Bramscher Axtmord-Prozess Angeklagter: Wollten gemeinsam aus dem Leben gehen

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Vor dem Landgericht Osnabrück wurde der Mordprozess gegen einen jungen Bramscher fortgesetzt. Er gab nun an, seine ehemalige Lebensgefährtin auf deren Verlangen hin getötet zu haben. Symbolfoto: Michael GründelVor dem Landgericht Osnabrück wurde der Mordprozess gegen einen jungen Bramscher fortgesetzt. Er gab nun an, seine ehemalige Lebensgefährtin auf deren Verlangen hin getötet zu haben. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Wie angekündigt, hat sich der Bramscher Angeklagte im Prozess um den Tod seiner Ex-Freundin nun erstmals zum Mordvorwurf eingelassen. Der Mann gab an, die 23-Jährige auf ihr Verlangen mit einer Axt getötet zu haben.

Hatte der Angeklagte bislang zum Tatvorwurf geschwiegen, brachte ihn der letzte Sachverständigenbericht dazu, seine Haltung zu ändern. Es stimme nicht, dass er Alkoholiker sei, sagte der Angeklagte. Alkohol habe er lediglich gebraucht, um seine Spielsucht zu dämpfen.

Spielsucht

Angetrieben habe ihn der Reiz, seinen fiktiven Charakter im Onlinerollenspiel „World of Warcraft“ so zu optimieren, wie es sein reales Ich im trist erlebten Alltag niemals geschafft hatte. Auch nach seiner Zeit im Ameos-Klinikum – wohin er nach gescheitertem Suizidversuch 2014 verbracht worden war – habe die Spielsucht schnell wieder Oberhand gewonnen. Trotz einer ersten Ausbildungsstelle und einer neuen Freundin – dem späteren Opfer. Die gleichaltrige Frau hatte er im psychiatrischen Krankenhaus kennengelernt.

Beide zogen in eine Wohnung am Brückenort in Bramsche. Immer wieder gab es Streit, wenn der Angeklagte sich zu oft im digitalen Paralleluniversum aufhielt. Die junge Frau beendete schließlich fünf Wochen vor der Tat die Beziehung, auch weil sie einen anderen Mann kennengelernt hatte. „Wir haben ganz ruhig darüber gesprochen“, so der Angeklagte. Aufgrund der Wohnungsnot und weil man sich wie Bruder und Schwester verstanden haben will, beschloss man, weiter zusammen zu wohnen.

Als klar gewesen sei, dass sie eine eigene Wohnung suche, hätte man sich konfliktfrei über die mögliche Aufteilung des Hausrates, finanzielle Aspekte, sogar über das gemeinsame Sorgerecht für den Hund unterhalten. Zuletzt noch am Abend, Stunden vor der Tat, sagte der Angeklagte.

Zunächst hätten sie zwei Bier im Gasthof gegenüber getrunken. Dann habe er sich wieder an den PC zum Spielen gesetzt, Bier und Doppelkorn getrunken und nebenbei mit einer Frau gechattet, mit der er habe anbändeln wollen.

Streit wegen Chat?

Dieser Chatverlauf sei von seiner Ex-Freundin entdeckt worden. „Sie fing an zu weinen und schließlich haben wir uns deswegen auch gestritten.“ Das habe ihn deprimiert, wobei er unter Einfluss von weiterem Schnapses angefangen habe, sich mit einem Cuttermesser zu verletzen.

Daraufhin will er unter die Dusche gegangen sein. „Als ich zurückkam, hatte sie den Hund mit einer Weinflasche erschlagen.“ Sie habe gesagt, man könne doch zu dritt (aus dem Leben) gehen. Ihr Motiv seien auch die angehäuften Schulden gewesen, äußerte sich der Angeklagte, der schließlich in einen gemeinsamen Suizid eingelenkt haben will. Zusammen hätte man noch eine Botschaft an die Wand gemalt, dass man „in Liebe vereint“ nach langem Gespräch den „letzten Weg“ gehen wollte.

Das spätere Opfer habe auch den Schlüssel an der Wohnungstür abgebrochen („damit es für keinen einen Rückzug gibt“) und ihn darum gebeten, sie mit der Axt zu erschlagen. „Sie dachte, das geht am schnellsten, weil sie nicht eine Minute unter Qualen sein wollte.“

Es dauerte aber noch lange, bis sie eingeschlafen sei, berichtete der Angeklagte von den irritierend wirkenden Ereignissen. Zweimal habe er dann zugeschlagen. „ Danach schnitt ich mir dann die Pulsadern auf, um auszubluten, und rauchte eine letzte Zigarette. Ich habe mir den Hund auf meinen Brustkorb gelegt und irgendwann das Bewusstsein verloren.“

Irgendwann sei er wegen der großen Hitze aufgewacht und habe realisiert, dass es brenne. Da der Weg durch die Wohnungstür versperrt war, sei er dann aus dem Fenster gesprungen.

Weitere Untersuchungen

Für das Gericht bleiben nach dieser Einlassung Fragen. Wie etwa stellt sich das Verletzungsbild des Hundes dar? Sind die Verletzungen der Frau durch zwei Schläge plausibel? Der technische und der psychologische Sachverständige nehmen die Aussage des Angeklagten deshalb zur weiteren Grundlage, um sie mit ihren bereits präsentierten Einschätzungen abzugleichen.

Zudem reichte auch der Verteidiger des Angeklagten einen Beweisantrag ein: Geprüft werden soll, von wem die Wandinschrift stammt. „Das erscheint mir hinsichtlich des Tatvorwurfs der Tötung mit Heimtücke wichtig.“

Der Prozess wird am 27. Februar 2018 um 9 Uhr vor dem Landgericht Osnabrück fortgesetzt.


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