Bramscher Mordprozess Gericht beleuchtet Leben von getöteter junger Frau

Von Stefan Buchholz

Wie kam es zum Tod einer 23-jährigen Bramscherin im Juni 2017? Das wird weiterhin vor dem Landgericht Osnabrück untersucht. Symbolfoto: Michael GründelWie kam es zum Tod einer 23-jährigen Bramscherin im Juni 2017? Das wird weiterhin vor dem Landgericht Osnabrück untersucht. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Wer war die 23-Jährige, die im Sommer 2017 in Bramsche von ihrem Ex-Freund auf angeblich eigenes Verlangen hin getötet worden ist? Ein wenig beleuchtete das eine Zeugenaussage am achten Verhandlungstag im Prozess vor dem Landgericht Osnabrück.

Befragt wurde der ehemalige pädagogische Leiter der Bramscher Berufsbildungsstätte „Die Brücke“. Dort ist man zuständig, jungen Menschen in verschiedenen Berufsbereichen qualifizierende und berufsvorbereitende Angebote zu machen. Bei der Frau habe man schnell festgestellt, dass sie Potenzial für Verwaltungsarbeit gehabt hatte. „Als 2015 die Flüchtlingskrise da war, ist sie in der Organisation der Kleiderkammer weit über sich hinausgewachsen“, sagte er. Die Annahme von Kleiderspenden für die Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber in Hesepe wurde in jener Zeit auf dem Gelände der Berufsbildungsstätte eingerichtet.

Goutiert wurde das Engagement schließlich auch mit einer Arbeitsstelle bei der Registrierung der Geflüchteten in der Landesaufnahmebehörde in Hesepe. Dieser Job war aber nach dem Rückgang der Flüchtlingszahl und dem anschließenden Normalbetrieb im Aufnahmelager von Seiten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge beendet worden. Dafür bekam sie einen Ausbildungsplatz bei der „Brücke“. „Weil sie auch da Topleistung abgeliefert hat, war sie für mich die ideale Nachfolgerin meiner Sekretärin, die nur noch wenige Jahre bis zur Rente hatte“, so der ehemalige Einrichtungsleiter.

Gab es finanzielle Probleme bei der Frau?, fragte der Richter nach. Eigentlich nicht, antwortete der Zeuge. Einmal habe man im Kollegenkreis gesammelt, als es um die Bezahlung einer Kaution gegangen sei. Ein kleiner Personalkredit sei ebenfalls zügig abbezahlt worden. Und: Zum Erwerb des Führerscheins habe sie gut 200 Euro bekommen. „Hat sie denn den Führerschein auch gemacht?“, fragte der Verteidiger des Angeklagten. Das musste der Ex-Chef verneinen. Theoretisch habe sie das zwar gekonnt, doch Fahrstunden hätte sie vor sich hergeschoben.

Nachfragen zum psychischen Zustand

Nachfragen zum psychischen Zustand des späteren Opfers kamen ebenso vom Verteidiger. Dazu sei ihm nichts bekannt, antwortete der Zeuge. Der Hintergrund der Verteidigerfrage: Sein Mandant hatte jüngst ausgesagt, dass die Frau und er gemeinsam aus dem Leben gehen wollten. Seine Ex-Freundin hätte ihn gebeten, sie im Schlaf mit einer Axt zu töten. Für den Verteidiger entfällt damit der Anklagevorwurf des Mordes als Tötung aus Heimtücke.

Als Beleg für das Vorhaben, zusammen zu sterben, soll nach Einlassung des Angeklagten auch eine gemeinsam verfasste Wandinschrift gelten. Derzeit werden Schriftproben der Frau vom LKA untersucht. Führen sie zum Ergebnis, dass die Frau an dem Wandspruch nicht beteiligt war, hat der Verteidiger in Aussicht gestellt, Krankenakten der Frau begutachten zu lassen. Die Getötete war Jahre vor der Tat stationär im Ameos-Klinikum untergebracht, in dem psychische Erkrankungen behandelt werden. Dort hatte sie auch den Angeklagten kennengelernt.

Der Prozess wird am 6. März 2018 um 11 Uhr vor dem Landgericht fortgesetzt.