Besuch in Fleischerei Bramsche: Sostmann tischt Bio-Fleisch für Slow Food auf


jup Bramsche. Gemeinsam mit Slow-Food Osnabrück zeigte die Bramscher Fleischerei Sostmann 20 Interessierten Abläufe in der Produktionskette und servierte Fleisch aus der eigenen Produktion. Der Trend zum Bio-Fleisch sei deutlich spürbar, sagt Firmenchef Christian Sostmann.

Waren es vor acht Jahren nur zwei Bio-Schweine pro Woche, schlachtet die Feinkostfleischerei nun sechs bis acht Bunte Bentheimer aus Bio-Produktion in der Woche. Das ist im Vergleich zu den 160 Schweinen aus konventioneller Tierhaltung, die in der gleichen Zeit verarbeitet werden, zwar wenig, zeigt aber den Trend, dass die Verbraucher sich mehr Bio-Fleisch wünschen. Deshalb ist Sostmann auch gerade dabei, ein Bio-Rind mit in das Angebot aufzunehmen. Da das Traditionsunternehmen aber außerdem auf kurze Wege setzt (kein Tier sollte länger als 30 Minuten Transport ausgesetzt sein), bestehe im Moment noch die Schwierigkeit einen passenden Lieferanten zu finden, berichtete Christian Sostmann, im Rahmen der Slow Food-Veranstaltung am Donnerstagabend. Sehr froh sei er aber darüber, dass er gerade einen neuen Lieferanten für seine Bio-Schweine gefunden hat. Mit dem Hof Bühning, der seine Schweine am Schleptruper Strang hält, kann er sein Prinzip der kurzen Transportwege gut umsetzen.

„Weg von der Masse“

„Wir müssen weg von der Masse und sollten lieber weniger Fleisch essen, dafür aber eine vernünftige Qualität. Und da darf der Schweinebraten dann ruhig auch eine Fettkruste haben. Das gibt einen tollen Geschmack und tut ab und zu gar nichts“, so der bekennende Fleischfreund. Allerdings gab er zu, dass das mit dem weniger Fleisch essen, bei ihm auch nicht immer gelinge. Aber er sei ja auch direkt an der Quelle, entschuldigte er sich. Küchenchef Stefan Pilzer plauderte aus dem Nähkästchen und erzählte stolz, dass er zuhause sogar seine Kinder und deren Freunde dazu gekriegt hätte, bei einem Stückchen Fett nicht gleich „igitt“ zu schreien. Das Bunte Bentheimer, eine alte Schweinerasse, die aus der Grafschaft Bentheim und dem Emsland stammt, wurde nie auf „mager“ gezüchtet, sei aber extrem robust und gut im Geschmack, so Sostmann.

„Interesse an fairem Essen sehr groß“

Die Veranstaltung, bei der zunächst das Schlachthaus an der Hemker Straße und die Produktionsräume besichtigt wurden, „war sofort ausgebucht“, berichtete Beate Fischer aus dem Leitungsteam der Osnabrücker Slow Food-Bewegung. Statt der 18 eingeplanten Plätze, hatte sie sogar 20 Teilnehmern zugesagt und dabei auf einen Hinweis in der Tageszeitung verzichtet. So schnell sei die Veranstaltung ausgebucht gewesen. Es zeige, dass das Interesse am bewussten Essen aus fairer Produktion groß sei, resümierte sie.

Nach der Führung gab es ein gemütliches Essen in der „Schweinebörse“ der Fleischerei. Auf dem Tisch stand sowohl Fleisch des Bio Schweins, als auch Braten eines konventionellen Tieres. Beide seien „Sous-vide, also bei niedriger Temperatur und einer langen Dauer im Ofen gegart worden“, erklärte Küchenchef Pilzer. Gleich auf den ersten Blick war klar, welcher Braten vom Bio-Schwein stammte. Denn, eine gut sichtbare Fettschicht bildete den Rand der Fleischscheibe. Aber die Anhänger des langsamen Essens und Genießens, Slow-Food eben, schnitten diesen nicht ab, sondern prüften kritisch seinen Geschmack. Das Ergebnis: „lecker“! Dazu servierte die Küche Kartoffelgratin und Vichykarotten mit Rotwein- und Brunnenkressesauce.

„Ich könnte nie Vegetarierin werden“

Warum war das Interesse an der Veranstaltung so groß? Georg Lucks war extra aus dem Emsland angereist, weil er das Thema so interessant findet und sein Tischnachbar Christian Lambrecht hat aufgrund seines Jobs in der Raiffeisenbank oft mit Landwirten zu tun. „Ich suche nach Lösungen, eine Kehrtwende einzuläuten“ so der Mann. Andrea Becker, arbeitet bei der Bramscher Volksbank und quasi direkte Nachbarin von Sostmann ist begeisterte Mittagstisch-Genießerin. Und mit der klaren Aussage „ich könnte nie Vegetarierin werden“ genoss sie sichtlich ihr Stück Schweinebraten mit Fettkruste.