Kirchenvorstandswahlen 2018 Laien im Kirchenkreis Bramsche zu den Urnen gerufen

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An der Tür des Gemeindehauses von St. Martin werben Plakate und Kandidatenlisten für die Teilnahme an der Kirchen vorstandswahl. Pastorin Stephanie Seger hat zur Ergänzung die Wahlunterlagen mitgebracht. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeAn der Tür des Gemeindehauses von St. Martin werben Plakate und Kandidatenlisten für die Teilnahme an der Kirchen vorstandswahl. Pastorin Stephanie Seger hat zur Ergänzung die Wahlunterlagen mitgebracht. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Am 11. März 2018 sind 60 000 evangelischen Christen in den 25 Gemeinden im Kirchenkreis Bramsche aufgerufen, ihre ehrenamtlichen Vertreter in den Gemeinden, die Kirchenvorsteher, zu wählen. Wer kandidiert? Was sind die Beweggründe der „Neuen“? Wie blicken „alte Hasen“ auf ihre Arbeit zurück? Was kann ein Kirchenvorstand überhaupt bewegen? Eine BN-Serie.

„Kirche mit mir“ - wirbt die evangelische Kirche in Niedersachsen auf ihrer Internetseite für die Teilnahme an den Kirchenvorstandswahlen am kommenden Wochenende. Jeder kann mitmachen, soll das heißen, sei es, indem er sich aufstellen lässt oder selbst zur Wahl geht. Zu kandidieren ist ab 18 Jahren möglich, wählen dürfen zumindest in der Landeskirche Hannover, zu der auch der Kirchenkreis Bramsche gehört, schon die Jugendlichen ab 14 Jahren. Aber welche Einwirkungsmöglichkeiten hat das Gremium in den Gemeinden überhaupt? „Sehr umfangreiche“, meinen die beiden Pastoren Markus Unterderweide (St. Johannis, Gartenstadt) und Michael Grimmsmann (St. Marien Ueffeln). Qua Amtes gehören sie zwar den Kirchenvorständen ihrer Gemeinden ebenfalls an, aber die eigentliche Verantwortung liege hier bei den Laien. „Unser Part ist die Seelsorge und die Verkündigung“, erklärt Unterderweide. Wenn es allerdings um Bauprojekte oder die Instandhaltung von Gebäuden angehe, seien die Ehrenamtlichen am Zug. Der Kirchenvorstand übernimmt Personalverantwortung, beschließt unter anderem über Einstellungen von Gemeindeangestellten oder, wenn die Gemeinde selbst noch Träger ist, über die Leitung von Kindertagesstätten und letztendlich sogar über die Berufung eines neuen Pastors. Außerdem fällt die Planung und Terminierung von Gottesdiensten in seinen Zuständigkeitsbereich ebenso wie die Verwaltung kirchlicher oder Gemeindestiftungen.

Apropos Kindertagesstätten: „In Ueffeln ist es noch wie früher“, schmunzelt Grimmsmann. Ueffeln gehört dem Trägerverbund für die Kindertagesstätten im Kirchenkreis nicht an. Hier hat der KV noch ein gewichtiges Wort mitzureden, beispielsweise, wenn es um den Bau einer neuen Krippe in Bramsches nordwestlichem Stadtteil geht. „Wir hatten seinerzeit zehn Bewerbungen um die Kindergartenleitung“, erzählt Grimmsmann. „Entschieden hat dann der Kirchenvorstand“. In etlichen anderen Gemeinden, wie eben in der Gartenstadtgemeinde, ist das nicht mehr so. Unterderweide sieht das allerdings eher positiv. „Wir haben ein viel freieres Miteinander gefunden, jetzt wo wir nicht mehr Dienstvorgesetzte sind.“

Entscheidungen, die „das Dorf prägen“

Die Verwaltung der Gemeindefinanzen gehört zu den Aufgaben des Kirchenvorstandes. „Ohne ihn hätte es beispielsweise den Jugendraum in Ueffeln nicht gegeben“, nennt Grimmsmann ein Beispiel. Umgestaltungen des Friedhofs oder Renovierungsarbeiten an den Kirchen gehören ebenfalls dazu. „Der Kirchenvorstand entscheidet über sehr viel, was das Dorf prägt“, fasst der Ueffelner Pastor zusammen. Die Pastorin/der Pastor hat hierbei, wie in allen Bereichen, nur eine Stimme. Ein Einspruchsrecht kommt ihm lediglich zu bei Verstößen gegen geltendes Recht oder das Selbstverständnis der Kirche zu.

In den meisten Kirchenvorständen gibt es „Spezialisten“, Mitglieder, die sich zum Beispiel wegen ihres beruflichen Hintergrundes oder persönlicher Interessen, zu bestimmten Themen besonders hingezogen fühlen. Um zusätzlichen Sachverstand in die Gremien zu holen, gibt es neben den Wahlen die Möglichkeit, weitere KV-Mitglieder zu berufen. Das Zahlenverhältnis ist flexibel, allerdings müssen die gewählten Mitglieder immer klar die Mehrheit haben. Rechtlich sind gewählte und berufene Mitglieder gleichgestellt.

Über Bewerbungen entscheiden

Für immens wichtig halten die beiden Hauptamtlichen die Rolle der Kirchenvertreter bei der Besetzung der Pfarrstellen. Es ist am Kirchenvorstand, dafür zu sorgen, dass die Stellen besetzt werden. Über den Tisch des KV gehen die Bewerbungen, der KV prüft, wer zur Gemeinde passt und er ist in Zeiten des Nachwuchsmangels auch dafür verantwortlich, die ausgeschriebene Stelle attraktiv zu gestalten und das Profil der Gemeinde zu schärfen. „Wenn der Kirchenvorstand in Ueffeln sich seinerzeit nicht ausdrücklich dafür ausgesprochen hätte, auch Berufsanfänger zu nehmen, dann wären Grimmsmann heute nicht da“, lacht der junge Pastor.

Nicht zuletzt gebe es auch Einwirkungsmöglichkeiten in überregionalem Rahmen“, verweist Unterderweide auf die Mitarbeit im Kirchenkreistag und dessen Fachausschüssen. „Es ist wirklich ein Ehrenamt mit vielen Ressourcen“


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