Erste Hilfe für die Seele Männerfrühstück in Achmer mit Notfallseelsorger

Von Reinhard Fanslau

Notfallseelsorger Pastor Jürgen Kuhlmann bei seinem Referat.Notfallseelsorger Pastor Jürgen Kuhlmann bei seinem Referat.

Achmer. Gut 30 Herren nahmen das Angebot der Friedenskirchengemeinde Achmer an und kamen am Samstagmorgen zum Männerfrühstück ins Gemeindehaus. Direkt im Anschluss an Brötchen, Kaffee und mehr stillte Pastor Jürgen Kuhlmann aus Bersenbrück den Informationshunger der Gäste und trug eine gute Stunde lang aus seinen spannenden Erfahrungen als Notfallseelsorger vor.

Das Männerfrühstück hat sich im Veranstaltungskalender der Gemeinde etabliert und zieht auch Herren aus Nachbarorten an. So war zum wiederholten Mal eine Gruppe von sechs Männern aus Vörden zu Gast. „Wir kommen gerne. Uns gefällt es hier. Es ist schön gemeinsam, unter Männern in einer anderen Umgebung als zu Hause zu frühstücken“, sagte einer der Vördener.

Es sollte eine reine Männerrunde bleiben. Daher verabschiedete sich die Gastgeberin, Pastorin, Stefanie Wöhrle, gleich, nachdem sie alle begrüßt und dem Referenten ein Buchgeschenk überreicht hatte. Gut eine Stunde lang ließen die Männer sich die Köstlichkeiten des liebevoll von Mitarbeiterinnen der Gemeinde zusammengestellten Büfetts schmecken. „Das Mittagessen fällt heute aus“, war ein mehrfach gehörter Satz an diesem Morgen. Dann erzählte Kuhlmann von seiner Tätigkeit als „Koordinator für Notfallseelsorge im Kirchenkreis“, so die genaue Bezeichnung seines ehrenamtlichen Zusatzjobs. Hauptamtlich ist er Pastor der Bersenbrücker Bonnus-Gemeinde.

Nachdem Kuhlmann zunächst den Aufbau und die Organisation der Notfallseelsorge erklärt hatte, kam er auf konkrete Beispiele zu sprechen. Ein typischer Fall sei aus seiner Sicht der folgende: Ein Ehepaar ist gemeinsam im Wohnzimmer. Er sitzt vor dem Aquarium und ist auf einmal nicht mehr zu sehen. Seine Frau entdeckt ihren Mann reglos auf dem Fußboden liegend. Er hat einen Herzanfall. Der Notarzt kommt und reanimiert den Betroffenen, der dann mit dem Krankenwagen abtransportiert wird. Die Frau bleibt zurück und fragt sich: Überlebt er oder stirbt er? In dieser Situation ist der Notfallseelsorger gefragt.

Drei Viertel im häuslichen Umfeld

„Drei Viertel unserer Einsätze passiert in häuslicher Umgebung“, klärt Kuhlmann auf und ergänzt: „Viele Leute denken, dass wir nur bei schweren Unfällen und großen Unglücken eingesetzt werden.“ Letzteres käme natürlich auch vor, hier in der Region erst im August 2017, als in Bohmte-Leckermühle ein Bus mit 50 Erntehelfern schwer verunglückte. Auch werden Kuhlmann und seine Kollegen gebraucht, um mit der Polizei zusammen Todesnachrichten zu überbringen. Weitaus häufiger sind eben die häuslichen Fälle. Das könne von Fall zu sehr krass sein, zum Beispiel wenn Eltern ihr bisher völlig gesundes Baby tot im Bett finden oder wenn ein 12-jähriger Junge sieht, dass sich seine Mutter auf dem Dachboden erhängt hat. „Es gibt kein Patentrezept, das wir den Betroffenen vorschlagen können. Das Wichtigste ist, da zu sein, zuzuhören und zu zeigen: Hier ist jemand, der dich auffangen kann“, sagt Pastor Kuhlmann: „Der Notarzt und die Rettungssanitäter kümmert sich um die medizinische Seite. Wir leisten Erste Hilfe für die Seele.“

Die Herren ließen es sich schmecken. Das Männerfrühstück in der Friedenskirchengemeinde kommt gut an.

Manchmal müssen die Notfallseelsorger selber aufgefangen werden, weil ihr Job psychisch sehr belastend ist. „Dann gibt es immer irgendwo einen Kollegen, dessen Nummer wir wählen und mit ihm sprechen können“, sagt Kuhlmann.