Graf sieht Branche vor Umwälzungen IHK will Bramscher Handel bei Digitalisierung unterstützen


maa/pm Bramsche. Die Industrie- und Handelskammer will den Einzelhändlern in den Mittelzentren an Ems und Hase in den kommenden Jahren bei der Digitalisierung helfend unter die Arme greifen – darunter auch den Betrieben in Bramsche.

„Mehr als ein Drittel des gesamten Einzelhandelsumsatzes der Region wird in diesen sieben Mittelzentren erwirtschaftet“, stellte IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf bei der Präsentation des neuen Digitalisierungsreportes im Rathaus der Tuchmacherstadt fest: „Dies zeigt, welche Bedeutung diese Städte haben. Deshalb ist es auch so wichtig, sie bei der Digitalisierung des Handels zu unterstützen.“

Allein der Einzelhandel in Bramsche sei im vergangenen Jahr mit einem Gesamtumsatz von rund 196 Millionen Euro notiert worden. Das sei eine durchaus bedeutende Summe, so Graf. Eine Aussage, die auch Bürgermeister Heiner Pahlmann, Stadtmarketing-Leiter Wolfgang Kirchner und Wirtschaftsförderer Klaus Sandhaus unterstrichen.

Bramscher Firmen mit einer Internetpräsenz von 78 Prozent

Fast jedes im Rahmen des Digitalisierungsreportes befragte Einzelhandelsunternehmen in der Region verfüge inzwischen über eine Internetpräsenz (90 Prozent) und sei damit zumindest sichtbar, führte IHK-Hauptgeschäftsführer Graf aus. Dass der Online-Handel im ländlichen Raum tatsächlich angekommen sei, belege auch, dass hierzulande inzwischen nahezu 30 Prozent aller befragten Betriebe über eigene Online-Shops oder andere digitale Vertriebsformen verfüge. Dies gelte auch für Bramsche. Hier werde der Anteil der Firmen mit einer Internetpräsenz mit 78 Prozent notiert, rund ein Drittel verfüge darüber hinaus über Internet-Vertriebskanäle. Auch eine Breitbandversorgung in höheren Bandbreiten (größer als 30 Mbit/s) sei überwiegend gegeben.

Zeitgleich hatte die IHK auch die Nutzungsstruktur und die Belegung der Innenstadt-Immobilien erhoben. Der Handelsbesatz in Bramsche liege dabei bei soliden 57 Prozent, die Leerstandsquote nur bei zwei Prozent.

Viele Betriebe verfügen noch nicht über eine Digitalisierungsstrategie

Die Tuchmacherstadt bleibe damit ein wichtiger Handesstandort im IHK-Bezirk, so Graf, der bei seinen Ausführungen im Rathaus von Anke Schweda und Falk Hassenpflug unterstützt wurde. „Damit die Wichtigkeit bleibt, müssen die Möglichkeiten digitaler Technologien mit den stationären Angeboten intelligent verknüpft werden“, betonte der IHK-Hauptgeschäftsführer. Graf sieht die Branche in den nächsten Jahren vor großen Umwälzungen und enormen Herausforderungen. Denn eine ganze Reihe von Unternehmen verfüge eben noch nicht über eine echte Digitalisierungsstrategie, nur ein kleiner Teil der Betriebe habe ein ausgewiesenes Budget für ausreichende Investitionen in diesem Bereich. „Als größte Hemmnisse wurden von ihnen Zeitmangel, erhöhter Schulungsbedarf sowie rechtliche Unsicherheiten genannt“, erläuterte Graf: „Diese Ergebnisse belegen konkreten Handlungsbedarf.“ Der IHK-Sprecher kündigte an, dass seine Kammer die Digitalisierung des Einzelhandels in der Region in ihrem Projekt „Mittelzentren-Monitor“ aufgreifen werde.

In der Stadt Bramsche setzen Wirtschaftsförderer Klaus Sandhaus und Stadtmarketing-Leiter Wolfgang Kirchner neben einem weiteren Breitbandausbau (schnelleres Internet) vor allem auch auf die Wirkung der gerade erst entwickelten Internetseite www.city-bramsche.de. Hier werde interessierten Einzelhandelsunternehmen aus der Innenstadt eine Plattform geboten, gegen eine Monatsgebühr dauerhaft online für sich zu werben und auf sich aufmerksam zu machen. „Für ein Mittelzentrum sind wir da gut unterwegs“, so Sandhaus. Doch es gelte, nicht nachzulassen.


Die bundesweite Studie „Der deutsche Einzelhandel 2017“ ging dem regionalen Digitalisierungsreport voraus und wurde von der IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim u.a. gemeinsam mit dem Ibi-Research-Institut an der Universität Regensburg sowie 40 anderen Industrie- und Handelskammern durchgeführt. Rund 300 regionale Betriebe von Papenburg bis Melle haben sich dabei an der Untersuchung beteiligt.

Ziel war es, so IHK-Geschäftsführer Marco Graf, zu ermitteln, welche Maßnahmen lokale Unternehmen im Hinblick auf die Digitalisierung beschreiten, um sich im Wettbewerb um Kunden Vorteile zu erarbeiten. Daraus sollen nun vor Ort an Ems und Hase konkrete Handlungsfelder identifiziert werden, so Graf.

Ergänzend habe die IHK dann in den sieben Mittelzentren des Großraumes Osnabrück – neben Bramsche auch Georgsmarienhütte, Lingen, Meppen, Melle, Nordhorn und Quakenbrück – durch Kartierungen und Bestandsaufnahmen den Status der Digitalisierung in den Innenstädten ermittelt.