Vor Gericht wegen Straftat in Ueffeln Angeklagte begeht nach Prozessbeginn weiteren Überfall

Von Holger Schulze

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Zwei Männer und eine Frau müssen sich derzeit vor dem Landgericht Osnabrück wegen des Überfalls auf ein Lebensmittelgeschäft in Ueffeln verantworten. Symbolfoto: Michael GründelZwei Männer und eine Frau müssen sich derzeit vor dem Landgericht Osnabrück wegen des Überfalls auf ein Lebensmittelgeschäft in Ueffeln verantworten. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück/Ueffeln. Fortgesetzt worden ist der Prozess gegen drei Angeklagte aus Neuenkirchen/Bramsche, die im Sommer 2017 ein Lebensmittelgeschäft in Ueffeln überfallen haben sollen. Der zweite Verhandlungstag begann mit einer Überraschung.

Wie ihre beiden mutmaßlichen Mittäter bereits beim ersten Prozesstag wurde nun auch die Angeklagte in Handfesseln vorgeführt: Nur zwei Tage hatte sie nach dem Prozessauftakt vor der 15. Großen Strafkammer am Landgericht Osnabrück verstreichen lassen, um dann mit drei Komplizen einen bewaffneten Überfall zu begehen, diesmal auf eine Osnabrücker Shell-Tankstelle. So stand beim zweiten und dritten Verhandlungstag nicht nur der Überfall in Ueffeln auf der Tagesordnung. Es wurden zudem weitere Zeugen zum zweiten Verbrechen der Angeklagten gehört.

Zunächst jedoch schilderte ein Polizeibeamter, wie man nach der Tat im Ueffelner Lebensmittelgeschäft dem Trio auf die Spur gekommen war. Zufällig, berichtete der Zeuge, sei man auf der Fahrt zum Tatort dem Fahrzeug der Angeklagten begegnet.

Danach bezeugte der 84-jährige Vater des Ladenbesitzers, er sei bei der Tat, wie seine Frau auch, von einem der beiden Angeklagten mit einer Pistole bedroht worden, die er für echt hielt.

Gutachter empfiehlt Drogentherapien

Ein Gutachter attestierte den beiden männlichen Angeklagten dissoziale Störungen, außerdem eine Abhängigkeit von Betäubungsmitteln, die sich im Laufe von Jahren gesteigert habe. Allerdings hielt der Sachverständige beide Männer trotzdessen für voll schuldfähig.

Da beide Angeklagte therapiewillig seien, schlug das Gutachten eine Langzeittherapie von zwei bis drei Jahren vor, um die Suchtproblematik zu heilen und einem ansonsten weiteren Absturz der Angeklagten auch in die Beschaffungskriminalität vorzubeugen. Dass dies kein Spaziergang sei und bei einem Abbruch mit der vollständigen Vollstreckung der zu erwartenden Freiheitsstrafe gerechnet werden müsse, machte der Gutachter im Termin den Angeklagten nochmals deutlich.

Beim dritten Prozesstag galt dann die gesamte Aufmerksamkeit aller Prozessbeteiligten dem Gutachten über die Angeklagte. Selbstunsicherheit, Ängstlichkeit und weitere emotional instabile Persönlichkeitsmerkmale hatten die Gespräche zwischen Gutachter und Angeklagter ergeben. Der bereits ab dem 16. Lebensjahr beginnende Konsum von Alkohol, später dann von Cannabis, Heroin, Ecstasy und Kokain führte zu einem Abhängigkeitsverhältnis mit Suchtdruck bei der 22-Jährigen. Die Ursachen für den zweiten Überfall kurz nach Prozessbeginn sah der Gutachter „eng mit der Sucht, mit der persönlichen Lebensgeschichte sowie mit der psychischen Ausstattung der Angeklagten verknüpft“.

Er schilderte sie als labil, ausnutz- und beeinflussbar sowie als vertrauensselig. Sie handele leichtsinnig, empfinde danach Schamgefühle und Selbstmitleid mit depressiven Gedanken. Selbstschädigende Handlungen und die Umsetzung suizidaler Impulse hatten zum Lebensweg der Angeklagten gehört. Sie verfüge über kein tragfähiges Durchsetzungs- und Umsetzungsvermögen ihrer Lebenspläne, sei wankelmütig und nicht gefestigt. Der Wunsch nach Anerkennung lasse sie ihre eigenen Bedürfnisse denen anderer Personen unverhältnismäßig leicht unterordnen.

Eine Bewusstseinsstörung bei der Tatbegehung konnte der Gutachter hingegen nicht feststellen. Ferner sei ihre Wahrnehmungsfähigkeit nicht eingeschränkt gewesen und sie hätte durchaus die Möglichkeit zum Ausstieg gehabt.

Da sich die Angeklagte „selbst berechtigt für süchtig hält“, bestehe auch bei ihr die Aussicht, sie im Rahmen einer auf zwei bis drei Jahre anzusetzenden Langzeittherapie von ihrer Sucht zu heilen. Ohne Therapie hingegen schätzte der Gutachter die Wahrscheinlichkeit, dass sie weitere Straftaten begehen werde, für hoch ein und sah mithin die Voraussetzungen für eine Einweisung in eine Entziehungseinrichtung als erfüllt an.

Nach der Beweisaufnahme stehen nun die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und den Verteidigern sowie das Urteil am 6. März 2018 ab 9.30 Uhr in Saal 3 im Saalzentrum der Gerichte an.


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