Verpatztes Bauprojekt Traumhaus in Hesepe wird zum Albtraum

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Geplatzter Traum: Goswin Kotte vor seinem stillgelegten Hausbau in Hesepe. Foto: Heiner BeinkeGeplatzter Traum: Goswin Kotte vor seinem stillgelegten Hausbau in Hesepe. Foto: Heiner Beinke

Hesepe. Der Traum vom eigenen Heim ist für Goswin Kotte aus Epe ein Albtraum geworden. Ein Heuerhaus an der Bramscher Straße in Hesepe hatte er umbauen wollen. Doch er hatte seine Rechnung ohne die Genehmigungsbehörden gemacht. Die Geschichte eines verpatzten Bauprojektes.

Im Oktober 2016 hat der Landkreis Osnabrück als Genehmigungsbehörde die Stillegung verfügt. Seitdem wundern sich vorbeifahrende Autofahrer über die Bauruine kurz vor den Bahnschranken. Kotte kann, wie er selber sagt, „nur noch um Gnade bitten“. Er findet die Sanktion gegen ihn zu hart: „Ich bin doch kein Verbrecher.“ Es müsse doch, gegebenenfalls über ein Bußgeld, eine Möglichkeit geben, dass er weitermachen könne, sagt Kotte, der sich an unsere Redaktion gewandt hat. Er sei „da wohl ein bisschen blauäugig rangegangen“, räumt die Fachkraft für Lagerlogistik ein.

Kreis sieht keine Lösung

Diese Darstellung finden Vertreter der Stadt Bramsche und des Landkreises, die sich mehrfach mit dem Fall befasst haben, arg geschönt. Und Hoffnung machen sie ihm schon einmal gar nicht: Er sehe „keine Lösung für das Problem“, das sich der Bauherr „allerdings selbst gesucht hat. Spätestens nach der Anhörung im August (2016, die Redaktion) hätte er wissen müssen, dass es nicht zielführend ist, ohne Behördenbeteiligung drauflos zu bauen,“ kommentiert der Pressesprecher des Landkreises Osnabrück, Burkhard Riepenhoff, den Vorgang. „Das Buch ist zu“, ergänzt lapidar Bramsches Bürgermeister Heiner Pahlmann.

Weiterlesen: Stadt verteidigt Mangel an Bauplätzen in Bramsche

So erzählt Goswin Kotte seine Baugeschichte: Im Jahr 2015 habe er das alte Heuerhaus zwischen Düpteweg und Bramscher Straße günstig erwerben können. Er habe es für sich und seine Frau nutzen wollen, „Fachwerk und Giebel wollten wir stehen lassen“. Es habe sich aber gezeigt, dass der Dachstuhl teilweise morsch gewesen sei und auch erneuert werden musste. Für all diese Arbeiten habe er ein Unternehmen als Partner gewonnen, auf das er sich ganz verlassen habe. Er sei davon ausgegangen, dass auch alle Genehmigungsfragen Sache des Unternehmers seien. Das weist der Unternehmer allerdings entschieden zurück. Kotte sagt jedenfalls, er sei nach der Stillegung der Baustelle „geschockt“ gewesen.

Kein Bestandsschutz

So stellt sich die Geschichte aus Sicht des Landkreises dar: Es sei mit dem Umbau eines Gebäudes begonnen worden, für den die erforderliche Baugenehmigung fehlte. „Die bereits vollzogenen Eingriffe in die Substanz waren so erheblich, dass der Bestandsschutz für das Gebäude erloschen ist. Ein Weiterbau bzw. Neubau kommt nur nach Erteilung einer Baugenehmigung in Betracht“. Weil das das Grundstück im bauplanungsrechtlichen Außenbereich (siehe Zur Sache) liegt, komme eine derartige Genehmigung für ein „sonstiges Vorhaben“ ohne planungsrechtliche Privilegierung nicht in Betracht. „Eine Lösung für dieses Problem sieht der Landkreis zurzeit nicht.“

„Bauherr trägt Verantwortung“

Bramsches Leitender Baudirektor Hartmut Greife verweist darauf, dass Vertreter des Landkreises „mehrfach vor Ort“ gewesen seien, den Bauherrn aber nie angetroffen hätten. Der habe auch auf Aufforderungen, sich zu melden, nicht reagiert. „Letztendlich trägt er die Verantwortung. Ich sehe auch keine Möglichkeit mehr, das zu heilen. Der Zug ist abgefahren“ sieht Greife keine Möglichkeit zur Wiederaufnahme der Bauarbeiten.

Der Landkreis Osnabrück weist zudem darauf hin, dass schon bei einer ersten Anfrage im Januar 2016 mitgeteilt worden sei, dass es sich um eine „genehmigungsbedürftige Baumaßnahme“ handele. Es wurde darum gebeten, einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Das ist nicht geschehen. Statt dessen stellte der Landkreis im Juli fest, dass mit den Bauarbeiten schon begonnen worden war. Daraufhin wurde der Bauherr gebeten, sich zu dem Fall zu äußern. Auch das geschah nach Kreisangaben nicht.

Bei einem weiteren Ortstermin im Oktober stellten Vertreter es Landkreises fest, dass „von dem ursprünglichen Baukörper so gut wie nichts mehr übrig geblieben ist“. Nun beantragte der Bauherr eine Dachsanierung. Da war allerdings der Bestandschutz längst erloschen, wie Landkreis Osnabrück und Stadt Bramsche übereinstimmend feststellen.


Bauen im Außenbereich

Zum Bauen im Außenbereich sagt der Landkreis: Der Außenbereich soll zuallererst von Bebauung freigehalten werden. Ferner dient er zur Errichtung und zum Betrieb privilegierter Bauvorhaben, z.B. der Landwirtschaft oder der Windenergie. Wohngebäude sind als sonstige Vorhaben nur im Einzelfall zulässig, wenn sie keine öffentlichen Belange beeinträchtigen, wenn sie also z.B. nicht zur Erweiterung oder Verfestigung einer Splittersiedlung führen oder nicht den Darstellungen des Flächennutzungsplanes widersprechen.

Das Thema „Bauen ohne Baugenehmigung“ muss eigentlich „Bauen ohne erforderliche Baugenehmigung“ heißen, da nicht alle Vorhaben genehmigungspflichtig sind. Verantwortlich ist für die Bauaufsichtsbehörde in der Regel der Bauherr bzw. der Grundstückseigentümer. Soweit der Bauherr ein Versäumnis bei seinem Planer sieht, ist dieses zwischen den Betreffenden zivilrechtlich zu klären.

Wird ein Bauvorhaben ohne die erforderliche Baugenehmigung ausgeführt, ist es formell illegal. Erlangt die Bauaufsichtsbehörde hiervon Kenntnis, kann sie die Baustelle stilllegen bzw. die Nutzung untersagen, damit ggf. in einem nachgelagerten Genehmigungsverfahren geprüft werden kann, ob die Baugenehmigung erteilt werden kann. In diesem Fall wird die dreifache Baugebühr für das erhoben, was ohne Genehmigung errichtet wurde, ferner kann ein Bußgeld von bis zu 500.000 Euro verhängt werden.

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