Gesamtrahmen 31,5 Millionen Euro LAB Hesepe: Kauf Startschuss für Millioneninvestition

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Die Erstaufnahme erläuterte Alexander Keller den Besuchern (v.l.) Heiner Pahlmann und Guido Pott sowie Klaus Dierker und Wolfgang Söthe. Foto: Heiner BeinkeDie Erstaufnahme erläuterte Alexander Keller den Besuchern (v.l.) Heiner Pahlmann und Guido Pott sowie Klaus Dierker und Wolfgang Söthe. Foto: Heiner Beinke

Hesepe. In der Flüchtlingsunterkunft in Hesepe wird der Vertragsabschluss zum Ankauf der Immobilie durch das Land sehnsüchtig erwartet. Denn der Verkauf ist der Startschuss zu millionenschweren Investitionen in das „Ankunftszentrum Bramsche“, wie diese Dienststelle der Landesaufnahmebehörde aktuell heißt.

Insgesamt wird mit einem Rahmen von 31,5 Millionen Euro für den Kauf und die Investitionen auf dem ehemaligen Kasernengelände geplant. Der SPD-Landtagsabgeordnete Guido Pott nahm das zum Anlass, sich einmal ausführlich in Hesepe umzusehen. LAB-Dienststellenleiter Klaus Dierker schilderte den langen Weg von der krisenhaften Zuspitzung der Verhältnisse in der zweiten Jahreshälfte 2015, als es bei rund 5000 Menschen in der Heseper Unterkunft nur noch um die „Vermeidung von Obdachlosigkeit“ ging, hin zum Aufbau von konzeptionell, personell und räumlich geordneten Strukturen, die die LAB jetzt schaffe. Wesentlicher Bestandteil dabei seien die geplanten Arbeiten am Standort Bramsche-Hesepe, dem neben Fallingbostel einzigen Ankunftszentrum im Land Niedersachsen.

Standards festgeschrieben

Inzwischen hat das Land bauliche Standards für die Unterbringung von Flüchtlingen entwickelt. Die sollen durch die Umbauten auch in Hesepe realisiert werden. Dazu gehört, wie berichtet, der Aufbau eines Aufnahmegebäudes statt des kleinen Pförtnerhauses auch eine Kranken- und Unfallstation, die laut Dierker rund um die Uhr besetzt sein wird. Das gesamte Gelände werde konsequent gegliedert. Bei der Flüchtlingsunterbringung wird unterschieden zwischen dem Ankunftszentrum, dessen Bewohner schon nach kurzer Zeit auf die Kommunen weiterverteilt werden, und einem Bereich für jene Flüchtlinge ohne Bleibeperspektive. Die bleiben bis zu einer endgültigen Entscheidung in der Unterkunft. Dazu gibt es künftig Bereiche für die Verwaltung, für die Kinderbetreuung und für die Erwachsenenbildung samt Freizeiteinrichtungen. Planerisch flankiert wird der funktionsgerechte Umbau der Einrichtung durch die Stadt Bramsche. Die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das gesamte Gelände „läuft“, sagte Bramsches Bürgermeister Heiner Pahlmann, der Pott beim Besuch begleitete.

Auch BaMF in den Startlöchern

Auf die Unterzeichnung des Kaufvertrags zwischen Land und dem Bund warten nicht nur die LAB, sondern auch Wolfgang Söthe und sein Team vom Bandesamt für Migration und Flüchtlinge (BaMF) in Hesepe. Die sind dort derzeit provisorisch überwiegend in Containern untergebracht und hoffen auf Neubauten, wenn die Eigentumsverhältnisse geklärt sind. Denn ein Teil des ehemaligen Kasernengeländes wird auch danach dem Bund gehören. Hier wird dann für das BaMF gebaut. Rund 118 Mitarbeiter, darunter 50 sogenannte Entscheider, hat Söthe in Hesepe. Neuankömmlinge, ie als Asylbewerber anerkannt werden, sollen innerhalb von 48 Stunden auf Kommunen verteilt werden. .

Söthe und Dierker betonen beide, dass die Zusammenarbeit in Hesepe reibungslos funktioniere. Mit der sogenannten „Fast ID“, der Identitätsfeststellung durch Fingerabdruck, könne die Identität der Flüchtlinge sofort zweifelsfrei geklärt und auch mit den Daten des BaMF abgeglichen werden. Leistungsbetrug werde dadurch erschwert, sagt Dierker und erinnert an die chaotischen Zeiten 2015: „Da konnten die uns abziehen, wie sie wollten“, meinte der gelernte Polizeibeamte.

Fingerabdruck

Das Thema Fingerabdruck ist aber auch ein Beispiel für die komplizierte Gemengelage beim Thema Asyl. Viele wehrten sich gegen das Verfahren, „bis wir sagen, wenn wir keinen Finger kriegen, kriegst du nichts“, erklärt Alexander Keller aus der Erstaufnahme-Praxis. Es komme sogar vor, dass Menschen sich die Fingerkuppe verätzten, um so nicht registrierbar zu seien. „Da sind natürlich auch Spitzbuben dabei“, weiß Klaus Dierker. Viele Menschen hätten aber auch einfach Angst, in ihr Heimatland zurück zu müssen.

Eine Herausforderung sieht Dierker vor allem darin, mit den Flüchtlingen umzugehen, die nicht in Deutschland bleiben können. Für die müsse, durch Weiterbildung etwa im handwerklichen Bereich, eine Perspektive für eine Rückkehr in die Heimat geschaffen werden. Viel Arbeit macht laut Dierker auch der „Drehtüreffekt“ bei Flüchtlingen, deren Verfahren nach dem Dublin-Übereinkommen geregelt werden. Die würden dann an das Land zurückverwiesen, in dem sie angekommen sind. „Wir schicken die dann zurück, beispielsweise nach Italien, und zwei, drei Tage später sind sie wieder da“.


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