Neues Angebot im Ganztag Tanz und Kampf an der Bramscher Meyerhofschule

Von Hildegard Wekenborg-Placke


Bramsche. Stundenlang im Unterricht still sitzen ist für Grundschüler nicht einfach. Vielen fehlt einfach die Bewegung. Dem möchte Alice Löhmöller mit „Caydo“, einer Mischung aus Tanz, Kampfsport und Yoga, im Rahmen der Nachmittagsbetreuung an der Meyerhofschule entgegenwirken.

14.45 Uhr, Sporthalle der Meyerhofschule. Etwas über zehn Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse, wuseln durcheinander. Der Geräuschpegel ist erheblich. Jungs ärgern Mädchen, die lassen sich nichts gefallen und fauchen zurück. Ziemlich normal für Kinder, die nicht wissen, wohin mit ihrer Energie. Alice Lohmöller schaut sich das Treiben ein paar Minuten an. Dann ruft die junge Frau aus Engter die gemischte Truppe zusammen. Mit einer kleinen Meditation sollen die Kids zur Ruhe kommen und sich ein bisschen sammeln. Im Kreis knien sie auf den Hallenboden. „Habt ihr schon mal was von Meditatition gehört“, fragt die in Hasbergen geborene junge Frau, die in Berlin aufgewachsen ist und nach Stationen in Brasilien und Argentinien wieder ins Osnabrücker Land kam. Den meisten Kindern sagt das noch nicht so viel. „Wisst ihr denn, warum man beim Meditieren immer Oohmm sagt“, fragt sie weiter. Die Mädchen und Jungen kichern, aber langsam werden sie doch ein bisschen neugierig. „Im Kopf sind ganz, ganz viele Gedanken, die man einfach nicht wegbekommt“, erklärt Lohmöller. „Ein kluger Mensch ist dann darauf gekommen, dass es den Gedanken zu langweilig wird, wenn man immer so ein gleiches Wort wiederholt. Dann verkrümeln sie sich und man hat den ganzen Kopf frei für etwas Neues“. Eine kleine Sanduhr zeigt an, wie lange die Kinder das ausprobieren sollen. Drei Minuten - für Manchen eine Ewigkeit. Sie wollen sich einfach austoben.

Die Liebe zur Bewegung

Alice Lohmöller kann das gut verstehen. Die Liebe zur Bewegung prägte ihr Leben. Schon als Kind begann sie mit Judo, mit 20 kam das brasilianische Capoeira hinzu, eine Mischung aus Kampfsport und tänzerisch-akrobatischen Elementen, die auf die Tänze der afrikanischen Sklaven zurückgeht. In Argentinien, wo sie eine Zeitlang mit ihren Eltern lebte, lernte sie die spezielle argentinische Form des Jiu-Jitsu und wandte sich schließlich, „um runter zu kommen“.dem Yoga zu. Aus diesen Elementen entwickelte sie schließlich „Caydo“, das sie auch in der Kulturwerkstatt in Engter anbietet. „Tanz dich glücklich“ lautet dort das Motto.

Über eine Freundin entstand der Kontakt zur Meyerhofschule. Schulleiterin Petra Szczepanek weiß um den Wert von ausreichend Bewegung für ihre Schüler und nahm das Angebot der Engteranerin, Caydo im Rahmen der Ganztagsbetreuung anzubieten, gern an.

Südamerikanische Rhythmen

Aus dem Smartphone klingen südamerikanische Rhythmen. Ein Schüler schlägt das Tamburin. Die Kinder dürfen Tiere nennen, die ihre Mitschüler in Bewegung umsetzen müssen. Mit gestreckten Armen und Beinen als Giraffe durch die Halle staksen, rückwärts und seitwärts krabbeln wie ein Krebs oder sich wie eine Schlange über den Boden winden. Die Kids sind mit Begeisterung dabei. Dass sie gerade ihre Kraft und Koordination stärken und an ihrem Körpergefühl arbeiten, merken sie gar nicht. Dann geht es an die ersten Grundschritte. Ein Fuß nach hinten, wieder nach vorn, dann ist der andere dran. Die Bewegung beschreibt ein Dreieck. Bei einigen klappt das gleich, andere tun sich etwas schwerer. Soja hat im vergangenen Schulhalbjahr schon im Kurs mitgemacht. Sie reißt das Bein hoch wie zu einem Kampfsporttritt, Alice Lohmöller duckt sich geschmeidig darunter durch, dann wechseln die Rollen - und das alles im Takt der Musik. „Ihr lernt das superschnell. Manche Erwachsene brauchen dafür Monate“, ermuntert Lohmöller ihre Rasselbande.

Zusammenhalt macht stark: Bewegungsspiele sind ein wichtiger Bestandteil des neuen Nachmittagsangebotes.

Die Zeit fliegt. Ein paar Bewegungsspiele noch, dann ist die Stunde vorbei. „Die Kinder sollen in erster Linie Spaß haben und sich bewegen“, findet Alice Lohmöller. Wenn dann noch eine kleine Choreografie dabei herauskommt, um so besser.