014 den damals vielfach belächelten Entschluss, eine junge Pfarrfamilie für St. Marien zu gewinnen. „Denen fällt es einfach leichter, sich zu integrieren“, meint er im Rückblick zufrieden.

Auf Wolkes Dienstfahrzeug sind die Schriftzüge der Sternsinger nicht zu übersehen. Die Ökumene ist dem Kirchenvorsteher von St. Johannis und Postboten wichtig.

Für Borcherding ist am Sonntag Schluss mit der KV-Arbeit. „Ich wollte nicht mit 78 Jahren noch mit dem Klingelbeutel durch die Reihen tapern“, lacht er. „Den Rasen an der Kirche, am Pastorat und auf dem Friedhof mähe ich trotzdem weiter. „Ich kann‘s noch und dann tu ich‘s auch“. Ein Satz, der auch für Christoph Wolke gilt, in diesem Fall aber für die Arbeit im Kirchenvorstand. „Ich muss ja auch noch ein paar Jahre arbeiten“, lacht der Gartenstädter.


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