Anmutige Klangbilder Natalia Ehwald beeindruckt bei Klosterkonzert

Von Christoph Beyer

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Eine anspruchsvolle Auswahl an Stücken präsentierte Pianistin Natalia Ehwald bei ihrem Konzert. Foto: Moritz FrankenbergEine anspruchsvolle Auswahl an Stücken präsentierte Pianistin Natalia Ehwald bei ihrem Konzert. Foto: Moritz Frankenberg

Bramsche. Beseelt und poetisch lauten die Attribute, mit denen Kritiker Natalia Ehwalds Klavierspiel charakterisieren. Mit ihrem Programm „Von Paris nach Wien“ bestritt die junge Pianistin am Sonntag den Auftakt der diesjährigen Malgartener Klosterkonzerte.

Der musikalische Werdegang Natalia Ehwalds liest sich wie eine stringente Erfolgsgeschichte. Schon sehr früh gewann die 1983 in Jena geborene Meisterschülerin von Evgeni Koroliov Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben, etwa beim Grotian-Steinweg-Wettbewerb 1997 in Braunschweig oder 1999 beim Czerny-Wettbewerb in Prag. 2006 errang sie dann den „Prize for Special Creativity“ beim Internationalen Seiler-Wettbewerb in Schweden. Ein solcher Erfolg macht neugierig und wirft die Frage auf, wie sich die mehrfache Stipendiatin ihre musikalischen Interpretationsspielräume aneignet. Mit Stücken von Chopin, Debussy, Ravel und Schubert hatte die Pianistin am Sonntagvormittag in jedem Fall eine anspruchsvolle Auswahl getroffen, welche sie in der mit rund 80 Zuhörern voll besetzten Malgartener Klosterscheune darbot.

Bereits bei den „Danseuses de Delphes“ (Tänzerinnen aus Delphi) und „La fille aux cheveux de lin“ (Das Mädchen mit den Flachshaaren) aus den Préludes von Claude Debussy (1862–1918) zeigte sich die Spezifik ihres Spiels. Weiche Anschläge, die eher wie ein sanftes Streichen der Tasten wirkten und ungewöhnlich feinfühlige Klangbilder kreierten. Damit schien Ehwald der impressionistischen Ästhetik der Préludes in nahezu idealer Weise zu entsprechen. Die dabei zu Gehör gebrachte Emphase und Achtsamkeit sollte für den gesamten Konzertverlauf prägend bleiben und die dargebotenen Werke auf sehr intime Weise erschließen.

Individueller Zugang

Auch bei Frédéric Chopins (1810–1849) Nocturne B-Dur op. 62 Nr. 1 kristallisierte sich Ehwalds individueller Zugang deutlich heraus. Eine Emotionalität, die sich zwar leise, aber nicht minder intensiv ihren Weg bahnte und bei welcher der Nuancenreichtum nie auf Showeffekte und große Gesten zielte, sondern stets, fast schon organisch, in das große Ganze einband. So traten aus der melodischen Linie feine Nebenstimmen und entwickelten sich aus den Begleitharmonien rhythmisch versetzte Melodien.

Zuweilen meinte man, eine Stecknadel fallen hören zu können, so konzentriert schien das Publikum der jungen Pianistin zu lauschen.

Betont anmutig agierte Ehwald auch bei Maurice Ravels (1875–1937) dreisätziger Sonatine fis-Moll. Der lyrisch gestimmte Sonatensatz zu Beginn, gefolgt von einem Menuett mit zart perlenden Läufen, ging schließlich in die schnelleren Passagen des Finales auf, in denen Ehwald nahezu jeder Tonschattierung zu Glanz verhalf. Auch Franz Schuberts (1797–1828) anspruchsvolle Sonate A-Dur D959 interpretierte die Pianistin mit einem reich abgestuften Spiel, das die dunklen Töne des Werks passend zur Geltung brachte und diese dennoch mit einer gewissen Leichtigkeit versah. Der Kohärenz der musikalischen Konstruktion stand dies in keiner Weise entgegen. Die Perspektivenvielfalt und Reflexionstiefe dieses Schubert’schen Spätwerks, das lange Zeit im Schatten der Klaviersonaten Beethovens stand, konnte sie so überzeugend erschließen.


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