Nadia Nashir berichtet Afghanischer Frauenverein im Bramscher Weltladen

Von Judith Perez

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Die Vorsitzende des Afghanischen Frauenvereins Nadia Nashir (re) stellte im Weltladen ihren Verein und die Situation der Frauen vor. Foto: Judith PerezDie Vorsitzende des Afghanischen Frauenvereins Nadia Nashir (re) stellte im Weltladen ihren Verein und die Situation der Frauen vor. Foto: Judith Perez

jup Bramsche. Für Mädchen in Afghanistan ist es noch immer nicht selbstverständlich, dass sie eine Schule besuchen dürfen. Deshalb setzt sich die gebürtige Afghanin Nadia Nashir seit 25 Jahren für Frauenrechte und insbesondere für den Schulbesuch von Mädchen in ihrem Land ein. In einem Bildvortrag mit anschließender Diskussion erzählte sie am Montagabend im Weltladen von ihrem Land, der Situation der Frauen und dem Afghanischen Frauenverein.

Zusätzliche Stühle mussten herangeschafft werden, so groß war das Interesse. Veranstalterin Claudia Bruning vom Weltladen hatte über einen persönlichen Kontakt die Vereinsgründerin Nashir nach Bramsche geholt. „Für die Frauen und ihre Rechte ging es in den letzten Jahrzehnten stark Auf und Ab“, erzählte Nashir, die im letzten Jahr für ihr Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. „1926 durften Frauen und Mädchen ihre Schleier ablegen und erste Mädchenschulen wurden eingerichtet. 1968 kam das Wahlrecht für Frauen. Dann kamen die Taliban und alles ging wieder zurück. Es herrschte ein totales Schulverbot für Mädchen, Frauen durften nicht zur Arbeit gehen.“

Wenig Geld kommt bei Frauen an

Der Afghanischen Frauenverein, den Nashir 1992 gründete, und der von Osnabrück und Hagen aus seine Arbeit macht, arbeitete heimlich im Verborgenen weiter und gründete Mädchenschulen, berichtete Nashir. Aber auch nachdem die Taliban-Herrschaft 2001 endete, und die internationale Gemeinschaft viel Geld nach Afghanistan brachte, sei davon wenig bei den Frauen angekommen, meint die in Kunduz aufgewachsene Nashir. „Wir hätten nicht gedacht, dass der Verein bis heute seine Berechtigung hat“.

Mädchen bleiben zuhause

Derzeit laufen 13 Schulprojekte. Insgesamt habe der Verein 11.000 Schulbesuche ermöglicht. Viele Projekte liefen im ländlichen Kunduz. Der Schulweg für die Mädchen könne bis zu eineinhalb Stunden lang sein, berichtet sie. „Und er ist sehr gefährlich. Minen, Gewalt bis hin zu Vergewaltigungen sind in Afghanistan alltägliche Gefahren.“ Aber der Wunsch der Mädchen, eine Schule zu besuchen sei enorm und mittlerweile ist das auch in allen Familien akzeptiert“, so die Afghanin. Allerdings lassen die Familien ihre Mädchen ab der Pubertät lieber zu Hause. Auch die mangelnde Bildung der Lehrerinnen, insbesondere in den Fächern Mathe, Physik und Englisch sei ein Problem, so Nashir. Aber mittlerweile kämen gut ausgebildete, studierte Frauen nach.

1968 wurde das Wahlrecht für Frauen in Afghanistan eingeführt. Nadia Karim war dabei.

Wenn am 21. März die Kinder bei uns ihren dritten Osterferientag genießen, beginnt in Afghanistan das neue Schuljahr. Trotz der vielen Gefahren auf dem Weg zur Schule und den ärmlichen Verhältnissen im Land, seien afghanische Frauen sehr stark, so Nashir. „Sie schauen nach vorn und sagen sich ‚so ist das Leben eben‘“.


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